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Wenn 43.500 Zuschauer in einem niederländischen Stadion kollektiv den Atem anhalten, dann liegt das oft an einem nervenaufreibenden Europapokalabend. Am Samstagabend in Eindhoven war es eher Mitleid, das durch die Ränge wehte - Mitleid mit den London Gunners, die beim 7:2 (3:0) gegen PVC Eindhoven zur Zielscheibe einer entfesselten Offensivshow wurden. Schon nach neun Minuten war klar, dass das kein gewöhnlicher Abend werden würde. Ronny Arens, der rechte Mittelfeldspieler mit der Dynamik eines Presslufthammers, traf nach feiner Vorarbeit von Nelio Sandoval zum 1:0. "Ich habe einfach draufgehalten - der Ball wollte wohl rein", grinste Arens später und zuckte mit den Schultern, als wüsste er selbst nicht genau, was da gerade passiert war. Die Engländer, von Trainer Hubert Wetzel mit einer "balancierten" Taktik losgeschickt, wirkten in jeder Hinsicht unausgeglichen. Spätestens nach dem 2:0 durch den erfahrenen Giuseppe Romagnoli (22.), der nach einem Zuckerpass von Diego Henriquez eiskalt vollendete, sah man auf der Londoner Bank hektische Gesten. Wetzel rief wild Anweisungen, die seine Abwehr aber offenbar für niederländisch hielt - und nicht verstand. Als Sandoval in der 33. Minute nach Vorlage von Azmi Ramon das 3:0 markierte, begann das Publikum zu johlen. "Da haben wir einfach Spaß gehabt", sagte später Eindhoven-Coach Markus Frey mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Erstaunen lag. Spaß - das war auch das Stichwort für die zweite Hälfte. Denn die Heimmannschaft machte einfach weiter. Romagnoli traf in der 56. Minute erneut, diesmal nach einer Ecke, eingeleitet vom aufgerückten Innenverteidiger Vidar Thomassen. Der Mann mit der Rückennummer 4 erklärte später trocken: "Ich dachte, wenn ich schon mal da bin, kann ich ja was beitragen." Die Gunners? Nun ja, sie schossen immerhin auch aufs Tor - siebenmal insgesamt, was exakt der Anzahl ihrer Gegentore entspricht. Immerhin traf der junge Javier Martins in der 62. Minute, nach Flanke von Lionel Costa, zum 4:1. Das Publikum applaudierte höflich. Doch kurz darauf flog Londons Innenverteidiger Oscar Tonel mit Gelb-Rot (54.) vom Platz - und damit endgültig die letzte Hoffnung. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte er beim Gang in die Kabine, während sein Trainer die Stirn massierte. Eindhoven nahm das Geschenk dankend an. Sandoval, der an diesem Abend einfach alles traf, erhöhte in der 91. Minute nach wiederholter Vorlage von Ramon auf 6:2, bevor Vitor Tonel (94.) und erneut Sandoval (96.) den Endstand besiegelten. Das Stadion tanzte, während die Gäste nur noch Richtung Mannschaftsbus schauten. Die Statistiken untermauern die Eindhovener Dominanz: 22 Torschüsse zu 7, 56 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote, die mit 54 Prozent fast so stabil war wie die Laune des Publikums. Die Gunners dagegen präsentierten sich mit 45 Prozent gewonnener Duelle und einer Abwehr, die eher an ein offenes Gartentor erinnerte. Nach dem Schlusspfiff suchte Coach Wetzel nach Worten - und fand immerhin den Humor: "Ich glaube, wir haben heute alle etwas gelernt. Zum Beispiel, dass sieben Tore auch in einem Spiel fallen können." Sein Gegenüber Frey konterte charmant: "Ich hoffe, das Rückspiel wird spannender - aber nicht zu spannend." Giuseppe Romagnoli, MVP des Abends, fasste es zusammen: "Manchmal läuft einfach alles. Vielleicht war’s der Kaffee vor dem Spiel, vielleicht die Sonne. Oder einfach Fußball." Im Rückspiel in London wird Eindhoven kaum mehr als ein Wunder stoppen können. Doch nach diesem 7:2 fragt man sich eher, ob die Gunners überhaupt noch Lust auf ein Fußballspiel haben oder lieber direkt zum Tee übergehen. Und irgendwo auf der Tribüne hörte man einen Fan rufen: "Lasst es gut sein, Jungs - das Tor ist schon voll!" Ein Satz, der diesen Abend wohl am besten beschreibt. 25.04.643997 22:45 |
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