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Manchmal ahnt man schon nach den ersten Ballkontakten, wie ein Abend verlaufen wird. Beim 25. Spieltag der Oberliga E am Sonntagabend im St. Ingberter Stadion war es so ein Fall: Borussia Emsdetten kam, sah und zerlegte den SV St. Ingbert in seine Einzelteile - 0:5 (0:1) hieß es am Ende vor 3593 Zuschauern, die vom Glauben an den Heimvorteil spätestens nach der 49. Minute erleuchtet wurden. Dabei hatte Trainer Mark Scholz vor Anpfiff noch selbstbewusst verkündet: "Wir wollen zeigen, dass wir zu Hause mutig auftreten." Mutig waren seine Jungs durchaus - allerdings vor allem im Versuch, den Ball nicht allzu oft an Emsdettens Mittelfeldchef Xabi Panero zu verlieren. Das gelang ungefähr so gut wie der Versuch, einen Wasserfall mit einem Kaffeefilter aufzuhalten. Schon in der 18. Minute spielte Panero einen dieser butterweichen Steilpässe auf Vicente Jorge, der mit dem Selbstbewusstsein eines Torjägers aus dem Fußballlehrbuch vollendete - 0:1. Der frühe Rückstand lähmte St. Ingbert sichtlich. Zwar versuchte Antonio Costa auf der rechten Seite tapfer, mit Vorstößen Akzente zu setzen, doch seine Schüsse (13. und 20. Minute) fanden eher den Fangzaun als das Tornetz. Emsdetten ließ derweil Ball und Gegner laufen. 59 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse - das war Dominanz in Zahlenform. Und als Damiano Paola in der 49. Minute nach Vorlage von Aad Van Cortlandt von rechts in den Strafraum marschierte und den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck schlenzte, konnte man fast Mitleid mit Torwart Greger Johnsson haben. "Ich hab den Ball kommen sehen, aber er flog einfach zu schön", murmelte der Schwede nach Abpfiff mit einem gequälten Lächeln. Danach zerfiel St. Ingbert in seine Einzelteile. Xabi Panero, der Regisseur der Gäste, verteilte die Bälle wie ein Taschenspieler Kärtchen. In der 79. Minute war es Humberto Futre, der nach Paneros Pass das 0:3 markierte. Nur fünf Minuten später durfte auch der 17-jährige Sven Schramm jubeln - ebenfalls nach Zuspiel von Panero. Der Youngster grinste hinterher: "Xabi hat gesagt, ich soll einfach laufen. Ich bin gelaufen - und plötzlich war der Ball da." Dass Panero sich dann in der 95. Minute selbst auf die Torschützenliste setzte, war nur folgerichtig. Nach Vorlage von Davib Elliot zog er aus 20 Metern ab, als wollte er den Rasen gleich mit ins Tor befördern - 0:5, Endstand, Demütigung. Trainer Nico Wolf von Borussia Emsdetten blieb trotzdem bescheiden: "Wir haben unsere Chancen genutzt, das war heute der Unterschied. So ein Ergebnis ist schön, aber wir wissen, dass wir auch mal wieder leiden werden." Seine Mannschaft wirkte allerdings so abgeklärt, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass sie demnächst leiden wird. St. Ingbert hingegen wirkte nach dem Schlusspfiff wie eine Truppe, die nicht so recht wusste, was passiert war. Coach Scholz stand minutenlang an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und blickte auf den Rasen, als würde er dort nach der Erklärung suchen. "Wir haben in der zweiten Hälfte komplett den Faden verloren", gab er später zu. "Das war heute ein Abend zum Vergessen - oder zum Lernen, je nachdem, wie optimistisch man ist." Selbst die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 3 Torschüsse zu 23, 41 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote knapp über 41 Prozent. Das ist kein Spiel auf Augenhöhe, das ist eine Lehrstunde mit Zeigestock und Kreide. Ein kleiner Trost blieb den Gastgebern dennoch: Ihre Fans. Trotz der sportlichen Katastrophe applaudierten viele nach Abpfiff - vielleicht aus Verlegenheit, vielleicht aus Lokalpatriotismus. Ein älterer Zuschauer im blauen Schal brachte es auf den Punkt: "Wenn du schon verlierst, dann wenigstens gegen so ’ne Mannschaft." So endete ein Abend, der für Emsdetten fast zu leicht und für St. Ingbert schmerzhaft ehrlich war. Fünf Tore, vier verschiedene Schützen, ein überragender Spielmacher - und ein Heimteam, das sich fragt, wie man ausgerechnet mit einer offensiven Ausrichtung so defensiv wirken kann. Oder, wie es ein Kollege auf der Pressetribüne trocken formulierte, als Panero zum letzten Mal ansetzte: "Das ist kein Fußballspiel mehr, das ist eine Bewerbung für höhere Ligen." Und ehrlich gesagt: Er hatte recht. 25.03.644000 17:20 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath