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UD Teresina hatte an diesem lauen Aprilabend alles: 48.352 euphorische Fans, Flutlicht, Offensivdrang - und am Ende doch das Nachsehen. Denn Dragon Goianiense entführte beim 1:2 (0:0) alle drei Punkte aus dem Estádio Municipal. Es war ein Spiel mit Herz, Hektik und einem gewissen Hang zur Selbstironie - besonders, wenn man die Gesichter der Teresina-Spieler nach dem Schlusspfiff sah. Beide Teams begannen offensiv ausgerichtet, wobei die Gäste sofort klarmachten, dass "Dragon" nicht nur ein Name, sondern eine Spielphilosophie ist. Schon in den ersten 15 Minuten prüften Lewis Corraface (10. und 14.) und Taru Kolkka (12.) den Keeper Bohus Dostalek mehrfach. "Ich hatte das Gefühl, die schießen wirklich aus allen Lagen", grinste der Torwart später, "vielleicht dachten sie, es gibt Punkte für Zielübungen." Teresina brauchte etwas, um in die Partie zu finden. Ricardo Arrieta hatte in der 17. Minute die erste große Chance, verzog aber knapp. Danach folgte eine Phase, in der beide Teams viel vorhatten, aber wenig zustande brachten. Ballbesitz: ausgeglichen (48,6 % Teresina, 51,4 % Goianiense). Sprich: Jeder hatte mal den Ball, keiner wusste so recht, was er damit tun sollte. Nach der torlosen ersten Hälfte kam, was kommen musste: Dragon Goianiense zündete. In der 53. Minute setzte sich Humberto Barbosa auf links durch, flankte scharf in die Mitte, wo Luís Miguel lauerte - und wuchtig zum 0:1 einköpfte. Ein klassisches Stürmertor, das die 500 mitgereisten Fans in Ekstase versetzte. Zehn Minuten später war es wieder Luís Miguel, diesmal nach feinem Steckpass von Ersen Tekke, der eiskalt auf 0:2 erhöhte (62.). Trainer Fabian Dietz riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Wir wollten einfach mutig sein. Und wenn man Luís vorne hat, darf man ruhig offensiv denken", sagte er mit einem selbstbewussten Grinsen. Doch die Partie blieb nicht ohne Drama. Nur vier Minuten nach seinem zweiten Tor verletzte sich der Doppeltorschütze - vermutlich muskulär - und musste raus. "Ich wollte eigentlich weitermachen", erzählte Luís später, "aber mein Oberschenkel hatte eine andere Meinung." Dietz brachte Marek Szarmach, der fortan das Mittelfeld stabilisierte. UD Teresina reagierte prompt. Trainer Tobias Lang wechselte den glücklosen Arrieta aus und brachte Eugenio Rogliano - ein Glücksgriff. Kaum sechs Minuten später (66.) traf der frische Mann nach Vorarbeit von Innenverteidiger Carl Antunes zum 1:2-Anschluss. Das Stadion kochte. "Ich dachte, jetzt drehen wir das Ding", sagte Lang nach dem Spiel, "aber dann kam der alte Bekannte - Pech." Denn Teresina drückte, schoss (9 Torschüsse insgesamt), kämpfte, kassierte Gelbe Karten (Seiler 55., Antunes 78., Galasek 83.) - doch der Ausgleich wollte einfach nicht fallen. Rogliano verpasste in der 90. Minute die letzte große Gelegenheit, als sein Schuss knapp über die Latte ging. In der Nachspielzeit durfte sich noch einmal Taru Kolkka austoben, aber Dostalek parierte spektakulär. Nach dem Abpfiff blieb Tobias Lang mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stehen. "Wir haben nicht schlecht gespielt", murmelte er, "aber Dragon war heute einfach giftiger." Sein Gegenüber Dietz konterte trocken: "Wir waren heißer, nicht giftiger. Ein kleiner, aber feiner Unterschied." Statistisch gesehen ein Duell auf Augenhöhe - elf Schüsse auf das Tor bei den Gästen, neun bei den Hausherren - aber in den entscheidenden Momenten war Goianiense einfach präziser. Luís Miguel dürfte nun auf den Notizzetteln einiger Scouts stehen, auch wenn er mit Eisbeutel am Oberschenkel das Stadion verließ. Die Fans von Teresina verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus. "Wir haben Herz gezeigt", rief Kapitän Carl Antunes den Rängen zu, "und nächste Woche holen wir uns die Punkte zurück." Ein Spiel, das zeigte, wie nah Triumph und Tristesse beieinanderliegen - und dass ein Drache manchmal eben auch über Teresina fliegen kann, ohne zu verbrennen. Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Früher hatten wir Stürmer mit Bart, heute haben wir Chancen mit Bart." Man darf gespannt sein, ob Tobias Lang die Rasierklingen schärft - sprich: seine Offensive neu ausrichtet - bevor die Saison weitergeht. Bis dahin bleibt nur festzuhalten: Dragon Goianiense hat an diesem Abend Feuer gespuckt, und UD Teresina stand ein bisschen zu nah dran. 11.06.643997 05:33 |
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Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts