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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball mehr mit Nerven als mit Taktik zu tun hat. 37.349 Zuschauer im Stadion von Dunajska Streda sahen zunächst, wie ihre Mannschaft gegen Ruza Ruzomberok in Rückstand geriet - und am Ende doch jubelnd in die Nacht tanzte. 2:1 hieß es nach 90 Minuten, und obwohl die Statistik knapp war, fühlte sich der Sieg für die Gastgeber wie eine kleine Erlösung an. Schon nach zehn Minuten herrschte betretenes Schweigen auf den Rängen. Stanislav Jendrisek, eigentlich als rechter Verteidiger bekannt und sicher kein Mann, der jeden Samstag in der Torschützenliste auftaucht, nutzte eine Unaufmerksamkeit in der Hintermannschaft der Stredaner und traf nach Vorarbeit von Igor Brezinsky zum 0:1. Während Gästetrainer Peter Hamsik (nein, kein Verwandter des berühmten Marek, aber ähnlich temperamentvoll) an der Seitenlinie die Faust ballte, griff Heimcoach Maya Kaiser sich an die Stirn. "Ich wollte gerade rufen, dass wir ruhig bleiben sollen - da war der Ball schon drin", erzählte sie später mit einem gequälten Lächeln. Die Antwort ihrer Mannschaft ließ allerdings auf sich warten. Zwar hatte Dunajska Streda mehr vom Spiel - 13 Torschüsse insgesamt, gegenüber nur sieben der Gäste - doch zur Pause stand es eben 0:1. Und das, obwohl Adriano da Costa, der brasilianische Wirbelwind auf der rechten Seite, schon früh den Gästetorwart De Santis prüfte. Stattdessen hagelte es Gelbe Karten für die Heimmannschaft: Sergio Coelho in der 12. Minute, Charlie Kendall in der 34. Und während der Ballbesitz mit 48,7 zu 51,3 Prozent recht ausgeglichen war, wirkte das Spiel der Gastgeber bis dahin eher wie ein Puzzle ohne Anleitung. In der Kabine muss Maya Kaiser dann die richtige Tonlage gefunden haben. "Ich habe gesagt: Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit schönen Pässen", verriet sie später schmunzelnd. Kurz nach Wiederanpfiff wechselte sie doppelt: Paul Rau kam für Kendall, Patrick Lorenz ersetzte den verwarnten Coelho. Zwei unscheinbare Personalien - die das Spiel kippten. In der 64. Minute war es nämlich genau dieser Paul Rau, der den Ball mit einem schnellen Pass in den Lauf von Alexander Schewzow legte. Der 21-Jährige blieb cool, schob den Ball vorbei am herausstürzenden De Santis - 1:1. Das Stadion bebte. "Ich hab nur gedacht: endlich!", rief Schewzow nach dem Spiel lachend, während er sich mit einem Becher isotonischer Brause abkühlte. Nur sechs Minuten später war dann alles angerichtet für den endgültigen Jubel. Humberto Futre, dessen Name die Fans wegen seiner Ähnlichkeit zu einem portugiesischen Fußballidol ohnehin lieben, flankte von rechts präzise auf Servet Sancakli. Der türkische Linksaußen stieg hoch, köpfte wuchtig - 2:1! "Ich hab kurz überlegt, mit dem Kopf oder der Seele zu treffen", witzelte Sancakli nachher. "Am Ende war’s wohl beides." Ruza Ruzomberok versuchte es danach noch, blieb aber harmlos. Ein paar Distanzschüsse von Vladimir Kratochvil und Peter Medved - doch Goalie Louis Devereux war stets auf dem Posten. Als dann in der 82. Minute auch noch Gästespieler Knud Voss Gelb sah, war klar: Das wird heute nichts mehr für die Gäste. Die letzten Minuten waren ein einziger Mix aus Zittern, Pfeifen, Singen und - typisch Dunajska - einem spontanen Chor, der sich in der Südkurve bildete. Trainerin Kaiser stand an der Seitenlinie, klatschte ihre Mannschaft nach vorne und wirkte plötzlich zehn Jahre jünger. "Ich hab einfach gespürt, dass sie’s jetzt wollen", sagte sie. Statistisch betrachtet war es kein Klassenunterschied: Ruzomberok hatte leicht mehr Ballbesitz, Dunajska mehr Schüsse und die bessere Zweikampfquote (52,6 Prozent). Aber Fußball wird bekanntlich nicht auf Excel entschieden. Und manchmal reicht eben ein bisschen Mut, ein bisschen Maya-Kaiser-Magie - und ein Alexander Schewzow mit kühlem Kopf. Als der Schlusspfiff ertönte, sprangen die Fans auf, als wäre gerade die Meisterschaft entschieden. Vielleicht war es nur ein Sieg am 10. Spieltag der 1. slowakischen Liga, aber für Dunajska Streda fühlte sich dieser Abend größer an. "Wir haben heute nicht nur ein Spiel gewonnen", meinte Sancakli noch in der Mixed Zone, "wir haben gezeigt, dass wir Rückgrat haben." Und Alexander Schewzow fügte augenzwinkernd hinzu: "Und ein bisschen Glück. Aber das behalten wir gern." Ein Abend, an dem ein 2:1 mehr sagte als tausend Taktiktafeln. Und irgendwo in den Katakomben summte Maya Kaiser leise vor sich hin: "Das war schön." 22.09.643999 15:57 |
Sprücheklopfer
Einige haben von einem recht guten Spiel gesprochen. Da frage ich mich, ob ich zum Augen- oder zum Ohrenarzt muss.
Andreas Möller nach einer 1:3-Niederlage des BVB in Bielefeld