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Erfurt rettet späten Punkt gegen Leipzig - Kunze trifft, Klose staunt

Wenn man in Erfurt am Sonntagabend um 20:15 Uhr den Grill ausmachte und sich ins Steigerwaldstadion begab, erwartete man wohl kein Fußballfest, sondern ehrliche Oberliga-Arbeit. Und das bekam man: RW Erfurt und Adler Leipzig trennten sich am 25. Spieltag der Oberliga H mit 1:1 (0:1). 4706 Zuschauer sahen ein Spiel, das zwar keine Schönheitspreise gewann, aber reichlich Gesprächsstoff bot - und einen Teenager in der Hauptrolle, der nicht ganz wusste, ob er sich freuen oder schämen sollte.

Es begann denkbar ungünstig für die Gastgeber. Schon in der 5. Minute klingelte es hinter dem jungen Keeper Jannick Fricke. Leipzigs Daniel Nani, der mit seinen 32 Jahren fast doppelt so alt ist wie der Erfurter Schlussmann, traf nach feinem Zuspiel von Max Frank zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, weil’s noch hell war", grinste Nani später in der Mixed Zone. Erfurt-Trainer Mario Pingel hingegen schüttelte nur den Kopf. "Da haben wir geschlafen wie nach einem Mittagessen."

Kurz darauf musste Schiedsrichter Breuer erstmals Farbe bekennen: Gelb für Erfurts Oscar Hausmann (6.), der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten auch in der Oberliga nicht als Liebesbeweis gilt. Leipzig, offensiv eingestellt und taktisch klar auf Angriff ausgerichtet, spielte in dieser Phase souverän. Nani, Frank und Schwab prüften Fricke mehrfach, während Erfurts Defensive - allen voran der 17-jährige Jesus Klose - mit Mühe das Schlimmste verhinderte.

Erfurt kam erst nach 20 Minuten zu sich. Andreas Kunze, der auffälligste RWE-Angreifer, suchte immer wieder den Abschluss, scheiterte aber an Adler-Keeper David Jaeger, der an diesem Abend eher wie ein Adler im Käfig wirkte, aber mit seinen Flügeln alles abwehrte. 13 Torschüsse zählten die Statistiker für Erfurt, 8 für Leipzig - eine Bilanz, die allerdings nicht verrät, dass viele Bälle in Erfurt eher Richtung Parkplatz als Richtung Tor flogen.

Zur Pause blieb es beim 0:1, doch in der Kabine muss Mario Pingel die richtigen Worte gefunden haben. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen aufhören, wie Philosophen zu spielen, und anfangen, wie Fußballer zu rennen", erzählte der Trainer später mit einem Grinsen. In der zweiten Hälfte zeigte sich Erfurt bissiger, ohne die defensive Grundordnung aufzugeben. Das Pressing blieb zwar "BEHIND", wie der Taktikzettel verriet, aber der Einsatz stieg merklich.

Leipzigs Dirk Kuehn holte sich in der 71. Minute eine Gelbe Karte ab - sinnbildlich für die Phase, in der die Gäste begannen, das Spiel zu verwalten statt zu gestalten. "Wir wollten das 1:0 nach Hause schaukeln", sagte Adler-Coach, der sich ungern zitieren ließ, "aber dann kam dieser Kunze…"

Und der kam in der 77. Minute tatsächlich. Nach einer verunglückten Ecke landete der Ball über Umwege bei Jesus Klose - ja, dem 17-jährigen Innenverteidiger - der das Leder irgendwie nach vorn spitzelte. Kunze nahm das Geschenk dankend an, drehte sich elegant und jagte den Ball ins lange Eck zum 1:1. Während das Stadion explodierte, rannte Klose jubelnd zu Kunze - und wirkte selbst völlig überrascht. "Ich wollte eigentlich nur klären", gab der Teenager später lachend zu.

Die letzten Minuten gehörten noch einmal den Erfurtern. Kunze hatte in der 80. und 81. Minute zwei weitere gute Gelegenheiten, doch diesmal fehlte die Präzision. Leipzig konterte in der 86. über Ernst Bender, dessen Abschluss knapp vorbeiging, und in der 89. prüfte Niklas Schwab nochmals Fricke - vergeblich.

Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht so richtig schmeckte, aber auch niemanden überraschte. "Das war ein gerechtes Unentschieden", meinte Pingel diplomatisch. "Aber wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald eine Zielscheibe fürs Training."

Die Statistik unterstreicht das Bild: 50,1 Prozent Ballbesitz für Erfurt, 49,9 für Leipzig - also Gleichstand auch auf dem Papier. Die Tacklingquote von 52 zu 48 Prozent zugunsten der Hausherren zeigt: Erfurt wollte den Punkt mehr.

Als die Flutlichter langsam erloschen, fasste es Leipzigs Torschütze Nani mit einem Augenzwinkern zusammen: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn man in Erfurt nicht verliert, hat man schon gewonnen."

Vielleicht hat er recht. Vielleicht aber auch nicht. Denn während Leipzigs Routiniers zufrieden heimfuhren, stand auf Erfurts Trainingsplan für Montagmorgen groß und fett: "Torabschluss". Und Jesus Klose soll beim Verlassen des Stadions gesagt haben: "Vielleicht probier ich’s nächste Woche mal richtig."

Ein Satz, der in Erfurt für Hoffnung sorgt - und bei den Gegnern künftig wohl für ein kleines Gebet vor dem Anpfiff.

25.03.644000 18:55
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
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