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Es war ein Abend, an dem selbst die Stadionwurst zittern musste. 71.550 Zuschauer im "Camp BSC" erlebten ein Pokal-Viertelfinale, das alles bot: frühe Rückstände, späte Hoffnung - und ein Elfmeterschießen, das selbst erfahrene Reporter an der Tastatur schwitzen ließ. Am Ende jubelte CD Aucas über ein 7:6 nach Elfmeterschießen, während der BSC Barcelona an sich, am Aluminium und am Nervenflattern scheiterte. Dabei hatte alles so offensiv begonnen, wie man es von Trainer Andi Eier gewohnt ist. Seine Mannschaft presste, flankte, drosch - und traf das Tor aus allen Lagen, nur eben nicht hinein. "Ich dachte, wir spielen Handball, so oft wie der Ball um den Strafraum kreiste", murmelte Eier später mit gequältem Lächeln. Und dann kam die kalte Dusche: In der 19. Minute schnappte sich Aitor Barros von Aucas auf der rechten Seite den Ball, zog nach innen und schob eiskalt ein - 0:1. Der Assist kam ausgerechnet von Innenverteidiger Vitor Pauleta, der bei dieser Aktion aussah, als hätte er seit Jahren nichts anderes getan. "Ich wollte eigentlich klären", grinste Pauleta später, "aber wenn’s ein Assist ist, nehme ich ihn." Barcelona reagierte mit Wut - und 19 Torschüssen insgesamt. Javier Jorge prüfte den Keeper mehrfach, Nelio Albentosa zirkelte Bälle, die jeden Geometrielehrer stolz gemacht hätten, nur der Ballbesitz (52,7 Prozent) half nicht gegen die Kompaktheit der Gäste. CD Aucas verteidigte giftig, lauerte und stach erneut zu: In der 56. Minute jagte Bruno Penas den Ball nach Vorlage von Davib Gayheart aus 20 Metern in den Winkel. 0:2 - und im Stadion knisterte es nicht nur wegen der Pyrotechnik. Doch wer BSC Barcelona kennt, weiß: Aufgeben gehört nicht zur Vereinsphilosophie. Eier brachte in der 60. Minute frisches Blut - den 18-jährigen Juan Mata und den 19-jährigen Juanito Nene. Und plötzlich war Feuer drin. Nur elf Minuten später donnerte Rechtsverteidiger Asier Ximenes nach feinem Pass von Mata den Ball ins Netz - 1:2, der Anschlusstreffer, begleitet von einem Stadion, das aufsprang, als gäbe es Freibier. Drei Minuten später war es dann soweit: Nelio Albentosa, der zuvor schon dreimal am starken Keeper Vitorino Manu gescheitert war, verwertete eine butterweiche Flanke von Antonio Barreda zum 2:2. "Ich hab einfach die Augen zugemacht - wahrscheinlich war das das Beste, was ich tun konnte", witzelte der Stürmer nach Abpfiff. Die Verlängerung brachte mehr Muskelkrämpfe als Torchancen, Aucas verlor in der 122. Minute seinen Linksverteidiger Martin Nani verletzt, doch hielt sich irgendwie über die Zeit. "Wir haben gebetet, gehofft und dann noch mal gebetet", gab Trainer Mister Zvenson zu, der an der Seitenlinie mehr Kilometer machte als mancher Mittelfeldspieler. Das Elfmeterschießen schließlich war nichts für schwache Nerven. Javier Jorge traf, ebenso Joseph Burton, Juanito Nene und Albentosa. Doch der junge Juan Mata, ausgerechnet der, der das Comeback eingeleitet hatte, scheiterte an der Latte. Aucas blieb eiskalt: Albinana, Penas, Almeida, Tellez und schließlich Iban Morais trafen - 7:6! Während die Gäste jubelten, sank Torhüter Yekta Colak in den Rasen. "Ich war dran, aber irgendwie war der Ball heute gegen uns", stöhnte er. Trainer Eier klopfte ihm auf die Schulter: "Wenn’s nach Chancen geht, sind wir im Finale. Aber der Fußball hat sich wieder mal für den Sadismus entschieden." Auf der anderen Seite grinste Zvenson so breit wie das Tor selbst: "Wir haben Barcelona ausgeschaltet - das werde ich mir in meinen Lebenslauf schreiben, gleich hinter meinem Diplom in Geduld." Die Statistik sprach am Ende für Barcelona: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Herz. Aber Pokalspiele werden nicht nach Schönheit entschieden. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll", sagte Albentosa. "Vielleicht beides - aber bitte erst nach der Dusche." Und so endete ein epischer Fußballabend mit einem Elfmeterschießen, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Barcelona fliegt raus, Aucas träumt weiter - und irgendwo in der Kabine summt jemand leise: "So ist Fußball." Vielleicht das ehrlichste Fazit dieses Abends: Wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt sie im Pokal nicht zurück. Oder, wie Andi Eier es trocken formulierte: "Wir haben alles gegeben - inklusive der Nerven unserer Fans." 25.03.644000 13:48 |
Sprücheklopfer
Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund