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Eintracht Völlen hat am Donnerstagabend vor 47.446 Zuschauern in der heimischen Arena einen souveränen 2:0-Sieg gegen den VfL Osnabrück eingefahren - und dabei gezeigt, dass Flügelspiel nicht aus der Mode gekommen ist. Die Mannschaft von Trainer Dennis Hees spielte frisch, frech und mit einer Prise Selbstironie. "Wir wollten gar nicht so viel Ballbesitz, aber dann hatten wir ihn halt", grinste Hees nach dem Spiel. 54,6 Prozent Ballbesitz und 18 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Völlen begann mit einer ausgewogenen, aber angriffsfreudigen Grundordnung - und mit Marc Arredondo in Galaform. Der rechte Mittelfeldspieler war von der ersten Minute an ein Unruheherd. Schon in der 17. Minute prüfte er Osnabrücks Keeper Karl Wagner, in der 22. Minute nochmal, und in der 33. Minute machte er es dann richtig: Nach feinem Zuspiel von Enzo Piane zog Arredondo aus halbrechter Position ab, der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz. 1:0, das Stadion bebte. Osnabrück, von Trainer Carsten Baumann in einer defensiven Grundordnung aufs Feld geschickt, versuchte es mit langen Bällen und robuster Gangart. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Baumann hinterher, "aber manchmal steht man eben zu kompakt - also alle im eigenen Strafraum." Seine Elf kam immerhin auf neun Torschüsse, die meisten davon aus der Distanz. Helmut Göbel sorgte gleich zu Beginn (6., 42., 54., 83.) für die gefährlichsten Szenen - was allerdings mehr über Osnabrücks Offensivprobleme als über Völlens Defensive verriet. Kurz vor der Pause hätte Völlen das Ergebnis ausbauen können: Lorenzo Figline und Noach Van Keuren wirbelten, als hätten sie sich heimlich auf ein Straßenfußballturnier vorbereitet. Doch Osnabrücks junger Torwart Karl Wagner hielt, was er halten konnte - und manchmal auch das, was eigentlich schon drin war. In der zweiten Halbzeit wurde es kurz ruppig. Zoltan Detari musste nach einem Zweikampf in der 56. Minute verletzt raus, für ihn kam Zakhar Schitnik - ein Wechsel, der sich als Glücksgriff erweisen sollte. "Ich war noch nicht ganz warm, da hat Tim Kolb mir schon zugerufen: ’Mach einen rein!’", erzählte Schitnik später lachend. Und genau das tat er: In der 74. Minute kombinierte sich Völlen über die linke Seite nach vorne, Tim Kolb legte quer, Schitnik zog ab - 2:0. Osnabrück versuchte danach, mit frischem Blut zu reagieren. Baumann brachte die Talente Heinz Lemke, Raphael Varane (nicht der berühmte, aber immerhin Namensvetter) und Ralph Wirth. Doch die jungen Wilden wirkten eher eingeschüchtert als entfesselt. Völlen kontrollierte das Geschehen, spielte weiter geduldig über die Flügel, ließ den Ball laufen - und die Gäste laufen. In der 89. Minute hätte Arredondo fast noch seinen zweiten Treffer erzielt, setzte den Ball aber knapp über die Latte. "Ich wollte’s schön machen - zu schön", gab er später zu. Trainer Hees nahm es mit Humor: "Wenn er den trifft, darf er nächste Woche alle Standards schießen. So kriegt sie wieder Enzo." Kurz vor Schluss sah Tim Kolb noch Gelb (95.), was die Stimmung auf der Tribüne kaum trübte. Die Fans feierten ihre Mannschaft, die mit vollem Einsatz, aber ohne übertriebene Härte agierte - Tacklingquote 52,5 Prozent, aggressiv, aber kontrolliert. Osnabrück dagegen wirkte ratlos. "Wir haben versucht, das Spiel zu öffnen", sagte Baumann, "aber irgendwie hat keiner den Schlüssel gefunden." Sein Team kämpfte, rannte, presste - doch meist ins Leere. Die Defensive stand zwar tief, aber nicht stabil, und nach vorne fehlte jede Idee. Als Schiedsrichterin Anja Lenz abpfiff, schien Völlens Stadion kurz zu beben. 2:0, verdient, klar und mit Stil. Die Eintracht bleibt mit dieser Leistung oben dran, während Osnabrück weiter im Tabellenkeller strampelt. "Das war nicht spektakulär, aber effizient", fasste Kapitän Marc Arredondo zusammen. "Und manchmal reicht das, um ein gutes Bier danach zu verdienen." - Ein Satz, den man sich in Völlen vermutlich bald auf T-Shirts drucken lassen wird. Ein Abend, an dem alles passte: das Wetter, die Stimmung, die rechte Seite. Nur Osnabrück - das passte irgendwie nicht ins Bild. 20.02.644000 01:40 |
Sprücheklopfer
Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund