Diarios de Futbol
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Elfmeter-Drama in Jalapa: Petare krönt sich im Nervenkrieg zum Copa-Sieger

Es war ein Finale, das die 27.000 Zuschauer im Estadio Metropolitano von Jalapa noch lange nicht vergessen werden: 120 Minuten lang rieben sich Atletico Jalapa und Sporting Petare aneinander auf, ehe der Sieger des Copa-Libertadores-Finals 2026 erst im Elfmeterschießen gefunden wurde - und der hieß Sporting Petare. 4:3 nach Elfmetern lautete das Endresultat eines Abends, der alles hatte: Dramatik, verschossene Chancen, gelbe Karten - und einen Helden, der gar keiner sein wollte.

Schon die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Geduld und verpassten Möglichkeiten. Francisco Adao, der flinke Rechtsaußen von Petare, prüfte Jalapas Torhüter Marian Stoitschkow mehrmals (6., 17., 19. Minute), doch der Schlussmann blieb standhaft. Auf der anderen Seite versuchte Nevio Quiles sich als Alleinunterhalter im Sturm, scheiterte aber ebenso. "Ich dachte, heute wird’s ein Schützenfest", grinste Jalapas Trainerin Pia Castell später bitter, "aber offenbar hatte jemand das Tor zugeschweißt."

Die Statistiken sprachen früh eine deutliche Sprache: 17 Torschüsse für Petare, nur acht für Jalapa. Doch der Ball wollte einfach nicht rein. Stattdessen regnete es Karten: Oscar Stack sah Gelb (24.), später gesellten sich Roberto de Freitas (76.) und Silvestre Domingos (86.) dazu - was wenig verwunderte, denn Petare spielte mit einer Aggressivität, die irgendwo zwischen "robust" und "lebensmüde" lag.

Nach der Pause versuchte Jalapa, die Flügel zu nutzen, und tatsächlich: Die Gastgeber wirkten frischer, angetrieben von den 27.000 Kehlen im Stadion. Frederic Baillon zimmerte in der 41. Minute knapp über den Querbalken, Caio Doreste zwang Petare-Keeper Caio Maniche in der 60. Minute zu einer Glanzparade. Doch Tore? Fehlanzeige. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir das Aluminium getroffen haben", seufzte Doreste.

Trainer Marcel Skupzig auf der Petare-Bank reagierte mit kühlem Kopf: Doppelwechsel in der 60. Minute - Aaltonen und Futre raus, zwei frische Verteidiger rein. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Skupzig nachher, "und ehrlich gesagt: Wir hatten Angst vor Caio." Ein Satz, der bei Jalapa-Stürmer Doreste nur ein müdes Lächeln auslöste: "Wenn der Gegner Angst hat und du trotzdem verlierst - das ist schon eine Kunst."

In der Verlängerung wurde es wild, fast slapstickhaft. Gottfried Hoffmann, Innenverteidiger von Jalapa, schwang sich zweimal (112., 116.) zum Edeljoker auf, als er nach Ecken gefährlich abschloss - allerdings in die Arme des Torhüters. Lukas Penicka prüfte Maniche ebenfalls (113.), doch Petare überstand auch diese Drangphase. Auf der Tribüne sah man Castell gestikulieren, als würde sie einen imaginären Ball selbst ins Netz treten wollen.

Dann kam, was kommen musste: Elfmeterschießen. Der kollektive Nervenzusammenbruch beider Teams in fünf Akten. Ediz Keser eröffnete für Jalapa souverän - 1:0. Jake Long glich für Petare aus. Dann der erste Schock: Pasi Nyman, der alte Routinier, setzte den Ball über die Latte. Futre traf - 2:1 Petare. Penicka, der zuvor noch gefährlichster Mann der Verlängerung war, schoss ebenfalls daneben. "Ich hab den Ball zu gut getroffen", sagte er später mit einem gequälten Grinsen. Man kann’s auch anders ausdrücken: Der Ball ist vermutlich noch immer unterwegs.

Es folgten Treffer von Kolvidsson und Doreste, dann der Fehlschuss von Aaltonen, ehe Jorge Costa Jalapa noch einmal hoffen ließ. Doch Samuel Almond, Petare’s Mittelfeldmotor, verwandelte den entscheidenden Versuch eiskalt - 4:3, und plötzlich lagen alle Spieler in himmelblauen Trikots aufeinander.

"Das war kein Fußballspiel, das war eine Nervenoperation ohne Betäubung", stöhnte Stoitschkow nach dem Abpfiff. Kollege Skupzig grinste in die Kameras: "Wir haben heute nicht gewonnen, wir haben überlebt."

Die Statistik spiegelt das wider: Petare mit 17 Torschüssen und leicht weniger Ballbesitz (48,9 Prozent), Jalapa mit 51 Prozent Ballkontrolle, aber ohne Ertrag. Es war ein Spiel, das mehr versprach, als es hielt - bis zu jenem Moment, als Almond den letzten Elfmeter versenkte und 27.000 Menschen kollektiv erstarrten.

Pia Castell verabschiedete sich mit einem Schulterzucken: "Wir hätten vielleicht auch Elfmeterschießen trainieren sollen. Aber wer rechnet schon mit einem Finale ohne Tore?"

Und so bleibt Petare der neue Copa-Libertadores-Champion - ein Team, das in der Defensive den Beton anrührte, vorne die Geduld nie verlor und am Ende die Nerven behielt. Atletico Jalapa dagegen muss sich mit dem Trostpreis "Moralischer Sieger" zufriedengeben - ein Titel, der sich bekanntlich schlecht in den Trophäenschrank stellen lässt.

Oder, wie es der Stadionsprecher beim Abpfiff formulierte: "Sporting Petare - Meister des Minimalismus!"

18.07.644000 13:12
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