Diarios de Futbol
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Durango beißt sich fest - Tachira lacht zuletzt

59.000 Zuschauer in Durango erlebten an diesem Donnerstagabend ein Fußballspiel, das alles bot, was man von einem Auftakt in der Copa Libertadores erwarten darf: Tempo, Tore, Gelbe Karten - und ein Schiedsrichter, der offenbar sein Fitnessprogramm beim Dauerlauf zwischen Strafraum und Mittellinie absolvieren wollte. Am Ende jubelte UD Tachira über ein 3:2 (2:1) bei Alacranes Durango - ein Sieg, der so verdient wie nervenaufreibend war.

Schon in der 14. Minute begann der venezolanische Tanz auf mexikanischem Rasen. Emil Musiala, der zentrale Taktgeber Tachiras, fasste sich ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Musiala später, "und gehofft, dass der Torwart noch überlegt, ob er überhaupt springen soll." Jubel, Staunen, und ein irritierter Heimcoach Manni Kaltz, der an der Seitenlinie kurz wirkte, als wolle er seine Defensive eigenhändig umsortieren.

Doch Durango zeigte Biss: Mick Woltemade, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Presslufthammers, brachte die "Alacranes" in der 27. Minute zurück. Nach einer butterweichen Flanke von Albert Ohlsson köpfte er den Ball kompromisslos ins Netz. "Das war pure Wucht", meinte Kaltz, "aber leider nur einmal so sauber, wie ich es mir wünschen würde."

Tachira konterte postwendend - und zwar mit Stil. Christiano Cuadrado, der rechte Wirbelwind, veredelte in der 33. Minute einen blitzsauberen Angriff über Musiala und Matamoros zum 2:1. Eine Szene wie aus dem Lehrbuch: Steilpass, Querpass, Tor. "Wir trainieren das so", erklärte Tachira-Trainer Peter Silie mit einem kaum verhohlenen Grinsen. "Manchmal klappt’s sogar."

Nach der Pause legte Durango noch einmal alles rein. Der Heimklub, mit knapp 45 Prozent Ballbesitz und 11 Torschüssen auf Augenhöhe, rannte an wie ein Stier in der Arena. Der Ausgleich fiel folgerichtig in der 55. Minute: Nevio Pauleta zog aus zentraler Position ab, der Ball schlug unhaltbar ein. Assistgeber Arnau Pacos breitete die Arme aus, als wolle er sagen: "Na also, geht doch!"

Das Stadion tobte, Bier floss, und kurz wähnte man Durango am Drücker. Doch kaum vier Minuten später drehte Christiano Cuadrado erneut auf - diesmal nach Vorarbeit des unermüdlichen Enrique Obregon. 59. Minute, 3:2 für Tachira. "Ich hab ihn einfach gesehen", erzählte Obregon später, "und wusste: Wenn ich den Ball dort hinspiele, macht er ihn. Oder er macht mich rund. Beides motiviert."

Von da an wurde es ein Spiel der Nerven. Tachira zog sich zurück, verteidigte mit südamerikanischer Leidenschaft und einer Prise Theatralik. Drei Gelbe Karten - Kuqi (67.), Miriuta (69.) und Kolarov (89.) - belegen, dass man den Sieg mit Zähnen und Nägeln festhielt. "Wir haben nicht unfair gespielt", betonte Silie mit unschuldigem Blick. "Nur… temperamentvoll."

Durango warf alles nach vorn, coach Kaltz brachte frische Beine: Erst Rodriguez (72.), dann Kolkka (85.) und Conceicao (88.) kamen, doch der Funke wollte nicht mehr überspringen. Ein letzter Freistoß von Esteban Bertran in der 84. Minute verfehlte das Ziel knapp - sinnbildlich für einen Abend, an dem Einsatz und Leidenschaft stimmten, das Ergebnis aber nicht.

"Wir haben das Spiel verloren, aber nicht unseren Mut", sagte Kaltz nach Abpfiff. "Und Tachira? Die hatten einfach mehr Glück im Abschluss. Und vielleicht einen besseren Friseur."

Peter Silie konterte trocken: "Wenn Glück Frisur wäre, hätten wir alle Dauerwelle."

So blieb es beim 2:3 - ein Ergebnis, das Alacranes Durango ärgern wird, während Tachira mit drei Punkten im Gepäck und einem breiten Lächeln die Gruppenphase eröffnet. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 11:11 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste, Zweikampfquote fast pari. Doch am Ende zählen eben Tore, nicht Tabellenkalkulationen.

Und so verabschiedete sich die Nacht von Durango mit einem alten Fußballgesetz: Wer seine Chancen nutzt, darf feiern. Wer sie liegen lässt, bekommt die Schlagzeile. Oder, wie Woltemade es formulierte, während er sich das Trikot über den Kopf zog: "Wenn du dreimal jubelst und zweimal der Gegner, ist das schön. Nur leider war’s heute andersrum."

Ein Auftakt, der Lust macht auf mehr - zumindest für alle, die Tachira heißen.

27.12.644002 17:58
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