Außenseiter
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Empor Rostock siegt spät - Hafner-Brüder schreiben das Drehbuch selbst

Es war ein norddeutscher Fußballabend, wie er im Buche steht: Wind vom Meer, Flutlicht, 3690 Zuschauer im Rostocker Stadion, die sich aufwärmten - mit Fischbrötchen und Hoffnung. Am Ende jubelte Empor Rostock über ein 3:2 (1:1) gegen TuS Pewsum, ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als so mancher Sonntagskrimi.

Dabei sah es anfangs gar nicht gut aus für die Hausherren. Gerade sechs Minuten waren gespielt, da stand der 17-jährige Jannik Brauer - ja, schon wieder ein Jannik - völlig frei auf links und schob den Ball eiskalt ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Youngster später, als wüsste er selbst nicht genau, wie der Ball so sauber durch alle Beine hindurchrutschte. Trainer Alexander Lauf von Pewsum raufte sich auf der Bank die Haare, allerdings vor Freude: "Da hat uns der Junge gezeigt, dass Jugend keine Ausrede ist."

Empor Rostock brauchte eine Weile, um den frühen Schock abzuschütteln. Immerhin: Die Statistik sprach nie klar gegen sie. Am Ende standen 17 Torschüsse und 50,6 Prozent Ballbesitz - eine ausgeglichene Angelegenheit mit leichter blauer Tendenz. Doch erst kurz vor der Pause belohnte sich die Johansson-Elf. In der 42. Minute war es der 35-jährige Maik Haase, der nach Vorarbeit von Sebastian Krüger den Ball aus spitzem Winkel ins Netz drosch. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Haase später schmunzelnd zu, "aber manchmal weiß der Ball selbst am besten, wo er hin muss."

Zur Halbzeit roch es nach Remis und Bratwurst. Doch kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, legte Pewsum wieder los. In Minute 53 zog Nico Reuter ab - traumhaftes Ding nach Pass von Janis Beyer, unhaltbar für Empor-Keeper Uwe Kuehn. 2:1 für Pewsum, und die rund 150 mitgereisten Fans aus Ostfriesland sangen sich die Stimme heiser.

Doch dann kam der große Auftritt der Hafner-Brüder. Erst in der 72. Minute: Jannik Hafner, der rechte Mittelfeldläufer mit dem unermüdlichen Motor, setzte sich auf seiner Seite durch, bekam den Ball von seinem Bruder Björn, und schob überlegt zum 2:2 ein. "Wir haben das im Garten so oft geübt", sagte Björn hinterher lachend, "meistens hat Mutti dann geschimpft, weil der Ball in die Rosen flog." Dieses Mal flog er ins Glück.

Und als sich alle schon auf ein gerechtes Unentschieden eingestellt hatten, kam die Nachspielzeit - jene magischen letzten Sekunden, in denen Empor plötzlich einen zweiten Atem fand. In der 92. Minute war es wieder Jannik Hafner, diesmal nach Vorarbeit des Schweden Valter Holmqvist, der den Ball unter die Latte hämmerte. Das Stadion tobte, Trainer Johan Johansson rannte die Linie entlang, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab einfach nur gehofft, dass sie diesmal nicht abpfeifen", lachte er später.

TuS Pewsum warf noch einmal alles nach vorn, aber man merkte: Die Luft war raus, und ein bisschen auch der Glaube. Dass sie dennoch 12 Schüsse aufs Tor brachten, spricht für ihren Mut, auch wenn am Ende die Punkte im Norden blieben. Zwei Gelbe Karten (Bauer 44., Koch 87.) und eine Verletzung von Stürmer Paul Köhler gleich zu Beginn machten den Gästen das Leben zusätzlich schwer.

Bei Empor dagegen wurde’s am Ende noch einmal kurz dramatisch: Innenverteidiger Cafer Simsek musste in der 82. Minute verletzt raus, Christopher Lauer kam rein und hielt die Abwehr dicht - zumindest genug, um das 3:2 über die Linie zu retten.

Nach Abpfiff gab’s stehende Ovationen, und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Hafner for President!" - was Jannik Hafner mit einem scheuen Winken quittierte. "Ich bin nur froh, dass der Ball zweimal drin war", sagte er, während sein Bruder Björn ihn kurz in den Schwitzkasten nahm.

Trainer Lauf von Pewsum zeigte sich trotz Niederlage fair: "Wenn du in der 92. Minute das 2:3 kriegst, tut’s weh. Aber so ist Fußball - mal du, mal der andere. Heute war’s der andere."

Empor Rostock beendet damit den 34. Spieltag der Oberliga F mit einem Heimsieg, der vermutlich noch auf so mancher Vereinsfeier nachhallt.

Und irgendwo, zwischen Bratwurstduft und Flutlicht, dürfte sich Johan Johansson gedacht haben: Manchmal ist Fußball eben doch Poesie - nur mit Grasflecken.

15.02.643997 11:09
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