Elfmeter
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Eintracht Northeim ringt TSV Rudow nieder - späte Erlösung durch McGowan

Es war einer dieser Abende in der Verbandsliga D, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht im Stau steckt. Erst in der 70. Minute erbarmte sich dieser, den 2972 Zuschauern im Gustav-Wegner-Stadion ein Tor zu schenken - natürlich für die Hausherren aus Northeim. Thomas McGowan, der rechte Mittelfeldmotor mit dem Sprintvermögen eines Duracell-Hasen, traf nach feiner Vorarbeit von Rafael Santoyo zum erlösenden 1:0. Es sollte das einzige Tor bleiben, aber was für eins: kraftvoll, präzise, und vor allem verdient.

Von Beginn an drückte die Eintracht aufs Tempo. Coach Tim Picke hatte seine Elf offensiv eingestellt, Flügelspiel und aggressives Pressing sollten Rudow mürbe machen. "Wir wollten den Ball einfach nicht mehr hergeben - und das hat erstaunlich gut geklappt", grinste Picke nach dem Abpfiff. Tatsächlich hatte Northeim mit 56 Prozent Ballbesitz und 19 Torschüssen das Kommando inne. TSV Rudow dagegen kam gerade einmal auf vier Abschlüsse - statistisch so gefährlich wie ein nasser Schwamm.

Schon in der vierten Minute prüfte Lionel Ronaldo, der junge Mittelstürmer mit dem großen Namen, Rudows Keeper Jesper Pederson. Der aber pflückte den Ball seelenruhig aus der Luft, als würde er im Garten Äpfel ernten. Kurz darauf donnerte Emil Musiala den Ball knapp über den Querbalken, und Jay Burton scheiterte aus spitzem Winkel. Northeim kombinierte, Rudow verteidigte - manchmal mit Glück, manchmal mit Pedersons Reflexen.

Die Gäste aus Berlin-Rudow hielten defensiv diszipliniert dagegen, doch Offensivgeist war Mangelware. Ihre beste Phase hatten sie zwischen der 17. und 36. Minute, als Gustav Becker und Matthias Probst ein paar zaghafte Lebenszeichen abgaben. Becker schoss aus der zweiten Reihe, Probst versuchte es gar aus 25 Metern - aber Northeims Keeper Justin Schultz blieb unbeeindruckt und lümmelte sich nach den Schüssen fast gelangweilt in den Rasen.

Das Publikum seufzte immer lauter, als Northeims Chancen verpufften. "Ich dachte schon, wir brauchen heute eine zweite Halbzeitverlängerung", witzelte ein Fan auf der Tribüne, während er seine Bratwurst nachwürzte. Doch dann kam die 70. Minute: Santoyo eroberte den Ball auf links, zog elegant an zwei Rudowern vorbei und legte quer. McGowan rauschte heran, nahm Maß - und hämmerte den Ball aus 16 Metern unter die Latte. Jubel, Erleichterung, Bierduschen.

"Ich hab einfach draufgehalten", lachte der Torschütze später. "Rafael meinte nur: ’Mach was draus’ - also hab ich gemacht." Ein Satz, der wohl in die Northeimer Kabinenchronik eingehen dürfte.

Danach verwaltete die Eintracht den Vorsprung, ohne allzu viel Risiko. Ronald Ott sah in der 71. Minute noch Gelb, nachdem er einen Rudower Konter etwas zu herzlich unterband. "War ein taktisches Foul - also ein Kompliment an mich", kommentierte Ott mit süffisantem Grinsen. In der Schlussphase hätten die Gastgeber das Ergebnis leicht ausbauen können: Burton, Ronaldo und McGowan feuerten weiter, doch Pederson hielt Rudow mit einigen Glanzparaden aufrecht.

TSV-Coach (dessen Name sich im Spielbericht leider in der Bürokratie verlor) wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gelassen: "Wenn man sich 90 Minuten einigelt, darf man sich nicht wundern, dass irgendwann was durchrutscht. Wir haben’s zu brav gespielt."

Der Abend endete mit stehenden Ovationen für den Siegtorschützen, während Trainer Picke seine Mannschaft kurz zusammenrief. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald größere Tore. Oder mehr Geduld."

Für Eintracht Northeim bedeutet der knappe, aber verdiente 1:0-Erfolg den Sprung ins obere Tabellendrittel - und ein bisschen Seelenfrieden nach einer Serie zäher Unentschieden. Für Rudow dagegen bleibt die Erkenntnis, dass man Spiele nicht nur überstehen, sondern auch gestalten muss.

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "War kein Fußballfest, aber wenigstens war das Bier kalt." Und manchmal, an einem lauen Juniabend in der Verbandsliga D, ist das eben genug.

31.01.644003 14:42
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