Diarios de Futbol
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Drama in Almagro: Academia Lima dreht das Spiel in der Nachspielzeit

Es gibt Fußballabende, die riechen nach Heldentum, Schweiß und einer Prise Tragödie. Der gestrige Copa-Libertadores-Krimi zwischen CD Almagro und Academia Lima gehört zweifellos dazu. 79.500 Zuschauer im Estadio de Almagro erlebten ein Wechselbad der Gefühle - mit einem Ende, das wohl noch lange in den Cafés der Stadt diskutiert wird: 2:3 nach 95 Minuten, ein Spiel, das keiner so recht glauben wollte.

Dabei begann alles recht zäh. Die erste Halbzeit war ein Fest für Taktiker, aber ein Desaster für Freunde des Spektakels. Beide Teams neutralisierten sich, als wollten sie einander höflich den Ballbesitz überlassen: 46,8 Prozent für Almagro, 53,2 für Lima - und gefühlt 100 Prozent Langeweile. Nur die Fans von Academia Lima, die aus Peru angereist waren, sangen sich schon in der 30. Minute heiser. "Wir wussten, dass irgendwann etwas passieren würde", grinste später Limas Trainer Olli Kahn, dessen Miene allerdings verriet, dass er zwischenzeitlich selbst Zweifel hatte.

Nach der Pause explodierte die Partie. Schon in der 48. Minute setzte Nael Antunes das Stadion in Brand. Nach feinem Zuspiel von Pol Bauza nahm er den Ball mit der Brust an, drehte sich elegant - und drosch das Leder mit links ins lange Eck. Keeper Eric Brun sah aus, als hätte er kurz an die Steuererklärung gedacht. 1:0 für Almagro, und Coach Eddy Szkoki sprang wie ein Teenager an der Seitenlinie. "Das war der Plan", rief er später mit einem Grinsen, "wir wollten Lima in Sicherheit wiegen. Vielleicht ein bisschen zu lange."

Denn kaum hatte sich der Torjubel gelegt, schlug Academia zurück. In der 57. Minute flankte Jukka Hietanen butterweich von rechts, und Christiano Meireles köpfte aus sechs Metern ein - 1:1. Ein Tor, das so sauber war, dass selbst die Heimfans kurz klatschten. "Ich habe einfach die Augen zugemacht", lachte Meireles nach der Partie.

Dann wurde es wild. Karten, Wechsel, Diskussionen - Almagros Domazos sah in der 53. Minute Gelb, als er Galindo unsanft den Rasen zeigte. In der 59. Minute wechselte Szkoki gleich doppelt, brachte den jungen Manus Domazos und Lionel Djalo. Später musste Djalo in der 92. Minute verletzt vom Platz - eine Szene, die das Publikum mit einem kollektiven "Ohhh" quittierte.

Und dann kam die Nachspielzeit. Lima, bis dahin geduldig wie ein Schachspieler, drehte plötzlich auf. Oscar Hathaway, sonst das Muster an Ordnung im Mittelfeld, zog in der 92. Minute einfach mal ab - und traf. 2:1 für die Gäste. Almagro war konsterniert, Szkoki raufte sich die Haare, während Olli Kahn an der Seitenlinie seine Faust in die Luft rammte. Zwei Minuten später, 94. Minute, wieder Lima: Luís Makukula legte flach in den Rückraum, Matteo Pedivigliano hielt den Schlappen hin - 3:1. Der Gästeblock explodierte.

Doch wer dachte, das sei’s gewesen, hatte die Rechnung ohne das Herzblut der Almagro-Spieler gemacht. In der 95. Minute, quasi mit dem letzten Atemzug, köpfte Innenverteidiger Nuno Valente nach Flanke von Inigo Quixano zum 2:3 ein. Ein Tor für die Ehre, für die Geschichtsbücher - und für alle, die glauben, Fußball sei nur ein Spiel.

Statistisch war’s eine ausgeglichene Angelegenheit: Beide Teams mit je zehn Torschüssen, Zweikampfquote fast identisch. Aber die Geschichte schreibt bekanntlich keine Tabellen, sondern Emotionen. "Wir haben bis zum Schluss alles gegeben", sagte Szkoki nach dem Abpfiff, "aber vielleicht hätte ich Olli Kahn lieber selbst ins Tor gestellt - der hält ja bekanntlich alles." Kahn grinste trocken: "Ich hätte’s gemacht, wenn’s eng geworden wäre."

Im Hintergrund standen die Spieler beider Teams, erschöpft, verschwitzt, aber mit jenem Glanz in den Augen, den nur solche Spiele hinterlassen. Die Fans von Almagro applaudierten trotz der Niederlage - vielleicht auch, weil sie wussten, dass ihre Mannschaft alles auf dem Platz gelassen hatte.

Und so ging ein Abend zu Ende, der anfangs nach Nullnummer roch und schließlich zu einem epischen 2:3 anschwoll. Die Copa Libertadores hat schon viele Geschichten geschrieben, aber diese hatte alles: Drama, Leidenschaft, späte Tore - und einen Olli Kahn, der an der Seitenlinie lächelte, als hätte er gerade wieder einen Elfmeter gehalten.

Ein Reporter-Kollege murmelte beim Verlassen des Stadions: "Wenn alle Gruppenspiele so laufen, brauchen wir bald Herzschrittmacher auf der Pressetribüne." Recht hat er.

22.04.643994 06:32
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