Außenseiter
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Eintracht Schwerin fegt Bremerhaven mit frühem Dreifachschlag vom Platz

Ein lauer Samstagabend, Flutlicht, 3.593 Zuschauer - und ein Spiel, das schon nach einer halben Stunde entschieden war. Eintracht Schwerin besiegte den OSC Bremerhaven am 13. Spieltag der Oberliga D mit 3:1 (3:0) und zeigte dabei eine erste Halbzeit, die sogar Trainer Thomas Krause kurzzeitig sprachlos machte - und das will was heißen.

"Ich hatte kaum Zeit, mir meinen Kaugummi richtig einzukauen, da stand’s schon 1:0", grinste Krause nach dem Spiel. In der Tat: Bereits in der achten Minute traf der erfahrene Dennis Stefan nach Vorlage des 17-jährigen Vasile Balint - ein Generationentor, wie man so schön sagt. Stefan, 32 Jahre alt, hatte sich im Strafraum in bester Mittelstürmermanier durchgesetzt, während Balint an der linken Außenlinie so frech aufspielte, als würde er im Park gegen seine Kumpels kicken.

Bremerhaven wirkte davon sichtlich irritiert. "Wir hatten eigentlich vor, Druck zu machen", sagte OSC-Coach Rafael Benitez später, "aber dann hat uns der eigene Plan überrollt." Seine Mannschaft spielte zwar offensiv, doch Schwerin konterte mit eiskalter Präzision.

In der 31. Minute servierte Nico Rudolph mustergültig auf Pascal Brenner, und der 20-Jährige schob überlegt zum 2:0 ein. Nur drei Minuten später war Brenner erneut zur Stelle - diesmal nach klugem Zuspiel von Mike Breuer, der mit 35 Jahren offenbar beschlossen hatte, dass Alter nur eine Zahl ist. Das 3:0 nach 34 Minuten war so etwas wie der finale Stoß in die Bremerhavener Zuversicht.

"Ich hab’ ehrlich gedacht, wir kriegen heute keinen Fuß mehr auf den Boden", murmelte OSC-Kapitän Gustav Carlsson später in die Mikrofone. Tatsächlich hatten die Gäste zwar elf Torschüsse, aber erst nach der Pause wirkten sie wirklich gefährlich.

Eintracht Schwerin verwaltete das Spiel nun mit 54 Prozent Ballbesitz und kontrollierter Offensive. Die Zuschauer rieben sich die Augen - nicht, weil sie müde wurden, sondern weil sie kaum glauben konnten, wie abgeklärt die jungen Schweriner aufspielten.

Einziger Wermutstropfen für die Eintracht: Innenverteidiger Oliver Held sah schon in der zweiten Minute Gelb, nachdem er das taktische Foul eher als sportliche Umarmung verstanden hatte. Später kassierte auch Markus Pan kurz vor Schluss eine Verwarnung - "ein Andenken für die Sammlung", scherzte der Abwehrmann.

In der zweiten Halbzeit kam Bremerhaven besser ins Spiel. Der 17-jährige Miguel Teixeira zeigte im Mittelfeld, warum er als Zukunftshoffnung gilt, und in der 67. Minute durfte sich Rhys Innes endlich in die Torschützenliste eintragen. Nach einem schönen Pass von Teixeira traf der 31-jährige Stürmer zum 3:1 - der Ehrentreffer, der wenigstens ein bisschen Stolz rettete.

Doch der späte Aufschwung kam zu spät. "Wenn du 0:3 hinten liegst, hilft dir auch kein Pressing mehr", seufzte Benitez. Seine Mannschaft blieb zwar bemüht, aber Schwerin ließ die Kugel zirkulieren, als sei das Ergebnis längst in Stein gemeißelt.

Bemerkenswert war auch die Szene in der 83. Minute: OSC-Verteidiger Carl de Freitas musste verletzt raus, humpelte vom Platz und winkte mit einem bitteren Lächeln ins Publikum. "Er hat sich vermutlich bei der Drehung das Sprunggelenk verdreht", sagte Benitez, "aber wenigstens hat er dabei elegant ausgesehen."

Thomas Krause nutzte die Chance, um in der 72. Minute den jungen Luis Ahrens einzuwechseln. Der durfte zwar nicht mehr treffen, aber zeigte in ein paar Läufen, dass Schwerin für die Zukunft gut aufgestellt ist.

Statistisch gesehen war das Spiel recht ausgeglichen: 13 zu 11 Torschüsse, fast identische Zweikampfquoten (51 zu 49 Prozent). Aber was die Zahlen nicht verraten, ist der Unterschied in der Zielstrebigkeit. Schwerin spielte "SURE" - wie es im Taktikbogen heißt - also geduldig, aber eiskalt. Bremerhaven spielte ebenfalls offensiv, aber ohne Biss.

Nach dem Schlusspfiff feierten die Schweriner Fans ihre Mannschaft mit Sprechchören, während Kapitän Stefan noch schnell einen Ball ins Publikum drosch - "aus Versehen natürlich", wie er später mit einem Augenzwinkern erklärte.

"Das war heute ein Statement", sagte Trainer Krause. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als ein Mittelfeldteam. Und ich glaube, das ist uns gelungen - zumindest für eine Halbzeit grandios, für die andere solide."

OSC-Coach Benitez nahm’s sportlich: "Wir haben 45 Minuten lang nicht existiert. Danach immerhin ein bisschen. Aber Fußballspiele dauern eben keine halbe Stunde."

Eintracht Schwerin springt mit dem Sieg in der Oberliga D weiter nach oben - und wer weiß, wenn sie diesen Mix aus jugendlichem Übermut und altgedienter Cleverness beibehalten, dann könnte man in Schwerin bald wieder größere Träume träumen.

Und Bremerhaven? Die packen ihre Koffer mit der Erkenntnis, dass man Spiele nicht mit Ankündigungen, sondern mit Toren gewinnt. Oder, wie es ihr Torjäger Innes trocken formulierte: "Nächstes Mal treffen wir einfach dreimal - dann passt’s auch wieder."

22.04.643994 03:28
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