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Ein lauer Abend in Rio, 42.323 Zuschauer, zwei Teams mit offenem Visier - und am Ende ein 2:2, das irgendwie allen und keinem gerecht wurde. Duque de Caxias und CF Flamengo lieferten sich am 13. Spieltag der 1. Liga Brasilien ein Duell, das von Tempo, Emotion und einer Prise Chaos lebte. "Wenn du zweimal führst und am Schluss nur einen Punkt hast, schmeckt das wie kalter Kaffee", knurrte Duque-Trainer Jonny Joint nach dem Abpfiff. Aber immerhin: Kaffee ist besser als gar nichts. Flamengo begann forsch, fast frech. Schon in der 16. Minute zappelte der Ball im Netz: Benyamin Rieger, der flinke Linksaußen, traf nach Vorarbeit von Vitorino Gomes - ein Angriff wie aus dem Lehrbuch, oder wie Trainer Dino Ma später süffisant meinte: "Das war so schön, dass ich fast selbst geklatscht hätte." Die Fans der Rubro-Negros jubelten, aber sie sollten bald wieder verstummen. Denn nur zwei Minuten später antwortete Duque de Caxias mit Wucht. Julian Costa - der Mann, der aussieht, als würde er lieber in einem Rockkonzert Gitarre spielen, als Fußball - schlenzte nach Pass von Marcio Moutinho den Ball sehenswert ins rechte Eck. 1:1, und das Stadion kochte. Costa lief zur Bank, breit grinsend, und rief seinem Trainer zu: "Ich hab’s dir gesagt, Coach, heute knallt’s!" Joint grinste zurück, als wüsste er schon, dass es gleich wieder knallen würde. Neun Minuten später war es wieder Costa, diesmal nach feiner Vorlage von Ivan Kahriman. 2:1 für Duque - und das Publikum auf den Rängen sang, als ginge es um die Meisterschaft. Die Gastgeber spielten in dieser Phase wie entfesselt, auch wenn sie laut Statistik mit 47,7 Prozent Ballbesitz leicht im Hintertreffen lagen. Aber wer braucht Ballbesitz, wenn man Julian Costa hat? "Er war heute unser Orkan auf links", schwärmte Moutinho nach dem Spiel. "Ich wollte ihm zur Pause eigentlich sagen, er soll weniger laufen - aber das wäre wie einem Hund zu sagen, er soll nicht bellen." Nach dem Seitenwechsel drehte Flamengo wieder auf. Dino Ma schickte Afanasi Tscherepanow für den gelbbelasteten Georges Jürgens - ein Wechsel, der das Spiel stabilisierte. Und als der junge Caio Eusebio in der 63. Minute nach feinem Zuspiel von Klaus Reiter den Ball zum 2:2 ins Netz drosch, jubelte der Flamengo-Trainer wie ein Teenager auf einem Popkonzert. "Caio ist 20, aber spielt, als hätte er schon zehn Jahre Sambaschritt im Strafraum geübt", lobte Ma später mit einem Augenzwinkern. Flamengo blieb danach am Drücker, mit insgesamt 13 Torschüssen zu Duques acht. Besonders auffällig: Der 18-jährige Domingo Moutinho, der in der 76. Minute für Doppeltorschütze Rieger kam, brachte frischen Wind. Zweimal prüfte er den Keeper Antip Samsonow, der am Ende dennoch lässig meinte: "Ich hab heute mehr Schüsse gefangen als mein kleiner Bruder Pokémon." Doch auch Duque hatte noch seine Momente. In der 72. Minute rauschte Noe Derlei über rechts heran, sein Schuss wurde gerade noch abgeblockt. Kurz darauf verletzte sich Innenverteidiger Nelson Barros, der zuvor schon Gelb gesehen hatte, und musste raus - Caio Rocha übernahm. "Barros hat alles reingeworfen, vielleicht ein bisschen zu wörtlich", kommentierte Coach Joint trocken. In den letzten Minuten drückte Flamengo, presste hoch, wie die Daten später bestätigten: volles Pressing, offensiv, aggressiv. Aber Duque hielt stand - mit Herz, Krämpfen und einem Torwart, der plötzlich Zeitlupen für sich entdeckte. Als der Schiedsrichter nach 93 Minuten abpfiff, atmeten beide Teams durch. Ein Spiel, das sich wie ein Sieg für die Zuschauer, aber wie eine verpasste Chance für beide Seiten anfühlte. "So ist Fußball", sagte Julian Costa nach seinem Doppelpack und grinste in die Kameras. "Mal bist du der Held, mal bist du nur nassgeschwitzt." Dino Ma fasste es noch kürzer: "Wir hätten gewinnen können. Aber wenigstens haben wir nicht verloren." Am Ende bleibt ein 2:2, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Perfektion, sondern wegen der Leidenschaft. Und vielleicht auch, weil Duque de Caxias gezeigt hat, dass Herzblut manchmal mehr wert ist als Ballbesitz. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions murmelte: "Das war kein Spiel, das war Samba mit Stollen." Und ja - wer Julian Costa in dieser Form sieht, könnte glatt glauben, dass selbst die Sonne über Rio kurz stehen blieb, um zuzuschauen. 30.03.643994 08:49 |
Sprücheklopfer
Ich habe heute erstmals einen Brasilianer mit Wadenkrampf gesehen. Das sagt doch wohl alles.
Matthias Sammer lobt den Kampfgeist seiner Mannschaft