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Ein lauer Maiabend, 27.908 Zuschauer im Stadion und ein Bornaer SV, der voller Angriffslust in die Partie startete - doch am Ende stand ein 1:4 auf der Anzeigetafel. Eintracht Völlen zeigte eindrucksvoll, warum sie derzeit zu den formstärksten Teams der Liga gehören. Für Borna blieb nach 90 Minuten nur das Gefühl, in einen Sturm geraten zu sein, den man selbst entfacht hatte. Dabei sah es zu Beginn gar nicht so schlecht aus. Schon in der achten Minute brachte Javier Galisteo die Gastgeber in Führung - ein blitzsauberer Abschluss des rechten Flügelmanns, der Völlens Keeper Harrison Jean-Pierre keine Chance ließ. Das Stadion bebte, Trainer Wer Ninho riss die Arme hoch und schien zu denken: "Na also, läuft doch!" Doch wie so oft im Fußball ist Euphorie ein scheues Reh. Keine zehn Minuten später glich Lewis Preston für die Gäste aus (17.), nach feiner Vorarbeit von Enzo Piane. Und nur eine Minute später drehte Thomas Satchmore das Spiel komplett - 18. Minute, 1:2. "Wir haben die Ordnung verloren, als hätten wir sie nie gehabt", knurrte später Borna-Kapitän Isaac Kenny. Von da an diktierte Völlen das Geschehen. 61 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse - das waren Zahlen, die Bände sprachen. Borna dagegen mühte sich mit acht Abschlüssen und 38 Prozent Ballbesitz redlich, aber der Funke sprang nie wieder über. Selbst in Phasen, in denen sie offensiv standen, wirkte das Ganze eher wie ein Versuch, den Rückwärtsgang zu finden. Eintracht-Trainer Dennis Hees zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben früh gemerkt, dass Borna aggressiv presst. Da hilft nur Ruhe. Und Thomas hatte heute einfach Lust auf Tore." Lust war das richtige Wort - Satchmore traf nicht nur einmal, sondern doppelt. Nach seinem frühen 1:2 krönte er seine Leistung in der 76. Minute mit dem vierten Treffer für Völlen, vorbereitet von Rechtsverteidiger Ivan Bilic, der sich in bester Cafu-Manier über den Flügel tankte. Dazwischen hatte Linksverteidiger Tim Kolb nach einer Ecke (55.) das 1:3 erzielt - ja, der Linksverteidiger. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Kolb später und wurde prompt von Mitspieler Schitnik korrigiert: "Ich hab ihn doch auf den Kopf gelegt!". Das Duo war sinnbildlich für Völlens Spielfreude: solide Abwehrarbeit gepaart mit Zug zum Tor. Für Borna wurde die Partie zunehmend ein Lehrstück in Sachen Effektivität. Zwar versuchten sich Varela (14., 28.) und Bleecker (27., 66.) mit beherzten Abschlüssen, doch Jean-Pierre im Völlen-Tor hielt, was zu halten war. Als dann auch noch Giovanni Sosti (62.) Gelb sah und kurz darauf ausgewechselt wurde, war klar: Heute ging nichts mehr. Trainer Ninho stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Vier Gegentore - das ist zu viel, egal gegen wen. Aber wir hatten unsere Momente. Wir müssen lernen, sie zu nutzen." Dann lächelte er gequält und fügte hinzu: "Und vielleicht sollten wir aufhören, Völlen nach Treffern wachzuküssen." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Gewohnheit. Denn Borna spielte nicht schlecht, nur eben zweikampfschwach (46 Prozent gewonnene Duelle) und ohne Fortune. Bei Völlen dagegen stimmte fast alles: Das Passspiel kurz und präzise, kaum Hektik, kein übertriebenes Pressing - bis zur Schlussphase, als Hees seine Mannschaft noch einmal nach vorne trieb. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur verwalten können", so Hees mit einem Augenzwinkern. Kurz vor Schluss dann noch ein Schreckmoment: Marc Arredondo musste nach einem Zweikampf verletzt runter (63.), wurde durch Lorenzo Figline ersetzt. "Ein Schlag aufs Schienbein, nichts Dramatisches", gab der Coach Entwarnung. Am Ende blieb ein Spiel, das Borna gern vergessen und Völlen gern wiederholen möchte. "Vier Tore auswärts - das ist schon ein Statement", grinste Doppeltorschütze Satchmore, während Preston daneben scherzte: "Ich wollte eigentlich auch zwei machen - aber Thomas hat schneller geschossen." Das Fazit? Eintracht Völlen war schlicht eine Nummer zu clever, zu abgebrüht und zu effizient. Bornaer SV spielte mit Herz, aber ohne Plan B. Und so verabschiedete sich der Abend, wie er begonnen hatte - mit einem lauen Wind, nur dass er diesmal aus Richtung Völlen wehte. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "1:4? Na ja, immerhin das 1 zuerst." 01.12.643999 07:05 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit