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Eschborns Elfmeterglück: Bad Urach kämpft - und scheitert vom Punkt

44250 Zuschauer im Stadion von Bad Urach erlebten am Dienstagabend ein Pokalspiel, das alles bot - außer Torjubel in der regulären Spielzeit. Erst im Elfmeterschießen entschied der 1. FC Eschborn das Duell der Gegensätze mit 5:2 für sich, nachdem zuvor in 120 torlosen Minuten viel geschwitzt, gerannt und geflucht worden war.

"Ich habe irgendwann aufgehört, die Torschüsse zu zählen - das war ja Dauerfeuer", grinste Eschborn-Coach Yas Sin später, und die Statistik gab ihm recht: 23 Schüsse auf das Tor der Gastgeber, die sich mit ihren fünf Abschlüssen eher auf das Prinzip Hoffnung verließen. Bad Urachs Torhüter Jegor Schepelew wurde zum Publikumsliebling des Abends, fischte eine Granate nach der anderen aus dem Winkel und hatte zwischenzeitlich wohl mehr Ballkontakte als seine gesamte Abwehrreihe.

Dass es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, war einer Mischung aus heroischer Verteidigung, Eschborner Ungenauigkeit und einer Prise Pokalromantik zu verdanken. Schon in der ersten Halbzeit war Eschborns rechter Flügel Jacob Holz ein ständiger Unruheherd. In der 13., 15., 18. Minute - immer wieder zog der 31-Jährige ab, immer wieder klatschte der Ball an Schepelews Handschuhe oder flog in die Kurve. "Ich dachte irgendwann, das Tor ist verflucht", stöhnte Holz später.

Bad Urach verteidigte mit allem, was Beine hatte. Innenverteidiger Domingo Pacos brüllte seine Mitspieler zusammen, grätschte, blockte - und sah folgerichtig Gelb (104.) und Gelb-Rot (105.). "Ich hab’ nur den Ball getroffen!", rief er noch, während er den Rasen verließ - vermutlich meinte er den Ball von gestern. Damit war der Underdog in der Verlängerung zu zehnt, aber irgendwie hielten sie trotzdem weiter dicht.

Trainer Giuseppe Spera, mit wild gestikulierenden Händen an der Seitenlinie, schickte nacheinander Lars Schmidt, Marco Stark und Taylan Özalan ins Spiel. "Ich wollte frische Beine - bekommen habe ich müde Köpfe", kommentierte er trocken. Schmidt kassierte prompt Gelb, Özalan humpelte nach einem verschossenen Elfmeter vom Platz, und Stark setzte seinen Schuss in die Nacht von Bad Urach.

Eschborn hingegen wechselte clever. Kurz vor Schluss brachte Yas Sin gleich drei frische Kräfte - inklusive Keeperwechsel! Der eingewechselte Torwart Ashton Carmody wurde später zum stillen Helden: Zwei Elfmeter parierte er, einer davon gegen Patrick Kramer, der den Ball so hoch drosch, dass er vermutlich noch im All kreist.

Das Elfmeterschießen selbst wurde zur Psychoschlacht. Für Bad Urach trafen nur Frank Keller und Lars Schmidt - beide mit Herz und Präzision. Özalan, Kramer und Stark dagegen scheiterten kläglich. Auf der anderen Seite verwandelten Eschborns Schützen eiskalt: Tomasz Buchholz eröffnete souverän, Olivier Barre legte nach, dann trafen Holz, der junge Sven Will und schließlich Bernt Geier zum 5:2-Endstand. Danach gab es kein Halten mehr - Jubeltrauben in Blau-Weiß, während Bad Urachs Spieler erschöpft im Mittelkreis lagen.

"Wir haben das Spiel kontrolliert, aber die Kugel wollte einfach nicht rein", analysierte Eschborns Kapitän Nael Goncalves mit einem Lächeln, das eher Erleichterung als Freude verriet. Sein Trainer Yas Sin ergänzte: "Pokal ist Pokal. Am Ende zählt, wer nervenstärker ist - und das waren heute wir."

Auf Bad Uracher Seite überwog der Stolz. "Ich bin stolz auf meine Jungs. Wir haben Eschborn an den Rand der Verzweiflung gebracht", sagte Giuseppe Spera, bevor er sich mit einem Augenzwinkern dem Reporter zuneigte: "Und jetzt gönn’ ich mir einen doppelten Espresso - ohne Verlängerung."

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Elf mit Applaus, wohl wissend, dass sie einen dieser Abende erlebt hatten, die im Gedächtnis bleiben: kein Spektakel voller Tore, aber ein Lehrstück über Kampf, Leidenschaft und den tragikomischen Charakter des Fußballs.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Manchmal gewinnt nicht der, der schöner spielt, sondern der, der im richtigen Moment die Nerven behält. Für Eschborn geht’s also weiter im Pokal - und Bad Urach darf sich damit trösten, dass sie an diesem Abend zwar ausgeschieden sind, aber garantiert nicht untergegangen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "So gut verteidigt und trotzdem verloren - das ist Fußball. Und dafür lieben wir ihn doch, oder?"

23.02.644003 12:35
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Das interessiert mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer.
Dieter Eilts
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