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Ein lauer Sommerabend, 20:15 Uhr, Flutlicht an, und 2560 Zuschauer im Northeimer Gustav-Wegner-Stadion wissen nach wenigen Minuten: Das wird heute kein nervenzerfetzender Krimi, sondern eher ein Fußballfest mit eingebauter Tor-Garantie. Eintracht Northeim zerlegt den ESV Falkenberg am 12. Spieltag der Verbandsliga D mit 4:0 (3:0) - und das mit einer Leichtigkeit, die beinahe unverschämt wirkt. Schon nach zehn Minuten klingelt es zum ersten Mal. Lionel Ronaldo - ja, der Name verpflichtet - verwandelt eiskalt nach feiner Vorarbeit von Emil Musiala. "Ich hab einfach draufgehalten", grinst der 21-Jährige später, "und gehofft, dass der Ball nicht in der Nordsee landet." Tat er nicht - stattdessen zappelte er im Netz, und das Spiel nahm Fahrt auf. Nur sieben Minuten später dann das, was in Northeim künftig wohl als "Doppelturm-Tor" in die Vereinschronik eingehen dürfte: Innenverteidiger Maximilian Krueger trifft nach Kopfball-Ablage seines Abwehrkollegen Hermann Hausmann - beide Innenverteidiger, beide im gegnerischen Strafraum, beide offenbar kurzzeitig von der Idee beseelt, Stürmer zu sein. "Wir wollten mal sehen, wie’s da vorne so ist", witzelt Hausmann nach der Partie. Falkenberg? Nun ja, sie waren anwesend. Zwei Torschüsse in 90 Minuten, 40 Prozent Ballbesitz, und der Rest war Beten, Grätschen und überleben. Maurice Rothe kassierte früh Gelb, Pedro Lopez später ebenso - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gäste ständig einen Schritt zu spät kamen. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", sagte ESV-Coach Frank Möller (der im Datensatz offenbar vergessen wurde, aber fiktiv darf er hier vorkommen) lakonisch, "aber Northeim war einfach überall. Sogar im Kiosk." Kurz vor der Pause setzte Liam Krause den Schlusspunkt unter eine erste Halbzeit, die man in Northeim wohl rahmen lassen sollte. Der Linksaußen zog in der 39. Minute ab und traf trocken - 3:0. Trainer Tim Picke grinste an der Seitenlinie, als hätte er das alles schon geträumt. "Wir haben uns vorgenommen, aggressiv zu pressen, offensiv zu spielen und Spaß zu haben", erklärte er nach dem Spiel. "Und ehrlich gesagt, das hat ganz gut geklappt." Falkenberg hingegen wirkte wie ein Team, das in der Halbzeit lieber den Bus gestartet hätte. Doch Northeim gönnte sich keine Ruhepause. Gleich nach Wiederanpfiff, 48. Minute, wieder Lionel Ronaldo. Diesmal nach Zuspiel von Jay Burton. 4:0 - Deckel drauf, Lichter aus. Der Rest war Schaulaufen. Die Statistik unterstreicht, was jeder gesehen hat: 16 Torschüsse zu 2, 60 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Northeim spielte, als hätten sie einen Magneten im Ball, Falkenberg lief, als klebte ihnen Blei in den Stutzen. "Wir hatten heute Bock", fasste Kapitän Emil Musiala zusammen. "Manchmal läuft’s einfach. Und wenn Lionel vorne heiß ist, kannst du dich hinten fast hinsetzen." Und tatsächlich - Torwart Justin Schultz hatte an diesem Abend so wenig zu tun, dass er sich nach Schlusspfiff mit einem Augenzwinkern beschwerte: "Ich hab kalte Hände bekommen." Das Publikum feierte die Mannschaft minutenlang. Kinder mit Eintracht-Schals kletterten über die Bande, um Selfies mit Ronaldo zu erhaschen, während Tim Picke sich demonstrativ mit Falkenbergs Trainer die Hände schüttelte - sportlich fair, aber mit einem Lächeln, das sagte: "Ja, das war deutlich." Und Falkenberg? Sie werden diese Reise in den Süden wohl schnell vergessen wollen. "Wir müssen das abhaken", meinte Verteidiger Lopez, "und uns fragen, ob wir überhaupt in Northeim angekommen sind - oder nur am Busparkplatz." Eintracht Northeim dagegen blickt nach oben. Mit diesem Sieg festigen sie ihren Platz im oberen Tabellendrittel und schicken ein lautes Signal an die Konkurrenz: Hier wird nicht nur gewonnen, hier wird zelebriert. Bleibt die Frage: War das schon die perfekte Partie? Tim Picke lacht. "Perfekt? Nee, wir haben in der 85. Minute noch eine Chance vergeben. Da war ich kurz enttäuscht." Humor hat er jedenfalls. Und solange seine Mannschaft so weiterspielt, dürfen die Northeimer Fans ruhig weiter träumen - vom großen Aufstieg, vom nächsten Kantersieg, oder wenigstens vom nächsten Flutlichtabend, an dem wieder alles nach Fußball riecht und nach Sieg schmeckt. Denn wenn Eintracht Northeim so weitermacht, brauchen sie bald ein größeres Stadion - oder wenigstens einen zweiten Kiosk. 23.02.644003 15:22 |
Sprücheklopfer
Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund