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Wenn 40.811 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Ilmenauer Stadion pilgern, hofft man auf ein Fußballfest, nicht auf eine Lehrstunde. Aber genau das bekamen sie am 21. Spieltag der 1. Liga Deutschland: Der 1. FC Eschborn zerlegte Germania Ilmenau mit 5:0 - und das in einer Art und Weise, die zwischen chirurgischer Präzision und sadistischer Spielfreude pendelte. Schon nach zwölf Minuten wurde klar, dass die Gäste aus Hessen nicht zum Kaffeekränzchen angereist waren. Jacob Holz, Eschborns bulliger Rechtsaußen, traf nach Vorlage von Bernt Geier zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Holz später, "der Ball wollte wohl einfach rein." Nur drei Minuten später erhöhte Tomasz Buchholz, mustergültig bedient von Xavier Ximenis. Da war es im weiten Rund plötzlich still - also, abgesehen von den 300 mitgereisten Eschbornern, die sich wie 3.000 anhörten. Ilmenau-Coach Thorben Hartung schrie sich an der Seitenlinie die Seele aus dem Leib, seine Spieler jedoch schienen die Worte in den Ilmenauer Abendhimmel wehen zu lassen. Keine zehn Minuten später folgte der nächste Tiefschlag: Geier, der Mann mit dem Namen eines Aasfressers, stach eiskalt zu - 0:3 nach 24 Minuten. "Da dachte ich kurz, ich sei in einem falschen Film", seufzte Ilmenaus Torwart Joel Bruce nach der Partie. Als wäre das nicht genug, verletzte sich Ilmenaus Stürmer Sven Adler kurz darauf und musste vom Platz. Ersatzmann Jari Vuorinen kam, sah - und hatte kaum Gelegenheit, etwas zu tun, denn seine Mannschaft kam über drei kümmerliche Torschüsse im gesamten Spiel nicht hinaus. Eschborn dagegen spielte sich in einen Rausch. 19 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so eindeutig sind wie das Ergebnis selbst. Nach der Pause ging es munter weiter: In der 49. Minute legte Rechtsverteidiger Marek Kisel mustergültig für Holz auf, der seinen zweiten Treffer des Abends erzielte. Hartung stand da schon regungslos in seiner Coaching-Zone - vielleicht in Gedanken bei der Frage, ob er im Training doch mal die Defensive üben lassen sollte. "Wir wollten eigentlich offensiv stehen", erklärte er später mit einem bitteren Lächeln. "Das hat ja auch geklappt - nur leider nicht in die richtige Richtung." Eschborns Trainer Yas Sin dagegen war in Feierlaune: "Meine Jungs haben heute verstanden, was Effizienz bedeutet. Wir wollten sicher schießen, keine Kunststücke - und das haben sie umgesetzt." Tatsächlich spielte sein Team mit bewundernswerter Klarheit: kein wildes Drauflosrennen, sondern überlegte Pässe, kurze Wege, und im richtigen Moment den tödlichen Abschluss. Der Schlusspunkt kam in der 78. Minute, als Xavier Ximenis nach einem Eckball von Peter Penksa das Leder wuchtig ins Netz köpfte. Es war das 0:5 - und der Moment, in dem selbst die Ilmenauer Ultras das Pfeifen aufgaben. Man applaudierte kurz, vielleicht aus Ironie, vielleicht aus Mitleid. Der Rest war Schadensbegrenzung. Ilmenau wechselte munter, brachte junge Spieler wie Nelson Domingos und Dieter Sonne, doch die Sonne ging an diesem Abend nur über Eschborn auf. Nach dem Spiel stand Holz noch mit einem Becher Wasser in der Hand vor den Kameras. "Fünf Tore sind schön, aber wir hätten noch mehr machen können", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Ich glaub, der Torwart hat mir später im Tunnel zugenickt - so nach dem Motto: Danke, dass du aufgehört hast." Für Ilmenau heißt es nun Wunden lecken. Die Mannschaft kämpfte wacker, aber ohne Plan, ohne Fortune, und ohne Glücksmomente. Drei harmlose Schüsse, ein verletzter Stürmer, null Tore - das sind die Zutaten für einen Abend, den man schnell vergessen möchte. "Wir müssen uns neu sortieren", murmelte Hartung beim Abgang. "Und vielleicht mal überlegen, wie man einen Ball auch über die Mittellinie bekommt." Eschborn hingegen reist mit breiter Brust nach Hause - und mit einem Offensivtrio, das an diesem Abend alles traf, was sich bewegte. Auf den Rängen sang man noch, als das Flutlicht längst heruntergedimmt war. Und irgendwo in der Kabine von Germania Ilmenau soll ein Spieler leise gesagt haben: "Immerhin - schlimmer kann’s ja kaum werden." Man darf gespannt sein, ob er recht behält. 28.09.643996 15:20 |
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