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Effzeh stolpert gegen Hennef - frühe Schockmomente und späte Kosmetik

Ein kalter Januarabend, 18.596 Zuschauer im RheinEnergieStadion, Flutlicht, Bratwurstgeruch, gespannte Gesichter - und nach zwei Minuten der erste kollektive Aufschrei: Dominique Hayman vom SC Hennef nutzt den ersten Angriff, als wäre er vom Blitz getroffen. Ein Pass von Routinier Caio Alves fliegt durch die Kölner Abwehr wie ein Messer durch warme Butter. Hayman nimmt den Ball mit links, zieht ab - 0:1. Da waren einige Fans noch beim ersten Schluck Bier.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Kölns Torwart Bruno Jemez später mit einem gequälten Lächeln. Trainer Toni Tapolski hielt sich da nicht zurück: "Das war ein Albtraumstart. Wir wollten Druck machen - und bekommen Druck gemacht."

Und tatsächlich: Hennef, das Team von Giovanni Diaco, spielte danach, als hätte man die Bälle magnetisiert. 59 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, eine Dominanz, die man sonst nur aus Lehrvideos kennt. Köln, zwar offensiv aufgestellt, wirkte in der ersten Hälfte wie ein Schüler, der seine Hausaufgaben vergessen hat.

In der 44. Minute kam, was kommen musste: Larry Vrooman, der unermüdliche Mittelfeldmotor der Gäste, zog nach Vorarbeit von Jorge da Costa trocken ab - 0:2. Da war das Stadion kurz still. Nur im Gästeblock sang man lautstark, während Kölns Verteidiger sich gegenseitig fragend ansahen.

"Wir haben die Räume nicht dicht bekommen", sagte Innenverteidiger Ricardo Ibanez später. "Und dann siehst du nur noch Rücklichter."

Nach der Pause versuchte Tapolski, das Ruder herumzureißen. Jacques Diarra ersetzte Felipe Perales - ein klares Signal: mehr Tempo, mehr Risiko. Köln blieb offensiv, aber Hennef blieb cool. Giovanni Diaco an der Seitenlinie wirkte wie ein Schachspieler, der schon drei Züge vorausdenkt. Seine Anweisungen? Kurzpass, ruhig, clever. "Wir wussten, dass Köln irgendwann alles nach vorne werfen würde", grinste der Hennef-Coach nach dem Spiel.

In der 70. Minute kam dann doch der Moment, der die Heimfans von den Sitzen riss: Eckball, Durcheinander, und plötzlich ist da - ausgerechnet Ibanez, der 19-jährige Innenverteidiger, der sich in den Strafraum verirrt hatte. Mit der Brust angenommen, mit rechts reingewuchtet. 1:2! Jetzt war Feuer drin. Köln warf alles nach vorne, die Statistik zeigte am Ende 5:14 Torschüsse, aber die letzten Minuten gehörten nur noch der Hoffnung.

Tapolski brüllte, fuchtelte, trieb sein Team an. "Jungs, das ist euer Stadion!" soll er gerufen haben. Doch Hennef ließ sich nicht mehr beirren. Selbst die Gelbe Karte für Jorge da Costa in der 81. Minute änderte nichts mehr am Rhythmus der Gäste.

Die Kölner Fans würdigten die Schlussoffensive mit Applaus, besonders als der 17-jährige Justin Weise in der 89. Minute noch eingewechselt wurde. Eine mutige Geste, fast symbolisch - die Jugend soll’s richten. Aber Hennef verteidigte abgeklärt, fast spöttisch souverän. Nach 90 Minuten stand das 1:2, und während die Hennefer jubelten, schlich Köln enttäuscht vom Platz.

"Wir haben zu spät angefangen, Fußball zu spielen", resümierte Tapolski trocken. Diaco dagegen grinste: "Wir wollten zeigen, dass man auch mit ruhigem Passspiel in Köln gewinnen kann. Ich denke, das ist uns gelungen."

Statistisch war alles klar: Hennef hatte mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Ruhe. Köln hatte… mehr Herz in den letzten 20 Minuten. Und immerhin ein Tor, das zeigte, dass der Nachwuchs lebt.

Die Stimmung im Stadion nach Abpfiff: enttäuscht, aber nicht feindselig. Ein älterer Fan fasste es am Bierstand so zusammen: "Früher hätten wir so ein Spiel noch gedreht. Heute spielen wir halt Tiki-Taka im eigenen Sechzehner."

So bleibt Effzeh Köln weiter im Tabellenmittelfeld stecken, während der SC Hennef mit taktischer Disziplin und jugendlichem Mut ein Ausrufezeichen setzt.

Vielleicht das schönste Bild des Abends: Ibanez, der Torschütze, klopft seinem Trainer auf die Schulter und sagt, halb lachend, halb erschöpft: "Wenigstens hab ich meinen Fehler vorne wieder gutgemacht."

Ein Spiel, das zeigt: Fußball ist manchmal einfach - wer den Ball länger hat, gewinnt. Und wer in Köln früh trifft, darf auch mal träumen.

04.11.643987 13:27
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