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Wenn 48.850 Fans an einem Montagabend ins Stadion pilgern, dann ahnt man: Es wird kein gemütlicher Spaziergang. Der 1. FC Eschborn empfing am 28. Spieltag der 1. Liga Deutschland das selbstbewusste Eisern Union Berlin - und lieferte ein Spektakel, das zwischen Genie, Wahnsinn und einer Prise Slapstick pendelte. Am Ende stand ein 3:2 (2:0), das die Heimfans jubeln und den Trainer der Gäste kopfschüttelnd zurückließ. Es begann, wie es aus Eschborner Sicht beginnen sollte: mit einem Knall. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da stürmte Tomasz Buchholz über links, bekam den Ball von Meik John in den Lauf gespielt - und ließ Union-Keeper Rui Eximenonis nach nur fünf Minuten aussehen, als hätte er noch das Aufwärmen im Kopf. 1:0. Der Jubel? Ein ohrenbetäubender Chor aus Überraschung und Erleichterung. Union Berlin, eigentlich mit offensiver Ausrichtung gestartet, wirkte überrumpelt. Trainer Roter Jan gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er seine Mannschaft per Handzeichen wachrütteln. Doch Eschborns Angriffslust war ungebremst. In der 37. Minute folgte der zweite Streich: Nevio Dietrich, der schon Minuten zuvor mehrfach an Rui gescheitert war, nahm einen feinen Pass von Jan Sestak auf und schob eiskalt ins lange Eck. 2:0 - und die Berliner Defensive suchte noch immer nach der Gebrauchsanweisung für das Spielgerät. "Wir haben die erste Halbzeit einfach verschlafen", knurrte Union-Kapitän Gunne Hjorth später. "Eschborn hat uns den Schneid abgekauft, während wir noch den Rasen inspiziert haben." Nach der Pause versuchte Union, die Partie zu drehen. Trainer Jan brachte frische Beine, ließ offensiver anlaufen - und siehe da: In der 54. Minute funkte ein Funken Hoffnung. Heinz Eckert, eigentlich der Mann für die ruhigen Pässe, nahm nach Vorlage von Rechtsverteidiger Bailey Nicksay Maß und hämmerte den Ball aus 20 Metern unter die Latte. 2:1 - und plötzlich roch der Abend nach Wende. Doch Eschborn hatte andere Pläne. Kaum zehn Minuten später musste zwar Nevio Dietrich verletzt vom Platz, doch die Gastgeber steckten das mit stoischer Ruhe weg. "Ich hab’s im Oberschenkel gespürt, aber da war keine Zeit für Mitleid", grinste Dietrich später lässig auf Krücken. Stattdessen übernahm nun Luis Klug die Hauptrolle - und wie! In der 74. Minute kam der 18-jährige Benjamin Alberman frisch ins Spiel, spielte den Ball mit einer Seelenruhe, als sei er seit Jahren Stammspieler, in den Lauf von Klug, der trocken zum 3:1 vollendete. Der Jubel war grenzenlos, Eschborn schien durch. Aber Union wäre nicht Union, wenn sie nicht noch einmal alles in die Waagschale geworfen hätten. Nur vier Minuten später schlug Diego Ximenis zu, ebenfalls nach Vorlage von Nicksay - der Rechtsverteidiger war plötzlich zum besten Vorlagengeber der Gäste avanciert. 3:2, und plötzlich lag Nervosität in der Luft. Trainer Yas Sin an der Seitenlinie? Eine Mischung aus Yoga-Meister und Vulkan kurz vor dem Ausbruch. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr jetzt noch einen reinlasst, laufe ich bis Berlin", scherzte er nach dem Spiel - halb im Spaß, halb im ernsten Unterton. Union drückte weiter, vor allem der junge Kay Nickel (18) sorgte mit einem Distanzschuss in der 73. Minute für Herzklopfen unter den Heimfans. Doch Eschborns Torwart Ashton Carmody blieb ruhig, fischte in der Nachspielzeit noch zwei gefährliche Schüsse von Mümtaz Sabankay - und rettete den Sieg. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 19:9 Torschüsse, knapp 60 Prozent Ballbesitz für Eschborn, eine Zweikampfquote von 52,6 Prozent - der Sieg war verdient, auch wenn er am Ende wackelte wie ein Kneipenstuhl nach Mitternacht. Union-Trainer Roter Jan suchte nach Erklärungen: "Wir haben es versucht, aber Eschborn war galliger. Vielleicht müssen wir in Zukunft früher aufwachen - oder weniger Kaffee vor dem Spiel trinken." Für Eschborn ist der Sieg mehr als nur ein Dreier. Es ist ein Statement, dass man mit Mut, Pressing und ein wenig Wahnsinn auch gegen "Eiserne" bestehen kann. Besonders auffällig: die taktische Disziplin. Während Union das ganze Spiel über offensiv ausgerichtet blieb, schaltete Eschborn clever zwischen Phasen des Pressings und kontrolliertem Ballbesitz. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Yas Sin seinem Co-Trainer in die Arme, während die Fans "Eschborn, Eschborn!" skandierten. Auf der anderen Seite der Bank starrte Roter Jan in die Nacht hinaus - vielleicht suchte er dort schon nach der Antwort auf die wichtigste Frage des Abends: Wie konnte man sich in der ersten Halbzeit so überrumpeln lassen? Fazit: Ein Spiel, das alles hatte - Tore, Tempo, Dramatik und ein Happy End für die Gastgeber. Und wer an diesem Abend das Stadion verließ, tat das mit heiserer Stimme, aber einem breiten Grinsen. Man könnte sagen, Eschborn hat Union besiegt. Oder, um es mit den Worten von Torschütze Buchholz zu sagen: "Wir wollten einfach nur Spaß haben - und ein paar Tore schießen. Hat ja geklappt." 08.12.643996 04:42 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts