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Wenn ein Spiel nach drei Minuten praktisch entschieden ist, dann hat entweder einer der Torhüter verschlafen oder ein Team so viel Lust auf Offensivfußball wie andere auf Freibier. Am 3. Spieltag der 2. Liga Deutschland servierte Dinamo Dresden am Mittwochabend jedenfalls ein Offensivmenü, das TuS Hordel kaum verdauen konnte. 3:1 (3:0) hieß es am Ende vor 22.905 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion - und ehrlich gesagt, das Ergebnis schmeichelte den Gästen. Schon in der dritten Minute explodierte der Abend: Christopher Hammer, Dresdens bulliger Linksaußen, traf nach feiner Vorarbeit von Ernesto Barreda aus halbrechter Position. Es war ein Treffer mit Ansage, denn die Hausherren hatten sich kaum mit dem Anpfiff begnügt, sondern sofort in den Angriffsmodus geschaltet. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause keinen Zeitlupenfußball spielen", grinste Hammer später in der Mixed Zone. TuS Hordel dagegen wirkte wie ein Autofahrer, der versehentlich auf die Autobahn geraten ist - und zwar gegen die Fahrtrichtung. Die Gäste, deren Trainerin Ute Finkeldy noch vor dem Spiel angekündigt hatte, "mutig nach vorn zu verteidigen", fanden kaum Zugriff. In der 16. Minute klingelte es erneut: Hermann Sommer, der flinke Rechtsaußen, nutzte eine Unachtsamkeit im Hordeler Strafraum und schob überlegt ein. Ab dann war Dresden im Rausch. Ballbesitz? 62 Prozent. Torschüsse? 18 zu 5. Die Zahlen lesen sich, als hätten die Sachsen einen Trainingskick gegen die eigene U19 absolviert. Und als Henrich Kvasnak in der 33. Minute mit einem satten Schuss aus 25 Metern das 3:0 markierte - nach Zuspiel des spielfreudigen Marco Beto -, schien die Messe gelesen. "Ich dachte mir einfach: Versuch’s mal! Und dann flog der Ball wie im Traum", sagte Kvasnak später, während er noch ungläubig den Kopf schüttelte. Kurz vor der Pause kassierte allerdings Verteidiger Gerhard Sauer Gelb, weil er offenbar meinte, dass ein Trikotziehen auf Höhe der Mittellinie ein Kavaliersdelikt sei. Trainer Maikma Nauskas nahm’s mit Humor: "Gerhard wollte wohl nur mal zeigen, dass er auch da ist. Sonst hätten wir ihn übersehen bei all den Angriffen." In Halbzeit zwei ließ Dresden es ruhiger angehen. Das Offensivfeuerwerk wurde zum Schaulaufen, und Hordel durfte nun auch ein bisschen mitspielen. Finkeldy reagierte gleich dreifach zur Pause, brachte frische Flügel und einen neuen Linksverteidiger - und siehe da, plötzlich kam Bewegung ins Spiel. In der 52. Minute nutzte der erfahrene André Lange eine Unaufmerksamkeit der Dresdner Abwehr, nachdem Olav Anders klug durchgesteckt hatte, und verkürzte auf 3:1. Ein Lichtblick im sonst grauen Hordeler Abend. "Da haben wir kurz geschlafen, vielleicht dachten wir, es wäre schon Feierabend", gab Torwart Ernesto Morais zu, der ansonsten einen entspannten Abend verbrachte. Danach verwaltete Dresden den Vorsprung souverän, ohne noch einmal in echte Gefahr zu geraten. Sommer prüfte den Hordeler Keeper Kay Fuhrmann noch zweimal, Albert kassierte in der 69. Minute Gelb, weil er den Ball etwas zu leidenschaftlich in die Wolken drosch - vermutlich aus Freude über die eigene Fitness. Die letzten Minuten gehörten dann der Show. Nauskas feuerte von der Seitenlinie seine Offensivkünstler an, während im Gästeblock ein paar unermüdliche Hordel-Fans "Wir wollen euch kämpfen seh’n!" skandierten - allerdings mehr aus Pflichtgefühl als aus Überzeugung. "Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen, das war ein Lehrstück, wie man nicht verteidigt", gestand Trainerin Finkeldy. "Aber ich bin stolz, dass wir nach der Pause wenigstens nicht auseinandergefallen sind." Ihre Spieler nickten, etwas gezeichnet, aber mit Anstand. Statistisch betrachtet war das Spiel eine klare Sache: Dresden dominierte mit 61,9 Prozent Ballbesitz, gewann 55 Prozent der Zweikämpfe und schoss viermal so oft aufs Tor. In den Gesichtern der Hordeler sah man nach Abpfiff weniger Enttäuschung als eher Erleichterung, dass es bei drei Gegentoren geblieben war. "Wenn wir so weitermachen, können wir oben anklopfen", sagte Nauskas zum Abschluss und zwinkerte. "Aber wir wissen auch: Die Tabelle ist kein Wunschkonzert." Vielleicht nicht - aber an diesem Abend tanzte Dresden zumindest im richtigen Takt. Und TuS Hordel? Die werden auf der Rückfahrt nach Bochum wohl viel Zeit haben, über frühe Gegentore und späte Erkenntnisse zu sprechen. 26.12.643993 08:09 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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