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Eindhoven dreht das Spiel - die Cats verlieren ihre Krallen

PVC Eindhoven hat am Donnerstagabend in der Conference League eindrucksvoll gezeigt, dass Fußball manchmal eine Frage der Geduld - und des richtigen Zeitpunkts - ist. Vor 43.500 Zuschauern im heimischen Stadion drehte das Team von Markus Frey ein zunächst zähes Spiel gegen die Kilkenny Cats und siegte am Ende verdient mit 2:1 (0:1).

Dabei sah es lange so aus, als würden die Gäste aus Irland ihren Ruf als unangenehme, kratzbürstige Gegner bestätigen. Schon in der 21. Minute traf Mathias Herlovsen nach schöner Vorarbeit von Max Caroll zur Führung. Der norwegische Linksaußen der Cats war über 90 Minuten der auffälligste Spieler seiner Mannschaft - schnell, trickreich und mit einem Schuss, der an diesem Abend jeden Torwart hätte alt aussehen lassen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Herlovsen nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht im Parkhaus landet."

Eindhoven schien danach verunsichert, kombinierte zwar gefällig, doch der letzte Pass blieb so präzise wie ein Linienrichter ohne Brille. Trainer Frey stapfte mehrfach energisch an die Seitenlinie und fuchtelte mit den Armen, als wolle er seine Mannschaft per Fernsteuerung dirigieren. "Wir waren in der ersten Halbzeit zu brav", gab er später zu. "Ich hab ihnen in der Kabine gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit dreckigen Hosen."

Die Worte müssen gesessen haben. Nach dem Wechsel kam Eindhoven aggressiver, mutiger - und mit einer Prise Wut im Bauch zurück. Zwar hatte Kilkenny mehr Ballbesitz (57,9 Prozent), doch die Niederländer wirkten nun zielstrebiger. In der 70. Minute dann die Erlösung: Innenverteidiger Dedrick Dag, sonst eher als Staubsauger vor dem eigenen Strafraum bekannt, köpfte nach einer Ecke von Lars Cure wuchtig zum 1:1 ein. "Ich hab einfach gedacht: Wenn keiner trifft, mach ich’s halt selbst", sagte Dag später mit einem Grinsen, das fast so breit war wie sein Brustkorb.

Nur fünf Minuten später drehte Teo Males die Partie endgültig. Nach einem perfekten Zuspiel von Ronny Arens schob der Mittelstürmer eiskalt ein - 2:1. Das Stadion tobte, Markus Frey riss beide Fäuste in die Luft, und selbst der sonst stoische Torwart Fotios Siontis sprintete bis zur Mittellinie, um mitzujubeln.

Kilkenny versuchte noch einmal, den alten Rhythmus zu finden, doch das Spiel glitt ihnen aus den Händen. Samuel Browning vergab in der 72. Minute die letzte echte Chance der Cats - sein Schuss landete irgendwo zwischen Tribüne und Hoffnung. Trainerin Emilia Klöpper wirkte nach dem Abpfiff gefasst, aber sichtlich enttäuscht. "Wir hatten alles im Griff, bis wir es nicht mehr hatten", sagte sie trocken. "Eindhoven wollte den Sieg einfach mehr - und das ist im Fußball manchmal das einzige Argument, das zählt."

Statistisch untermauert sich der Sieg der Hausherren durchaus: 11 Torschüsse gegenüber 6, dazu eine solide Zweikampfquote von 53 Prozent. Zwar überließen sie den Iren meist den Ball, doch während die Cats mit gepflegtem Passspiel glänzten, glänzte Eindhoven mit Effizienz. Dass Vitor Tonel in der 84. Minute noch Gelb sah, passte zu diesem neuen, kämpferischen Gesicht der Mannschaft - ein bisschen Dreck unter den Fingernägeln hat eben noch niemandem geschadet.

In den Schlussminuten brachte Frey zwei 17-Jährige - Henrick Barculo und Gerrit Coster - und zeigte damit nicht nur Mut, sondern auch Vertrauen in die Jugend. "Ich wollte ihnen das Gefühl geben, wie sich ein Sieg anfühlt", erklärte er mit einem Augenzwinkern. "Das kann man schließlich nicht früh genug lernen."

Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans ihr Team mit Sprechchören, während die Cats mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen. Herlovsen klopfte Males beim Shakehands auf die Schulter und meinte: "Heute habt ihr das Glück gefunden, das wir verloren haben."

Ein Spiel, das keine Glanzleistung, aber eine Charakterprobe war - und die hat Eindhoven bestanden. Zwei späte Tore, ein wachgeküsstes Publikum und ein Trainer, der seine Mannschaft zum Kampf motivierte, als alles verloren schien.

Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste, während er sein letztes Bier austrank: "Schöner Fußball? Nicht wirklich. Aber schöner Sieg - und das ist mir lieber."

22.06.643997 16:30
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