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Ein lauer Sommerabend, Flutlicht über dem Sportpark Crailsheim, 3175 Zuschauer, die noch ahnten, dass es kein gemütlicher Mittwoch werden würde. Am 13. Spieltag der Verbandsliga D empfing der TSV Crailsheim die spielfreudige Eintracht aus Northeim - und bekam, um es freundlich zu sagen, eine Lehrstunde in Sachen Flügelspiel. Am Ende hieß es 0:2 (0:1), und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern beinahe. Von Beginn an war klar: Northeim wollte nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Statement setzen. Trainer Tim Picke hatte sein Team offensiv eingestellt, das Motto lautete offenbar "Wings, Wings, Wings!". Schon nach acht Minuten prüfte Liam Krause die Reflexe von TSV-Keeper Elias Hansen, der sich mit einer Flugeinlage der schöneren Sorte auszeichnen durfte. Wenige Minuten später versuchte Lionel Ronaldo - ja, der Name verpflichtet - sein Glück, aber auch hier blieb Hansen der Fels in der Brandung. Crailsheim hingegen suchte vergeblich nach Zugriff. Die Hausherren spielten ausgeglichen, aber irgendwie immer einen Schritt zu spät. Ihr einziger Torschuss des Abends kam in der 18. Minute von Nils Link - ein harmloser Versuch, der Northeims Torwart Justin Schultz eher an ein Rückspiel erinnerte als an Gefahr. Die Gäste legten weiter zu. Immer wieder kombinierten sich McGowan und Burton über die rechte Seite durch, während Wurst und Musiala im Zentrum das Geschehen kontrollierten. "Wir wollten einfach mutig bleiben", erklärte Jay Burton später mit einem Grinsen. "Ich dachte mir: Wenn wir schon Flügel haben, dann sollen sie auch schlagen." In der 35. Minute tat Burton dann genau das, was Stürmer eben tun sollten: Er verwandelte eine butterweiche Flanke von Thomas McGowan volley ins lange Eck - 0:1. Crailsheims Hintermannschaft schaute sich gegenseitig an wie Pendler, die den letzten Bus verpasst haben. Trainer Picke ballte an der Seitenlinie die Faust, während sein Gegenüber, dessen Name die Vereinschronik verschluckt zu haben scheint, nur leise in den Bart murmelte. Nach der Pause änderte sich wenig. Crailsheim blieb bemüht, aber ungefährlich. Northeim dagegen dominierte weiter, ohne überheblich zu wirken. Lionel Ronaldo scheiterte in der 46. Minute mit einem wuchtigen Versuch, und selbst Rechtsverteidiger Luca Schiller durfte in der 65. Minute mal draufhalten - offenbar hatte sich das halbe Team vorgenommen, in die Torschützenliste zu kommen. Doch den zweiten Treffer erzielte schließlich McGowan selbst. In der 63. Minute rutschte eine Ecke von Hausmann durch, McGowan stand goldrichtig und drückte den Ball über die Linie - 0:2, das Spiel war entschieden. "Ich war eigentlich überrascht, dass der Ball zu mir kam", sagte McGowan danach lachend. "Aber wenn er schon da ist, wäre es unhöflich, ihn nicht reinzumachen." Crailsheim versuchte noch einmal, über Herz und Kampf ins Spiel zu finden, doch die Zahlen sprachen Bände: 47 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 42 Prozent, ein einziger Torschuss. Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht einfach nicht ins Tor *will*. "Wir hatten eigentlich vor, offensiver zu werden", meinte ein sichtlich zerknirschter TSV-Spieler nach Abpfiff, "aber irgendwie war Northeim immer schon da, wo wir hinwollten." Northeim dagegen spielte die letzten Minuten souverän herunter, auch wenn es noch zwei Gelbe Karten setzte - Krueger früh (7.) und Hausmann spät (86.). "Ein bisschen Feuer gehört dazu", kommentierte Trainer Picke schmunzelnd. "Wir wollten zeigen, dass wir auch körperlich da sind. Aber das war alles im Rahmen." Schiedsrichter und Zuschauer hatten es angenehm ruhig, trotz der deutlichen Überlegenheit der Gäste. Die Northeimer Fans feierten jeden erfolgreichen Pass, während sich die Crailsheimer Anhänger mit der Stadionwurst trösteten - die laut einem älteren Herrn auf der Tribüne "zumindest besser gewürzt war als das Spiel des TSV". Als das Spiel endete, applaudierten die Northeimer Spieler ihren mitgereisten Fans, während die Crailsheimer enttäuscht in die Kabine schlichen. Trainer Picke sagte zum Abschluss: "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Flügel haben, sondern auch Bodenhaftung." Crailsheim wird sich fragen müssen, wie man ein Heimspiel ohne echten Torschuss aufs Tor verliert - ach ja, Moment, man hatte ja *einen*. Northeim hingegen reitet die Flügelwelle weiter und bleibt mit dieser Spielfreude ein echtes Highlight der Verbandsliga D. Und so ging ein Sommerabend zu Ende, an dem Eintracht Northeim fliegen durfte - und Crailsheim lernte, dass man ohne Flügel nur schwer abhebt. 16.03.644003 15:53 |
Sprücheklopfer
Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund