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Wenn ein 18-Jähriger den Unterschied in einem Europapokalspiel macht, dann darf man ruhig mal einen Moment sentimental werden. Leonid Tscherepanow, linker Mittelfeldspieler und vermutlich noch ohne Bartwuchs, schoss Desna Chernigov zum 1:0-Heimsieg gegen den Bonner SC - und sorgte dafür, dass 41.300 Zuschauer im Stadion in Chernigov kollektiv ausflippten. Es war ein Abend, der die seltsame Logik des Fußballs bestätigte: Bonn hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent), sah optisch reifer aus, spielte aber, als hätte man das Tor nur auf PowerPoint eingezeichnet. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist eher Präsentation als Performance. Desna hingegen: elf Schüsse, ein Tor, und jede Menge jugendlicher Übermut. Trainer Albert Wirth grinste nach Abpfiff in die Kameras: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon alle 18 seid, dann benehmt euch wenigstens wie 19." Das Spiel begann mit einem Feuerwerk - allerdings nur in den Köpfen der Heimfans. Schon in der siebten Minute prüfte Alfie Greenwald Bonns Torwart Greger Sigurvinsson mit einem satten Schuss, der den Isländer wohl daran erinnerte, warum er Handschuhe trägt. Zehn Minuten später versuchte sich Tscherepanow selbst, zielte aber noch zu hoch. "Da hab ich mir gedacht: Mist, wieder vorbei", erzählte der Youngster später, "aber dann hab ich’s in der 45. halt besser gemacht." Und wie. Kurz vor der Pause war’s soweit: Ein schneller Gegenstoß, zwei Pässe, ein Schuss - und der Ball zappelte im Netz. Der Jubel war groß, der Bonner SC hingegen schaute, als hätte man ihnen gerade das Navi ins Nirwana programmiert. Trainer Harry Kane (ja, der Harry Kane - inzwischen offenbar im Zweitberuf als Coach) stapfte an der Seitenlinie auf und ab. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", knurrte er nach dem Spiel. "Vielleicht wollten meine Jungs zu sehr die Schönschrift üben." Die zweite Halbzeit begann mit einem personellen Umbruch bei Bonn. Sigurvinsson, der Keeper, blieb in der Kabine, Henry Staunton übernahm. Außerdem durfte der 17-jährige Bernardo Pena ran - vielleicht in der Hoffnung, dass jugendlicher Leichtsinn auch auf deutscher Seite hilft. Tat er aber nicht. Stattdessen kombinierten sich die Ukrainer munter nach vorn, Jannik Hildebrandt prüfte den frisch eingewechselten Staunton gleich zweimal (46. und 54. Minute). Zwischendurch gab’s auch Farbe: Bonns Rechtsverteidiger Fabio Valdes holte sich in der 55. Minute Gelb ab - eine Szene, über die selbst der Schiedsrichter kurz schmunzeln musste. Valdes wollte den Ball spielen, traf aber nur den Gegner. "Er ist halt auch 30, da dauert das Umtakten manchmal länger", kommentierte ein Bonner Betreuer trocken. Albert Wirth reagierte clever: Er brachte frische Beine, unter anderem Diego Tiago und Adrian Ze Castro. Beide fügten sich nahtlos ein, hielten das Mittelfeld kompakt und ließen Bonn kaum zur Entfaltung kommen. Nur einmal, in der 76. Minute, wurde es noch gefährlich, als Simon Stoll - ebenfalls ein Bonner Teenager - aus spitzem Winkel abzog, aber Torwart Zbigniew Waldoch war auf dem Posten. "Das war so ein Spiel, wo du am Ende gar nicht weißt, warum du verloren hast", sagte Bonn-Kapitän Timo Hein hinterher. "Wir hatten doch den Ball." - "Ja", murmelte Kane daneben, "aber Desna hatte das Tor." Statistisch lässt sich das Ganze einfach zusammenfassen: Mehr Ballbesitz für die Gäste, mehr Torschüsse für die Hausherren, ein Treffer für Tscherepanow - und damit drei Punkte für Desna. Die Ukrainer bleiben damit im Rennen um das Weiterkommen in der Europaliga-Gruppenrunde. Im Stadion wurde nach Abpfiff noch lange gefeiert. Wirth umarmte seine halbe Mannschaft, Tscherepanow wurde auf die Schultern seiner Kollegen gehoben. "Ich glaub, ich hab gar nicht richtig gesehen, wie der Ball reinging", grinste er. "Aber gehört hab ich’s." Ein Spiel, das man nicht wegen seiner Eleganz in Erinnerung behält, sondern wegen seines ehrlichen Charmes: jung, wild, ungeschliffen - und effektiv. Oder wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Die Bonner haben gespielt, die Desna hat gewonnen." Und das ist im Fußball ja meistens die wichtigere Statistik. 16.03.644003 13:32 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung