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46561 Zuschauer im Eschborner Stadion erlebten am Donnerstagabend ein Fußballspiel, das sich irgendwo zwischen taktischem Schach und wilder Achterbahnfahrt bewegte. Der 1. FC Eschborn und Selen Belgrad trennten sich am zweiten Spieltag der Conference-League-Qualifikation 1:1 (1:0) - ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber irgendwie auch zu beiden passte. Von Beginn an legte Eschborn-Trainer Yas Sin sein Team offensiv aus. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur dabei sind, sondern mitspielen können", sagte er später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und leichter Erschöpfung pendelte. Und tatsächlich: Seine Mannschaft presste früh, attackierte entschlossen und kam durch Tomasz Buchholz schon in der 25. Minute zu einer ersten Großchance. Nur der glänzend reagierende Belgrad-Keeper Thierry Diarra verhinderte das 1:0. Elf Minuten später war es dann soweit. Nach feinem Doppelpass über die linke Seite spielte Buchholz den Ball scharf in die Mitte, wo Jacob Holz lauerte. Es war ein Abschluss wie aus dem Lehrbuch - kompromisslos, trocken, unhaltbar. 1:0 für Eschborn, und das Stadion bebte. Holz, der schon in der 16. Minute Gelb gesehen hatte, riss die Arme hoch und brüllte in die Fankurve: "Das ist unser Abend!" - ein Satz, der sich später als voreilig herausstellen sollte. Belgrad, von Trainer Bronco Capone an der Seitenlinie in der ersten Halbzeit sichtbar unzufrieden, kam nach der Pause verändert aus der Kabine. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen endlich das tun, wofür sie bezahlt werden - Fußball spielen", grinste Capone nach dem Spiel. Und siehe da: In der 53. Minute zirkelte Helmut Hummel eine butterweiche Flanke in den Strafraum, wo ausgerechnet Linksverteidiger Dirk Van Cortlandt hochstieg und den Ball per Kopf ins rechte Eck setzte. 1:1 - und plötzlich war Belgrad da. Das Spiel kippte, ohne dass jemand wirklich die Kontrolle übernahm. Eschborn rannte, Belgrad konterte, und Schiedsrichter Goran Petrov hatte alle Hände voll zu tun, den Überblick über Fouls, Gestik und Gestöhne zu behalten. Thalis Ardizoglou sah in der 75. Minute Gelb, nachdem er Milos Kujovic an der Seitenlinie eher rustikal stoppte - "Ich wollte ihm nur beim Aufstehen helfen", witzelte der Grieche später. Statistisch blieb das Duell auf Augenhöhe: 10:9 Torschüsse für Eschborn, 48 zu 52 Prozent Ballbesitz, und in der Zweikampfquote praktisch Gleichstand. Es war also eines jener Spiele, bei denen man am Ende gar nicht so recht weiß, wer eigentlich besser war - vermutlich keiner. Die letzten Minuten gehörten den Gastgebern, die alles nach vorne warfen. Buchholz prüfte Diarra in der 82. Minute mit einem scharfen Schuss, Holz setzte kurz darauf noch einen Versuch knapp neben den Pfosten. In der 86. Minute wechselte Yas Sin sogar seinen Torwart aus - eine Maßnahme, die bei vielen Fans für verwirrte Blicke sorgte. "Logan hatte einen leichten Krampf im Oberschenkel, und Ashton sollte ein Zeichen setzen", erklärte der Trainer später. Ob das Zeichen ankam, bleibt offen. Die Nachspielzeit brachte mehr Nervosität als Chancen. Sin schrie seine Spieler nach vorne, Capone brüllte sie zurück, und irgendwo dazwischen stand der Ball, der sich weigerte, noch einmal ins Tor zu gehen. Nach dem Abpfiff schüttelten sich beide Trainer die Hand - ein bisschen zu lange, ein bisschen zu fest. "Das war ein gerechtes Unentschieden", murmelte Capone, worauf Sin trocken entgegnete: "Für euch vielleicht." Eschborn bleibt nach zwei Spielen ungeschlagen, aber auch ohne Sieg - und damit irgendwo in der grauen Zone zwischen Hoffnung und Ernüchterung. Belgrad dagegen kann mit dem Punkt leben, zumal man in der zweiten Halbzeit Moral zeigte. Und so verließen die 46.561 Zuschauer das Stadion mit dem Gefühl, ein intensives, wenn auch nicht perfektes Fußballspiel gesehen zu haben. Einer der Fans, noch mit Bier in der Hand, fasste es treffend zusammen: "War nicht schön, war nicht schlecht - war Fußball." Vielleicht genau deshalb war es ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. 02.04.643997 16:29 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
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