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59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten am Donnerstagabend ein Pokalhalbfinale, das alles bot, was man an dieser Jahreszeit liebt - Emotionen, Platzverweise, und einen Gast, der eiskalt zuschlug. Am Ende jubelte Eintracht Völlen nach einem 3:2-Sieg über wackere, aber zu ungestüme Osnabrücker. Schon in den ersten Minuten ließ sich ahnen, dass Osnabrück unter Trainer Carsten Baumann die Devise "Angriff ist die beste Verteidigung" wörtlich genommen hatte. Marco Richter prüfte Völlens Keeper Karsten Lange gleich in der sechsten Minute, Liam Wahl legte nach - und irgendwo auf der Trainerbank brummte Baumann, halb stolz, halb nervös: "Wenn wir so weiterschießen, geht einer rein - oder raus." Doch während Osnabrück anrannte, wartete Völlen ab. Trainer Dennis Hees hatte seine Elf auf kontrolliertes Kontern eingestellt. Und so reichte eine schnelle Umschaltaktion in der 34. Minute: Enzo Piane trieb den Ball über rechts, legte quer, und Marc Arredondo schob eiskalt ein. 0:1 - die erste echte Chance, das erste Tor. "Ich hab nur gedacht: Der Ball muss einfach laufen wie beim Training", grinste Arredondo später, während Piane trocken ergänzte: "Ich sag ja immer: Kurzpassspiel ist was für Leute mit Geduld." Osnabrück versuchte es weiter mit langen Bällen, robustem Einsatz und - wie soll man sagen - etwas übermotivierter Aggressivität. In der 30. Minute kassierte Innenverteidiger Dirk Mai Gelb, in der 56. folgte dann Gelb-Rot. "Das war kein Foul, das war ein Versehen", beschwerte sich Mai noch auf dem Weg in die Kabine - in der er dann den Rest des Spiels als Einziger mit Sitzplatzgarantie verfolgte. Trotz Unterzahl gaben sich die Lila-Weißen nicht geschlagen. Baumann reagierte, brachte Otto Gabriel und Oliver Wilhelm, und genau die sollten das Spiel kurzzeitig zu kippen drohen. Zunächst traf Lorenzo Figline für Völlen in der 68. Minute nach feinem Zuspiel von Joris Manser zum 0:2 - ein Schlag, der das Stadion kurz verstummen ließ. Doch nur eine Minute später antwortete Osnabrück: Gabriel zog von links ab, Wilhelm hatte abgelegt - und plötzlich stand’s 1:2. "Da hab ich kurz geglaubt, dass der Fußballgott doch Osnabrücker ist", sagte Baumann später mit einem müden Lächeln. Und tatsächlich: In der 74. Minute schlug Wilhelm selbst zu. Nach einem klugen Pass von Rechtsverteidiger Andre Heller drückte er das Leder über die Linie - 2:2! Die Tribünen bebten, die Bierbecher flogen, und selbst der Stadionsprecher klang, als hätte er gerade das Lotto gewonnen. Doch das Happy End blieb aus. In der 82. Minute zeigte Eintracht Völlen, warum Ballbesitz nicht nur hübsch aussieht, sondern manchmal auch Tore produziert. Nach einer langen Passstafette bediente Zoltan Detari den lauernden Enzo Piane, der aus 16 Metern trocken einschob - 2:3. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Piane später lachend, "aber der Ball hat’s besser gewusst." Osnabrück warf in den letzten Minuten alles nach vorn, sogar Torhüter Karl Wagner stand bei einem Eckball in der Nachspielzeit im gegnerischen Strafraum. Ein Kopfball von Liam Wahl in der 91. Minute ging jedoch knapp vorbei - und mit ihm der Traum vom Finale. Statistisch glich sich vieles aus: Beide Teams kamen auf je elf Torschüsse, doch Völlen hatte mit 63 Prozent Ballbesitz die Kontrolle. Und während Osnabrück kämpfte, rannte und grätschte, spielte Völlen das, was man früher "abgezockt" nannte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Trainer Hees hinterher nüchtern. "Wenn der Gegner mit zehn Mann stürmt, ist das wie ein Schachspiel gegen jemanden, der ständig ’All-in’ ruft." Sein Gegenüber Baumann nahm’s sportlich: "Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen - außer vielleicht, dass sie Regeln zu wörtlich nehmen." Eintracht Völlen zieht also ins Pokalfinale ein, während Osnabrück mit erhobenem Kopf, aber leerem Tank zurückbleibt. Das Spiel hatte alles: Drama, Leidenschaft und einen Schiedsrichter, der nach 90 Minuten vermutlich auch einen Muskelkater vom Pfeifen hatte. Und irgendwo in den Katakomben hörte man noch Dirk Mai murmeln: "Beim nächsten Mal pfeifen sie so was nicht." Vielleicht. Aber das nächste Mal wird’s dann leider nicht im Finale sein. 21.05.644000 13:30 |
Sprücheklopfer
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Toni Polster