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Ein lauer Maiabend, 43.500 Zuschauer im Estádio Municipal, ein Viertelfinale der Amerikaliga - und eine Heimmannschaft, die sich fragte, wie man mit 56 Prozent Ballbesitz trotzdem verlieren kann. Duque de Caxias unterlag im Hinspiel Academia Lima mit 1:2. Die Gäste aus Peru präsentierten sich kaltschnäuzig, clever und ein klein wenig frech - ganz so, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die von Olli Kahn betreut wird. Schon vor dem Anpfiff hatte man das Gefühl, dass Trainer Jonny Joint ahnte, was auf seine Jungs zukommt. "Wir wollen kompakt stehen und über die Flügel kommen", sagte er mit einem Blick, der verriet, dass er innerlich betete, seine Abwehr möge den Abend überleben. Nun, sie tat es - fast. Die Partie begann schwungvoll. Bereits nach drei Minuten prüfte Vitorino Andrade den Lima-Keeper Luis Enriquez, der mit einer Flugeinlage zeigte, dass er nicht nur wegen seines Namens auffällt. Es entwickelte sich ein rassiges Spiel mit vielen Torschüssen (12:11 für die Gastgeber), aber wenig Zählbarem. In der 34. Minute dann der erste Stich: David Galindo, der bullige Mittelstürmer der Gäste, schloss nach feinem Zuspiel von Jukka Hietanen eiskalt ab - 0:1. Galindo grinste danach breit und meinte später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich: Warum nicht mal aufs Tor?" Trainer Kahn kommentierte trocken: "Wir trainieren das so - Zufall ist nur, wer das Tor macht." Duque de Caxias schüttelte sich, kämpfte, schoss, fluchte - aber das Tor fiel erst direkt nach Wiederanpfiff. Innenverteidiger Nelson Barros, der bis dahin hauptsächlich durch rustikale Zweikämpfe aufgefallen war, schlich sich in den Strafraum und drückte eine Hereingabe von Tiago Meireles über die Linie. 1:1 in der 46. Minute, das Stadion tobte. Barros rief beim Torjubel "Ich bin jetzt Stürmer!", worauf Trainer Joint murmelte: "Wenn er das bleibt, bin ich arbeitslos." Doch die Euphorie hielt nicht lange. Lima lauerte, blieb offensiv, und in der 76. Minute schlug der erfahrene Ivan Anicic zu. Ein trockener Schuss aus 18 Metern, keine Chance für Keeper Luís Chalana - 1:2. "Ich schieße sonst nie aus der zweiten Reihe", sagte Anicic nach dem Spiel. "Aber der Ball hat mich so schön angeschaut." Danach wurde es ruppig. Adrian Zakrzewski sah in der 50. Minute Gelb, später folgte Nelson Barros (81.), der wohl dachte, eine Karte gehöre zum guten Ton. Kahn blieb an der Seitenlinie stoisch, während Jonny Joint wild gestikulierend versuchte, seine Defensive nach vorne zu dirigieren - ein Widerspruch in sich. Statistisch war es ein Spiel für Taktikfreunde: Duque mit mehr Ballbesitz (55,9 %), mehr Passspiel (kurz und geduldig), Lima mit höherer Aggressivität und klarer Chancenverwertung. Die Brasilianer spielten defensiv mit Flügelangriffen, als wollten sie ein Lehrbuch über geduldige Ineffektivität schreiben. Lima dagegen blieb offensiv, aggressiv, und legte in den letzten Minuten sogar Pressing an den Tag - so, als hätten sie bemerkt, dass es im Viertelfinale um etwas geht. Nach dem Schlusspfiff blieb die Stimmung zwiegespalten. Die Fans von Duque de Caxias klatschten ihre Mannschaft müde ab, während die peruanischen Anhänger tanzten. "Wir haben noch ein Rückspiel", betonte Joint trotzig. "Und ich habe gehört, dass Olli Kahn als Spieler nie zwei Spiele in Folge ruhig schlafen konnte." Kahn lachte dazu nur: "Schlaf ist überbewertet. Wichtig ist, dass meine Jungs wach sind." Fazit: Duque de Caxias war bemüht, aber harmlos. Academia Lima war kalt wie ein Andenwind und effektiv wie ein Schweizer Uhrwerk. Mit dem 2:1 im Gepäck reisen sie selbstbewusst ins Rückspiel - und Jonny Joint darf sich überlegen, ob er Nelson Barros vielleicht doch noch als Mittelstürmer aufstellt. Am Ende war es eines jener Spiele, über die man sagt: Der Ball ist rund, das Tor ist eckig - und manchmal passt das Runde einfach besser bei den Gästen rein. 06.04.644000 04:25 |
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Geld schießt keine Tore.
Otto Rehhagel