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Köln, Müngersdorfer Stadion, 11. Juni 2026 - 28.674 Zuschauer hatten sich eigentlich auf einen lauen Sommerabend mit Kölsch, Bratwurst und einem Heimsieg ihres Effzeh eingestellt. Am Ende gingen sie mit einem leicht verbrannten Sonnenbrand und hängenden Schultern nach Hause. Germania Ilmenau, der Außenseiter aus Thüringen, spielte die Rolle des ungebetenen Partygastes perfekt - mit vier Treffern und einem Auftritt, der Kölns Abwehr phasenweise aussehen ließ wie eine Gruppe Touristen beim Domaufstieg. Schon nach zwei Minuten zeichnete sich ab, dass dieser Abend kein gewöhnlicher werden würde. Dirk Anders, der flinke Rechtsaußen der Ilmenauer, zog nach Vorlage von Lucas Reimann ab - und plötzlich stand es 0:1. Kölns Keeper Jorge Fernan sah dem Ball nur noch hinterher, vermutlich in Gedanken noch bei der Hymne. "Wir wollten eigentlich ruhig beginnen. Das war dann… sagen wir: suboptimal", knurrte später Trainer Toni Tapolski. Köln schüttelte sich kurz, kam durch Solodkin und Wirtz zu Chancen, doch Ilmenau blieb eiskalt. In der 35. Minute erhöhte Lucas Reimann nach einem Kopfball-Duell, das er gegen zwei Kölner gewann, auf 0:2. Die Szene erinnerte mehr an Beachvolleyball als an Bundesliga-Fußball. "Ich musste nur noch den Kopf hinhalten", grinste Reimann, "den Rest haben die Kölner für mich erledigt." Kurz vor der Pause kam dann doch noch ein Lebenszeichen des Effzeh. Onur Köse, bis dahin unauffällig, zog nach schönem Querpass von Paul Celine aus 18 Metern ab - und traf sehenswert zum 1:2. Der Jubel war groß, das Bier floss wieder, und die Fans hofften auf eine Wende. Direkt nach dem Seitenwechsel brachte Tapolski den jungen Aad Quackenboss für Jorge Martins - ein Wechsel, der sich zunächst auszahlen sollte. In der 49. Minute stand der 20-Jährige goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. 2:2! Das Stadion vibrierte, die Südkurve war wieder wach, und man ahnte: Jetzt geht’s los. Leider nur für Ilmenau. Denn statt Kölner Angriffswellen folgte die thüringische Effizienz. In der 61. Minute schlug Reimann erneut zu - diesmal nach toller Vorarbeit von Oldie Luca Erdmann. Und als ob das nicht genug wäre, setzte Jari Vuorinen nur fünf Minuten später mit dem 4:2 den Deckel drauf. Vorlage: der 33-jährige Ben Haase, der danach mit ausgestrecktem Zeigefinger Richtung Tribüne rief: "Alt, aber goldrichtig!" Köln versuchte es weiter, doch die Luft war raus. Solodkin und Gorgon vergaben, Vazques kam spät für Wirtz, aber Ilmenau verteidigte clever. Und als Innenverteidiger Robin Steffens in der 80. Minute nach Gelb-Rot vom Platz musste, war das Spiel endgültig entschieden. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er - und grinste dabei so, dass selbst der Schiedsrichter kurz zögerte. Köln hatte mit 48 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüssen zwar keine unterirdischen Werte, doch Ilmenau war schlicht zielstrebiger. 14 Schüsse aufs Tor, vier davon drin - das nennt man Effizienz. Trainer Thorben Hartung sprach anschließend von "einem Arbeitssieg mit Stil". Auf die Frage, ob sein Team nun um Europa mitspiele, lachte er: "Wir fahren erstmal nach Hause. Das ist schon weit genug." Tapolski hingegen suchte nach Erklärungen: "Wir wollten offensiv stehen, aber wenn du nach zwei Minuten hinten liegst, fängst du an zu schwimmen." Als jemand ihn auf die veränderte Taktik zum Ende hin ansprach - volles Pressing, hoher Einsatz - antwortete er trocken: "Ja, da wollten wir wenigstens zeigen, dass wir laufen können." Während die Ilmenauer Fans auf den Rängen noch lange sangen, verließen die Kölner Spieler das Feld mit gesenkten Köpfen. Nur Köse klopfte einem Balljungen auf die Schulter und murmelte: "Beim nächsten Mal machen wir’s besser. Vielleicht." Ein Abend, der zeigt, dass Ballbesitz und Offensivdrang keine Garantie sind - und dass manchmal ein Team mit kurzen Pässen, starkem Einsatz und einer Prise Kalkül einfach schlauer spielt. Germania Ilmenau hat sich diesen Sieg erarbeitet, Köln dagegen die eigenen Wunden. Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, habe Toni Tapolski leise gesagt: "Wenn wir wenigstens so effizient wären wie ihre Bratwurststände, wären wir Tabellenführer." Endstand: Effzeh Köln - Germania Ilmenau 2:4 (1:2). Tore: Anders (2.), Reimann (35., 61.), Köse (40.), Quackenboss (49.), Vuorinen (66.). Zuschauer: 28.674. Gelb-Rot: Steffens (80.). 19.03.644003 00:45 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit