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Es brauchte Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Erst als die Sonne sich schon über den Dächern von Northeim verabschiedet hatte, platzte der Knoten. Eintracht Northeim besiegte am 14. Spieltag der Verbandsliga D den VfB Lohberg mit 2:0 - ein Ergebnis, das so nüchtern klingt, wie es sich in der ersten Halbzeit anfühlte. Doch am Ende konnte Trainer Tim Picke breit grinsen: "Ich hab den Jungs gesagt, manchmal ist Fußball wie ein alter Diesel - der braucht halt ein paar Minuten, bis er läuft." Dabei hatte der Motor schon früh heftig geruckelt. Bereits in der ersten Minute prüfte Thomas McGowan Lohbergs Torhüter Walther Groß mit einem strammen Schuss, und das sollte nur der Auftakt zu einer wahren Northeimer Dauerbelagerung werden. 19 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende - gegen mickrige drei der Gäste. Dass es zur Pause trotzdem 0:0 stand, lag weniger an fehlendem Willen als an jener Kombination aus Pech, Nervosität und einem glänzend aufgelegten Walther Groß, der im Lohberger Tor alles hielt, was irgendwie zu halten war. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir draufgehalten haben", lachte Northeims Stürmer Lionel Ronaldo nach dem Spiel. "Ich dachte schon, der Ball hat was gegen uns." Tatsächlich hatte Ronaldo allein vier Schüsse aufs Tor, von denen keiner den Weg ins Netz fand. VfB Lohberg? Die Gäste wirkten wie jener Freundeskreis, der auf eine Party eingeladen wird, aber lieber am Rand stehen bleibt. Mit 41 Prozent Ballbesitz und kaum Offensivaktionen blieb die Mannschaft von Coach Karl-Heinz - pardon, der Name des Trainers war wohl irgendwo im Stau - weitgehend harmlos. Yannick Ziegler versuchte es zweimal, einmal in der 15. und einmal in der 62. Minute, doch Northeims Keeper Justin Schultz verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Abend - die gefährlichste Situation blieb ein flach geschossener Rückpass seines eigenen Innenverteidigers. Nach der Pause drückte Northeim weiter. Liam Krause, der schon im ersten Durchgang auffällig wirbelte, wurde zunehmend zur Nervensäge für die Lohberger Abwehr. In der 73. Minute war es dann endlich soweit: Emil Musiala, der im Mittelfeld die Fäden zog, spielte einen öffnenden Pass durch die Gasse, und Krause blieb eiskalt - 1:0! 2794 Zuschauer sprangen auf, als hätte jemand den Strom wieder eingeschaltet. "Ich hab einfach draufgehalten. Nach 70 Minuten Anlauf musste der ja mal rein", grinste Krause später in die Kameras. Lohberg versuchte danach, das Spiel irgendwie zu kippen, aber so richtig kam nichts mehr. Stattdessen gab’s in der 79. Minute die erste und einzige Gelbe Karte der Partie - Ralph Franke hatte offenbar beschlossen, wenigstens ein Zeichen zu setzen, wenn schon kein Tor. In der 89. Minute dann die Entscheidung: Ronald Ott, sonst eher für das Grobe zuständig, setzte auf links zum Sprint an und flankte scharf vors Tor. Krause stand wieder goldrichtig und drückte den Ball über die Linie - 2:0, Feierabend! Tim Picke fasste es nachher gewohnt trocken zusammen: "Ich hab Liam gesagt: ’Wenn du heute keinen machst, musst du morgen das Training mit mir alleine bestreiten.’ Das hat ihn wohl motiviert." VfB-Schlussmann Walther Groß nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben uns 88 Minuten tapfer gewehrt. Dann war der Tank leer. Und Krause hatte offenbar noch eine Reservekanne dabei." Statistisch war das Spiel ein klarer Fall: 58,8 Prozent Ballbesitz für Northeim, fast doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe, und ein Schussverhältnis von 19:3. Die Eintracht zeigte sich taktisch durchgängig offensiv, spielte über die Flügel, presste situativ und lief bis zum Schluss. Lohberg hingegen blieb seiner zurückhaltenden Linie treu - kein Pressing, kein Risiko, kein Lohn. Als die Northeimer Fans nach Abpfiff "Liiiiam!" skandierten, stand der Doppeltorschütze in der Kurve und klatschte zurück. "Ich hab gehört, sie nennen mich jetzt ’Mr. Geduld’", sagte Krause und lachte. "Wenn’s hilft, nehm ich den Namen gern." Eintracht Northeim rückt mit diesem Sieg weiter ins obere Tabellendrittel vor, während Lohberg einmal mehr Lehrgeld bezahlt. Man kann es auch so sehen: Wer 90 Minuten lang auf Sicherheit spielt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende der Mut gewinnt. Und so ging ein lauer Juniabend zu Ende, an dem sich die Eintracht den Frust der letzten Spiele von der Seele schoss - spät, aber verdient. Der Diesel läuft wieder. 18.03.644003 18:50 |
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