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Es war ein Donnerstagabend, an dem der Fußball in Emmenbrücke wieder nach Butterbrezeln und Benzin roch - 38.521 Zuschauer drängten sich im Stadion, als der Anpfiff zum 22. Spieltag der 1. Liga Schweiz ertönte. Und sie sollten nicht enttäuscht werden: In einem wilden, manchmal chaotischen, aber immer unterhaltsamen Spiel fegte Emmenbrücke den SV Fribourg mit 4:2 vom Platz. Dabei fing alles so gar nicht nach Heimparty an. Schon in der 20. Minute stach Fribourg zu, Sedat Kas verwandelte nach einem feinen Zuspiel von Cameron Kober - eiskalt und mit jener Selbstverständlichkeit, die man nur hat, wenn man noch nicht weiß, was später alles schiefgehen wird. "Da dachte ich, das läuft heute", sagte Fribourgs Trainer Dario Rota später mit einem gequälten Lächeln. "Aber dann hat uns Emmenbrücke einfach überrannt." Sieben Minuten später begann das, was man wohl als Grantham-Gala bezeichnen muss. Der 33-jährige Mittelfeldroutinier Dylan Grantham, eine Mischung aus Spielmacher und Schachgroßmeister, legte Edmund Puskas den Ausgleich auf. Puskas, der rechte Flügelmann mit der Gelben Karte im späteren Verlauf, drosch den Ball in der 27. Minute unter die Latte, als wolle er die Netzhalterung testen. Noch vor der Pause drehte Emmenbrücke das Spiel: In der 41. Minute traf Curt Bertram nach - na klar - Vorlage von Grantham. Der Jubel hallte bis in die Bahnhofstraße, und Trainer Chris Meng rannte an der Seitenlinie entlang, als hätte er selbst den Ball über die Linie gedrückt. "Wir wussten, dass Dylan heute heiß ist", grinste Meng nach dem Spiel. "Ich habe ihm vor dem Anpfiff gesagt: Wenn du müde wirst, laufe einfach weiter." Fribourg versuchte es nach der Pause mit kontrollierter Offensive, aber der Ballbesitz von 43 Prozent sprach eine klare Sprache: Emmenbrücke ließ den Gegner laufen. Und während Fribourgs Frederic Chevallier in der 46. Minute noch Gelb sah, bereitete Meng an der Seitenlinie schon die Thermoskanne mit Kamillentee vor - wohlwissend, dass noch eine stürmische Schlussphase bevorstand. Ein Hoffnungsschimmer für die Gäste blitzte in der 70. Minute auf, als Tiago Gama nach Vorarbeit von Eric Abrial den Ball wuchtig in die Maschen setzte. 2:2 - plötzlich war wieder alles offen. "Da hab ich kurz gedacht, das kippt", gab Emmenbrückes Torwart Bojan Buljat später zu. "Aber dann hat Dylan wieder angefangen, zu zaubern." In der 83. Minute war es Grantham selbst, der mit einem trockenen Schuss aus dem Rückraum das 3:2 markierte - vorbereitet von Onat Ates, der sich über links durchgetankt hatte. Und als Fribourg in der Schlussphase alles nach vorne warf, kam der finale Dolchstoß: In der 90. Minute schnürte Grantham nach Zuspiel von Suay Kücükandonyadis seinen Doppelpack und setzte den Deckel auf ein Spiel, das man in Emmenbrücke so schnell nicht vergessen wird. "Ich wollte eigentlich schon raus", witzelte Grantham nach dem Abpfiff. "Aber Chris hat mir zugerufen: ’Bleib drauf, du bist jetzt warm!’" Der Trainer lachte daneben und ergänzte: "Manchmal muss man die Alten einfach machen lassen." Statistisch gesehen war der Sieg verdient: 15 Torschüsse zu 12, 56,8 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die exakt so ausgeglichen war, dass sie fast diplomatisch wirkte (50,1 zu 49,8 Prozent). Emmenbrücke spielte aus einer ausgewogenen Formation heraus, konterte blitzschnell und zeigte die aggressivere, entschlossenere Haltung - ohne unfair zu werden. Fribourg dagegen blieb taktisch brav, fast zu brav: keine Pressingmomente, kein Risiko, kein Funke, der das Spiel hätte wenden können. Die Zuschauer feierten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Ein Junge auf der Tribüne schwenkte ein Schild mit der Aufschrift: "Dylan for Bürgermeister". Ob das ernst gemeint war, bleibt offen - aber nach diesem Abend würde wohl keiner in Emmenbrücke widersprechen. Trainer Meng fasste es trocken zusammen: "Wir haben uns heute für die letzten Wochen belohnt. Und Dylan… na ja, den muss ich wohl bald in Watte packen." Am Ende blieb Fribourg nur die Erkenntnis, dass Fußball manchmal ein grausamer Lehrer ist: Du machst fast alles richtig, schießt zwei schöne Tore - und verlierst trotzdem. Emmenbrücke dagegen darf weiter träumen, vielleicht sogar vom Aufstieg. Und wenn Dylan Grantham weiterhin die Fäden zieht, könnte das kein allzu ferner Traum sein. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions meinte: "Wenn der Dylan so weitermacht, brauchen wir bald ein eigenes Denkmal für den Mann - direkt neben der Bratwurstbude." 20.02.644000 01:55 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'