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Ein Punkt, zwei Geschichten: Cerrense und Tacuarembo teilen die Beute

Ein lauer Aprilabend in Uruguay, 34.563 Zuschauer im Estadio Cerrense, ein Anstoß um 20 Uhr - und ein Spiel, das sich anfühlte, als wolle es unbedingt in jedes Lehrbuch für "Symmetrie im Fußball" aufgenommen werden. CD Cerrense und Atletico Tacuarembo trennten sich am 20. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 1:1, und das Ergebnis war so gerecht, dass selbst der Linienrichter kurz applaudierte.

Schon nach sechs Minuten bebte das Stadion. Ryan Skene, der schottische Sturmtank mit dem Temperament eines Espresso, nahm einen Pass von Ruben Benítez dankend an und drosch den Ball aus halblinker Position ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nachdenkst, ist es schon zu spät", grinste Skene später, während Trainer Leahcim Gnipeur am Spielfeldrand so tat, als sei das alles Teil seines minutiösen Plans gewesen.

Cerrense, in gewohnter Offensivlaune, schnürte die Gäste anschließend in deren Hälfte ein. 13 Schüsse aufs Tor verzeichnete die Statistik am Ende für die Hausherren - und gefühlt fast ebenso viele verzweifelte Handzeichen des Tacuarembo-Keepers Igor Kafka, der sich in der 49. Minute verletzt abmeldete und dem 18-jährigen Dimas Escudero Platz machte. "Ich hatte kaum den Ball berührt, da kam schon der Nächste angeflogen", sagte der Youngster später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und blankem Entsetzen lag.

Doch während Cerrense weiter anlief, blieb Tacuarembo gefährlich. Immer wieder tauchte der junge Pol Marco auf - schnell, frech, manchmal übermotiviert, wie seine Gelbe Karte in der 68. Minute bewies. "Ich wollte nur den Ball, ehrlich", verteidigte er sich nach dem Abpfiff mit einem Unschuldsblick, der wohl nur seine Großmutter überzeugt hätte.

Dann die 80. Minute: Der Moment, in dem die Geschichte eine Wendung nahm. Der 34-jährige Ellis Doyle, Routinier und linker Mittelfeldspieler mit der Eleganz eines alten Jazzmusikers, nahm eine Vorlage des 18-jährigen Ezequiel Djalo auf und schlenzte den Ball ins rechte Eck. 1:1 - und plötzlich stand die Partie Kopf. "Der Junge hat mir den Ball so serviert, da konnte ich gar nicht anders", schmunzelte Doyle über seinen jugendlichen Assistenten.

In den letzten Minuten spielten beide Teams, als hätten sie sich auf ein Unentschieden geeinigt, das man aber noch ein bisschen dekorativ ausschmücken wollte. Cerrense drückte, Vazquez scheiterte in der 87. und 93. Minute knapp, Tacuarembo konterte mit jugendlichem Übermut und einer Portion Chaos. Ingo Machado, der linke Verteidiger, versuchte es in der Nachspielzeit aus 30 Metern - vermutlich, weil er vergessen hatte, dass er Verteidiger ist.

Statistisch gesehen war alles im Gleichgewicht: 50,1 Prozent Ballbesitz für Tacuarembo, 49,8 für Cerrense, 13:12 Schüsse aufs Tor, Zweikampfwerte nahe der 50-Prozent-Marke. Es war das perfekte Spiel für alle, die Harmonie lieben - und eine Qual für jene, die klare Sieger bevorzugen.

Trainer Leahcim Gnipeur fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wir wollten drei Punkte, aber wenigstens haben wir einen. Und keiner hat sich beschwert, außer mir." Sein Gegenüber Matheo Ronaldo zeigte sich zufrieden: "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt mehr als keiner. Außerdem hat Ellis wieder gezeigt, dass Erfahrung manchmal besser ist als Beine."

Zwischen den beiden Bänken blieb der gegenseitige Respekt spürbar, wenn auch mit ironischem Unterton. Als Ronaldo in der 75. Minute lautstark taktische Anweisungen brüllte, rief Gnipeur hinüber: "Wenn du so weitermachst, hör ich dich noch in Montevideo!" - worauf Ronaldo nur grinste und zurückgab: "Dann weißt du wenigstens, was du falsch machst."

Am Ende jubelten beide, aber keiner richtig. Cerrense, weil sie den Sieg verschenkt hatten. Tacuarembo, weil sie ihn sich erkämpft hatten. Und die Zuschauer, weil sie für ihr Geld 95 Minuten ehrlichen, manchmal wilden, aber immer unterhaltsamen Fußball gesehen hatten.

Vielleicht war es kein Spiel für die Ewigkeit, aber eines, das man beim Abendbier gerne noch einmal nacherzählt. Oder wie der junge Djalo nach seinem Assist meinte: "Ich hab gelernt, dass man auch mit 18 schon Geschichte schreiben kann - selbst wenn sie nur ein Kapitel lang ist."

Und so endete dieser Sonntagabend mit einem Gleichstand, der sich anfühlte wie ein Spiegelbild: zwei Teams, ein Tor pro Seite, ein bisschen Glück, ein bisschen Pech - und ein Trainerduell, das vermutlich noch beim nächsten Treffen fortgesetzt wird. Wer Symmetrie liebt, wird sich auf den Rückspieltermin schon jetzt freuen.

06.09.643996 15:40
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Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft
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