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Wenn 40.676 Zuschauer an einem lauen Aprilabend in Völlen das Stadion füllen, dann wissen sie: Es wird laut, emotional und garantiert nicht langweilig. Und genau das bekamen sie am 34. Spieltag der 1. Liga Deutschland geboten. Eintracht Völlen und der SV Rohrbach trennten sich in einem intensiven, teils wilden Schlagabtausch 2:2 - ein Ergebnis, das keiner so recht wollte und doch irgendwie passte. Schon der Auftakt zeigte, dass Rohrbach kein Gast war, der sich hinten einmauern wollte. Trainer Maik Kuntz hatte seine Elf offensiv eingestellt - "Wir wollten Völlen gleich den Spaß am Spiel nehmen", erklärte er später mit verschmitztem Lächeln. Und das gelang zunächst eindrucksvoll: Simon Hübner, 34 Jahre jung und offenbar mit jugendlicher Frische im rechten Fuß gesegnet, traf in der 18. Minute nach feinem Zuspiel von Hermann Hoffmann zum 0:1. Eintracht-Keeper Karsten Lange konnte nur hinterherschauen - und das, obwohl er sonst eher für seine Reflexe als für dekoratives Stehen bekannt ist. Völlen schüttelte sich kurz, zeigte aber, dass Ballbesitz (56,7 Prozent) nicht nur etwas für Statistiker ist. Sechs Minuten später kam die Antwort: Srdan Tadic, der bereits in der achten Minute Gelb gesehen hatte und fortan mit dem Temperament eines scharf gewürzten Gulaschs agierte, flankte punktgenau auf Juanito Coelho. Der traf in der 24. Minute zum 1:1 - Stadion, Feuerwerk, Ekstase. "Ich hab einfach nur draufgehalten", grinste Juanito nach dem Spiel. "Wenn du triffst, bist du ein Held. Wenn nicht, sagt der Trainer, du sollst mehr passen." Doch kaum war der Jubel verklungen, klingelte es wieder auf der anderen Seite. Rohrbachs Georg Lindner, der schon in den Minuten zuvor mehrfach an Lange gescheitert war, setzte den Ball in der 28. Minute wuchtig unter die Latte - 1:2. Die Völlener Hintermannschaft sah aus, als hätte sie gerade kollektiv die Bedienungsanleitung fürs Verteidigen verloren. "Da haben wir’s kurz krachen lassen", kommentierte Lindner trocken. Mit diesem 1:2 ging’s in die Pause - und Eintracht-Trainer Dennis Hees wirkte erstaunlich gelassen. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon Flanken auf gut Glück spielt, dann wenigstens mit Überzeugung." Offenbar half’s: Direkt nach Wiederanpfiff war es Javier Coelho, der in der 46. Minute nach Vorlage von Joris Manser zum 2:2 ausglich. Der Jubel war ohrenbetäubend, und selbst der Stadionsprecher verschluckte sich kurz vor Begeisterung. Danach entwickelte sich ein offenes Spiel. Völlen drückte, hatte insgesamt 16 Torschüsse (Rohrbach kam auf 12), während die Gäste mit blitzschnellen Kontern immer wieder Nadelstiche setzten. Besonders Georg Johansson auf der rechten Seite brachte die Völlener Defensive regelmäßig ins Schwitzen - und Eintracht-Coach Hees zum Zähneknirschen. In der 60. Minute wechselte er Innenverteidiger Joao Meireles aus und brachte Robbe Beck - ein Zug, den er später als "mutig" bezeichnete, während einige Fans wohl eher "verzweifelt" gesagt hätten. Rohrbach reagierte seinerseits mit frischem Personal: Maik Kuntz brachte Edvard Ali und später Carl Rodriguez, um die Flügel zu beleben. "Wir wollten das dritte Tor, kein Punkt war unser Ziel", betonte Kuntz nach Schlusspfiff. Und tatsächlich, in der Schlussphase drängten die Gäste auf den Sieg. Eintracht-Torwart Lange musste in der 86. Minute bei einem Schuss von Joschua Kremer in höchster Not retten - und tat das mit einer Parade, die sogar den neutralen Zuschauer vom Sitz riss. Völlen mobilisierte in den letzten Minuten noch einmal alles: Pressing auf höchster Stufe, voller Einsatz, "stark" in der Aggressivität, wie es die Statistik kühl formulieren würde. In der Realität: 22 Beine, die gleichzeitig in Richtung Ball flogen. Doch es blieb beim 2:2. Nach dem Abpfiff gab’s Schulterklopfen und leicht genervte Gesichter auf beiden Seiten. "Unentschieden fühlt sich immer an wie ein halber Kuss - du weißt, da war mehr drin", meinte Völlens Trainer Hees augenzwinkernd. Kuntz konterte: "Dann war’s wenigstens ein schöner halber Kuss." So endete ein Spiel, das von Tempo, Emotionen und einem Hauch Chaos lebte. Statistisch gesehen war Völlen etwas stärker, kämpferisch war’s ein Duell auf Augenhöhe. Die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause - und vermutlich mit heiserer Stimme. Vielleicht war das 2:2 am Ende die gerechteste aller Lösungen. Ein Spiel mit vier Toren, einem Dutzend Chancen und zwei Trainern, die sich gegenseitig Respekt zollten, aber innerlich wohl doch dachten: "Das nächste Mal schlagen wir euch." Und das ist ja schließlich der Stoff, aus dem Fußballträume gemacht sind - und Montagmorgen-Diskussionen an der Kaffeemaschine sowieso. 16.02.643997 01:03 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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