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Wenn ein Fußballspiel ein Spiegelbild des Lebens ist, dann zeigte die Begegnung zwischen Emden und Borussia Emsdetten am 30. Spieltag der Oberliga E, dass Fleiß allein manchmal einfach nicht reicht. 3898 Zuschauer sahen im Emdener Stadion eine Partie, die man freundlich als "defensiv geprägt" bezeichnen könnte - weniger freundlich gesagt: Emdens Angriff war so zahnlos wie ein alter Karpfen. Am Ende stand ein 0:1, das in seiner Deutlichkeit eher schmeichelhaft für die Gastgeber war. Schon nach fünf Minuten schien der Fußballgott Emden nicht wohlgesonnen: Freddie Neville, rechter Mittelfeldspieler und einer der wenigen, die gerne mal nach vorne denken, verletzte sich früh. Trainer - nennen wir ihn einen Meister der Improvisation - musste Iwan Krawtschuk bringen, eigentlich Innenverteidiger. "Das hat mir gleich die ganze Statik zerschossen", stöhnte er nach dem Spiel, während er sich an der Seitenlinie den Schweiß von der Stirn wischte. Emsdetten übernahm schnell die Kontrolle. 57 Prozent Ballbesitz, 21 Torschüsse, davon gefühlt jeder zweite aus der Distanz - und doch dauerte es bis zur 24. Minute, ehe Davib Elliot, ein Mittelfeldspieler mit dem Selbstbewusstsein eines Torjägers, die Kugel nach Zuspiel von Ricardo Quintana in die Maschen hämmerte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Elliot später, "und gehofft, dass der Torwart noch denkt, ich pass zurück." Der Emdener Keeper Evan Cabell dachte nicht - er flog, streckte sich, aber die Kugel war einfach zu platziert. Von Emden kam offensiv beinahe nichts. Ein einziger Torschuss, in der ersten Minute von Leon Meier, blieb das magere Zeugnis einer Mannschaft, die sich offenbar in Ballbesitzphasen unwohl fühlte. 42,7 Prozent Ballbesitz, 39,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die auch in einer Statistikvorlesung niemanden wachgehalten hätten. "Wir wollten sicher stehen", erklärte Kapitän Jan Hammer mit todernster Miene. "Das hat ja auch geklappt - bis auf das Tor." Emsdetten dagegen spielte, als hätten sie einen unsichtbaren Magneten im gegnerischen Strafraum. Vicente Jorge prüfte den Torwart gefühlt alle zehn Minuten, Humberto Futre wirbelte über die linke Seite, und Xabi Panero zog im Mittelfeld die Fäden, als sei er der Dirigent eines leicht chaotischen Orchesters. Nur das Ergebnis blieb mager - vielleicht, weil Borussias Trainer Nico Wolf sein Team ausgerechnet nach dem Treffer auf "Verwaltung" umstellte. "Ich wollte, dass die Jungs reif spielen", sagte Wolf später. "Aber sie sind halt 20. Da wird’s manchmal wild." Kurz vor der Pause ließ Emsdetten zwei Großchancen liegen, und als Schiedsrichterin Lara Stein zur Halbzeit pfiff, hörte man auf den Rängen ein kollektives Aufatmen - nicht vor Begeisterung, sondern schlicht vor Erleichterung, dass es nur 0:1 stand. Die zweite Halbzeit wurde zu einer Mischung aus Geduldsspiel und Gedränge. Emsdetten schoss weiter aus allen Lagen - Jorge in der 55., Elliot in der 60., Futre in der 63. Minute -, doch der Ball wollte nicht mehr ins Netz. Emden verteidigte zäh, manchmal auch mit Glück, und kassierte immerhin nur eine Gelbe Karte: Piotr Kriwokrassow sah sie in der 83. Minute, wohl aus purer Langeweile über zu viel Defensivarbeit. "Wir haben gebissen", sagte Torwart Cabell nach dem Abpfiff. Ein Reporter fragte: "Wen genau?" Cabell lachte: "Na, in die Grasnarbe. Mehr hatten wir ja nicht." Die Emsdettener feierten ihren knappen Sieg, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Und irgendwie durften sie das auch - wer 21 Torschüsse abgibt und nur einmal trifft, braucht mentale Stärke. "Wir nehmen die drei Punkte, mehr wollte ich gar nicht", meinte Trainer Wolf, während seine Spieler im Hintergrund lautstark anstimmten, dass sie "aufsteigen werden". Am Ende blieb das Gefühl, dass Emden alles gegeben, aber wenig gewollt hatte. Eine Mannschaft, die defensiv stabil, aber offensiv unsichtbar war. Borussia Emsdetten dagegen zeigte, dass man auch mit kontrolliertem Risiko und einem Hauch jugendlicher Naivität Spiele gewinnen kann. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem es für Emden wenigstens eine gute Nachricht gab: Das Flutlicht hielt, der Rasen blieb heil - und der Gegner war gnädig genug, es bei einem Tor zu belassen. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das so weitergeht, gewinnen wir bald den Fairplay-Pokal." (Artikel: ca. 600 Wörter) 23.05.644000 02:25 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath