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53325 Zuschauer im Eschborner Stadion erlebten an diesem lauen Maiabend ein Schauspiel, das irgendwo zwischen Fußballfest und Lehrfilm für Offensivdrang angesiedelt war. Der 1. FC Eschborn fegte über Bad Kleinen hinweg, als habe Trainer Yas Sin seinen Spielern das Dribbeln mit Elektroschocks antrainiert. Am Ende stand ein 6:0 (4:0), das sogar noch schmeichelhaft für die Gäste aus Mecklenburg war. Schon in der siebten Minute begann das Unheil. Bernt Geier zog nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Bram Van Butsel ab, und der Ball zischte mit einer Selbstverständlichkeit ins Netz, als hätte er sich schon vor dem Spiel entschieden, heute genau dort zu landen. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Geier später, "wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es lief! Nur acht Minuten später schlug Xavier Ximenis nach Vorlage von Jacob Holz zu - 2:0. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bad Kleinen mehr Ballverluste als Pässe über drei Meter. Trainer Cw WC (ja, der Name sorgte im Presseraum für leises Kichern) versuchte an der Seitenlinie hektisch, seine Abwehr zu sortieren, aber die verstand offenbar nur Bahnhof. In der 31. und 32. Minute wurde es dann endgültig bitter. Erst traf Tomasz Buchholz nach feinem Zuspiel von Holz, dann legte Fernando Antonio keine 60 Sekunden später nach - natürlich wieder vorbereitet von Holz, der an diesem Abend alles tat, außer den Rasenmäher zu bedienen. Vier Tore nach einer halben Stunde, und die Fans sangen bereits vom Titel, noch bevor die Halbzeitpfeife ertönte. Eschborn spielte, als ginge es um das letzte Spiel ihres Lebens. 25 Torschüsse, 56,7 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von knapp 56 Prozent - Zahlen, die nach Dominanz riechen. Bad Kleinen dagegen kam auf fünf kümmerliche Schussversuche, von denen zwei vermutlich eher als Rückpässe durchgehen könnten. Nach der Pause änderte sich wenig. Yas Sin ließ seine Elf weiterhin offensiv pressen, während der Gast in der eigenen Hälfte kampierte. In der 54. Minute erhöhte erneut Buchholz, diesmal nach einem feinen Querpass von Ximenis. "Wir haben uns vorgenommen, nach der Pause nicht nachzulassen", erklärte Buchholz, "und ehrlich gesagt, das war heute einfach Spaßfußball." Kurz darauf musste Fernando Antonio verletzt raus - die Szene sah harmlos aus, aber der Spanier humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz. Für ihn kam der junge Patrick Herrmann, der sofort zwei Abschlüsse verbuchte und mit frechem Selbstbewusstsein auftrat. "Der Junge hat Feuer", lobte Trainer Sin, "so etwas steckt an." Das halbe Dutzend machte schließlich erneut Geier in der 75. Minute voll. Bad Kleinens Torhüter Kurt Hagen war da längst zum tragischen Helden geworden - sechs Gegentore, aber unzählige Paraden, die Schlimmeres verhinderten. Nach dem Spiel sagte er mit Galgenhumor: "Ich hab heute mehr Bälle gehalten als sonst in drei Spielen - nur leider nicht die richtigen." Bei den Gästen folgten noch drei Auswechslungen, wohl mehr aus Mitleid mit den müden Beinen als aus taktischer Raffinesse. Max Adam ersetzte Hans Jürgens, später kam Julian Nene für Youngster Nico Ebert - kosmetische Maßnahmen an einem Spiel, das längst entschieden war. Zum Schluss gönnte Sin sogar den Nachwuchskräften Einsatzzeit: Johannes Nowak und Matthias Vetter durften noch ran, quasi als Bonus-Minuten für die Zukunft. Selbst der Stadionsprecher klang gerührt: "Da wächst was zusammen beim FCE!" Bad Kleinen dagegen muss sich fragen, ob "balanced alignment" wirklich die taktische Zukunft ist, wenn der Gegner derart offensiv überrollt. Cw WC meinte nach dem Spiel trocken: "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir kompakt daneben." Das Publikum verabschiedete die Eschborner mit stehenden Ovationen. Und während die Spieler noch Wellen in die Kurve warfen, murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Früher hatten wir hier Bratwurst, heute gibt’s Filet." Ein Fazit, dem man kaum widersprechen kann. Denn dieser 1. FC Eschborn spielte nicht nur Fußball - er zelebrierte ihn. Und wenn sie diese Form halten, wird man sich in Bad Kleinen wohl noch lange an diesen Abend erinnern. Wahrscheinlich nicht gern, aber nachhaltig. 01.12.643999 04:06 |
Sprücheklopfer
Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht.
Oliver Kahn vor dem Saisonfinale 00/01 der Bayern beim Hamburger SV