Elfmeter
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**Eintracht Northeim stürmt Essen nieder - 3:1 und ein Offensivfeuerwerk**

Manche Spiele dauern 90 Minuten - dieses hier war im Prinzip nach zwei vorbei. Kaum hatte Schiedsrichterin Müller zur Partie in der Verbandsliga D zwischen SW Essen und Eintracht Northeim angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Ganze 120 Sekunden brauchte Northeims Jay Burton, um den Gastgebern den Abend zu vermiesen. "Ich dachte erst, das war noch Aufwärmen", knurrte Essens Verteidiger Jannik Fricke später, "aber offenbar war’s schon das Spiel."

Dieser frühe Schock saß tief. Essen, taktisch wie üblich solide-balanciert, brauchte fast eine Viertelstunde, um überhaupt in die gegnerische Hälfte zu finden. Dann aber blitzte kurz Hoffnung auf: In der 17. Minute setzte Knud Gärtner auf der linken Seite zu einem beherzten Lauf an, flankte präzise - und Luca Hübner verwandelte mit Wucht zum 1:1. Die 3.213 Zuschauer im Stadion an der Hafenstraße jubelten, als wäre die Aufstiegsparty eingeläutet.

Doch wer glaubte, Northeim würde sich davon beeindrucken lassen, kennt Trainer Tim Picke nicht. Der ließ seine Mannschaft weiter stürmen, als gäbe es keinen Rückwärtsgang. "Wir wollten offensiv bleiben, das ist unser Stil", erklärte Picke nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstzufriedenheit und echter Freude pendelte. Und tatsächlich: In der 44. Minute köpfte Innenverteidiger Maximilian Krueger nach Flanke von Thomas McGowan zur erneuten Führung ein. Ein Verteidiger-Tor - das schmeckt besonders gut, wenn man es in einem fremden Stadion erzielt.

"Da war der Kopf oben, der Ball drin, und wir unten durch", kommentierte Essen-Coach (dessen Name die Vereinsführung inzwischen lieber verschweigt) sarkastisch. Zur Halbzeit stand es 1:2, und die Statistik sprach da schon Bände: 12 Torschüsse Northeim, gerade mal 3 für Essen. Ballbesitz? 47 zu 53 Prozent, also fast ausgeglichen - wenn man davon absieht, dass Northeim mit dem Ball eben etwas anzufangen wusste.

Nach der Pause war klar: Essen wollte, Northeim konnte. Die Gastgeber mühten sich, aber ihre vier Schüsse aufs Tor wirkten über 90 Minuten verteilt eher wie höfliche Anfragen. Vor allem Torwart Hugo Iniguez tat einem irgendwann leid - nicht, weil er schlecht spielte, sondern weil er einfach zu oft retten musste. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er, "aber es fühlte sich an, als hätten sie 30 Mal draufgeballert." Tatsächlich waren es 21 Versuche.

In der 80. Minute machte Eintracht Northeim dann endgültig den Deckel drauf. Wieder war McGowan der Wegbereiter, flankte von rechts, und Lionel Ronaldo - ja, der Junge heißt wirklich so - nickte zum 3:1 ein. Ein Kopfball wie aus dem Lehrbuch, nur dass der Lehrbuchautor wahrscheinlich "bitte ohne Gegenwehr" drübergeschrieben hätte.

Essen versuchte es danach noch mit wütenden Angriffen, aber außer zwei Gelben Karten in der Nachspielzeit - Fricke und Witte sahen beide Gelb für Frustaktionen - kam nichts Zählbares mehr heraus. Northeim dagegen spielte die letzten Minuten mit einer Gelassenheit, als wüssten sie längst, dass sie an diesem Abend einfach besser waren.

Trainer Picke fasste es treffend zusammen: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten - den Gegner früh unter Druck setzen, Chancen kreieren, und diesmal sogar treffen." Er grinste, während seine Spieler im Hintergrund auf dem Rasen tanzten.

Essen-Kapitän Jannik Fricke hingegen suchte nach Worten - und fand sie schließlich: "Vielleicht sollten wir mal anfangen, nicht nur ausgewogen, sondern auch erfolgreich zu spielen."

Statistisch gesehen war der Sieg der Eintracht kein Zufall: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Laufbereitschaft. Die Northeimer standen kompakt, griffen früh an und wirkten selbst im letzten Drittel frischer.

Ein Zuschauer auf der Tribüne brachte es bitter-komisch auf den Punkt: "Essen hatte den Ball, Northeim die Tore. Und dafür gibt’s nun mal Punkte."

So endet ein Abend, der für SW Essen zum Albtraum wurde und für Eintracht Northeim zur Bestätigung ihrer Offensivform. 3:1 für die Gäste, die nun mit breiter Brust in den nächsten Spieltag gehen dürfen. Und wenn man ehrlich ist: Wer so stürmt, darf auch ein bisschen träumen.

Vielleicht nicht von der Champions League, aber immerhin vom nächsten freien Montag - den haben sie sich redlich verdient.

15.12.644002 01:00
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund
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