Elfmeter
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Eintracht Northeim fliegt über die Flügel - Spelle-Venhaus bleibt am Boden

Es war ein lauer Sommerabend in Spelle, die Sonne senkte sich gemächlich über das Stadion, als 2211 Zuschauer den 7. Spieltag der Verbandsliga D sahen - und wohl ahnten, dass ihre Heimmannschaft einen langen Abend vor sich haben würde. Am Ende hieß es 0:2 aus Sicht von Spelle-Venhaus gegen eine entfesselt aufspielende Eintracht aus Northeim, die den Gastgebern nicht nur die Punkte, sondern auch die Illusion nahm, das Spielgeschehen je in den Griff zu bekommen.

Schon die ersten Minuten gaben den Ton an. Northeims junger Linksaußen Swen Franz, gerade einmal 18, prüfte in Minute 1 den Heimkeeper Günther Kunkel mit einem satten Schuss. Der Mann im Speller Tor war danach mehr beschäftigt als ein Pförtner an Weihnachten. Ganze 22 Torschüsse feuerten die Gäste ab - im Vergleich zu den mageren sechs Versuchen der Hausherren. Das Ballbesitzverhältnis von 57 zu 43 Prozent zugunsten Northeims erzählte dieselbe Geschichte: Hier spielte einer, der wollte, gegen einen, der musste.

Der Führungstreffer in der 43. Minute fiel dann fast folgerichtig, wenn auch mit einer Prise Theatralik. Christopher Sommer, der quirlige linke Mittelfeldspieler der Eintracht, zog nach einem Pass von Innenverteidiger Hermann Hausmann einfach mal ab - und traf. "Ich dachte eigentlich, Hermann will klären", grinste Sommer nach dem Spiel, "aber dann lag der Ball plötzlich perfekt vor mir. So was nimmst du mit." Trainer Tim Picke nickte zufrieden: "Wir trainieren das so - naja, also nicht ganz so, aber fast."

Spelle-Venhaus wirkte da schon etwas ratlos. Trainer und Spieler schauten sich immer wieder an, als wollten sie gemeinsam herausfinden, wer eigentlich für den Offensivplan zuständig war. Zwar versuchten Benjamin Krueger und Felix Hauser, vorne Druck zu machen, doch jeder Angriff endete, als hätte jemand die Luft aus dem Ball gelassen. Der Halbzeitpfiff kam einer Gnadenpause gleich.

Nach dem Seitenwechsel schien Spelle kurz aufzuwachen - drei Schüsse in knapp 20 Minuten, fast schon Offensivfeuerwerk nach hiesigen Maßstäben. Doch Northeim blieb eiskalt. In der 63. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Maximilian Krueger (nicht verwandt mit Spelles Stürmer Benjamin), der nach einer Ecke am höchsten stieg und den Ball wuchtig ins Netz köpfte. 2:0, Deckel drauf, Licht aus.

Spelles Verteidiger Volker Albrecht, einer der wenigen mit Erfahrung und Übersicht, fasste es später trocken zusammen: "Wir haben die Flügel gesehen - aber nur die der Northeimer." Eine Gelbe Karte in der 94. Minute rundete seinen Arbeitstag ab.

In der Schlussphase war die Partie längst entschieden. Northeim kombinierte munter weiter, während Spelle nur noch auf Schadensbegrenzung bedacht war. Als in der 88. Minute Morgan Brady nach einem Zweikampf verletzt vom Platz musste, hallte ein kollektives "Oh nein!" durchs Stadion - und ein kollektives Aufatmen bei Northeim, dass es keinen Elfmeter gab. Ersatzmann Maximilian Schulz kam für die letzten Minuten, vermutlich mit der klaren Anweisung, einfach nur noch nichts kaputtzumachen.

Statistisch war das Spiel ein Klassenunterschied: Northeim gewann 55 Prozent der Zweikämpfe, spielte mit aggressivem Flügelspiel und hatte trotz der hohen Intensität das Geschehen stets im Griff. Spelle dagegen blieb brav im "ausgewogenen" Taktikmodus, als wolle man höflich fragen, ob man vielleicht auch mal darf.

Nach Abpfiff stand Trainer Tim Picke lächelnd am Spielfeldrand und sagte das, was Trainer nach einem guten Spiel immer sagen: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Dann, nach kurzem Zögern, fügte er hinzu: "Also, fast alles. Außer vielleicht, dass wir eigentlich drei, vier Tore mehr machen wollten."

Für Spelle-Venhaus bleibt die Erkenntnis, dass man mit "Sicherheitsfußball" gegen eine Offensivmaschine wie Northeim nicht weit kommt. Ob man das beim nächsten Mal ändert? Kapitän Simon Schulte zuckte die Schultern: "Vielleicht stellen wir einfach ein Schild auf: Bitte nicht flanken. Dann haben wir wenigstens Humor."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das nie wirklich offen war, aber immerhin reichlich Gesprächsstoff bot - über junge Wilde, alte Routiniers und die Frage, ob man mit "ausgewogenem Angriffsspiel" in der Verbandsliga D überhaupt noch jemanden beeindrucken kann. Northeim jedenfalls tat es.

Fazit des Abends? Eintracht Northeim flog über die Flügel, Spelle-Venhaus blieb am Boden - und 2211 Zuschauer verabschiedeten sich mit dem Gefühl, Zeugen einer Lehrstunde geworden zu sein.

27.12.644002 23:37
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
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