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Eschborns Galaabend: Musiala tanzt, Bad Kleinen verzweifelt

Manchmal gibt es diese Spiele, in denen man nach zehn Minuten schon weiß: Das wird heute nichts - zumindest nicht für die Gäste. Der 1. FC Eschborn machte beim 4:0‑Heimsieg über Bad Kleinen am 14. Spieltag der 1. Liga keine Gefangenen. 48.729 Zuschauer sahen eine Vorstellung, die irgendwo zwischen Fußballkunst und Lehrfilm für destruktive Defensive pendelte - allerdings nur auf einer Seite.

Schon nach zehn Minuten klingelte es erstmals: Tomasz Buchholz traf nach feiner Vorarbeit von Ethan Marley zum 1:0. Der Pole grinste später: "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft - diesmal hat’s geklappt." Für Bad Kleinen war das der Beginn eines langen Abends. Ganze sieben Minuten später erhöhte Emil Musiala nach einem Pass, natürlich wieder von Marley, auf 2:0. Und als Musiala kurz vor der Pause noch einmal traf - diesmal nach einer Ecke von Innenverteidiger Peter Penksa -, ahnte selbst der Stadionsprecher, dass er heute heiser werden könnte.

"Wir waren einfach zu lieb", knurrte Gästetrainer Cw WC nach dem Spiel in die Mikrofone. "Eschborn hat uns von Anfang an aufgefressen." Seine junge Mannschaft kam kaum über die Mittellinie, brachte in 90 Minuten exakt einen Schuss aufs Tor zustande - den in der siebten Minute, von Marc Kohl, der später auch noch Gelb sah.

Eschborn dagegen feuerte, was das Leder hergab: 25 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Statistiken, die so klar sind, dass man sie fast für ein Computerspiel halten könnte. Und doch: Es war echt, und es war beeindruckend.

Trainer Yas Sin, sonst eher wortkarg, gab sich nach dem Schlusspfiff fast poetisch: "Wir wollten einfach Spaß haben mit dem Ball. Und wenn du Spaß hast, kommt das Ergebnis von allein." Dass seine Mannschaft nach Penksas Gelb‑Roter Karte in der 64. Minute fast eine halbe Stunde lang in Unterzahl spielte, merkte man kaum. "Ich dachte, wir haben immer noch elf", scherzte Sin. "Vielleicht, weil Emil zwei zählt."

Musiala, der Dreifachtorschütze des Abends, hätte man tatsächlich klonen können. Der 23‑Jährige schien überall zu sein: im Zentrum, auf den Flügeln, manchmal sogar an der Eckfahne, wo er einem Balljungen ein High‑Five gab, bevor er zum Freistoß anlief. "Ich hatte einfach Bock", lachte er später. "Und wenn du Bock hast, triffst du halt."

Das 4:0 in der 82. Minute war dann fast schon eine Zugabe: Sven Will flankte butterweich, Musiala köpfte ein - klassischer geht’s nicht. Der Gästetorhüter Michael Metzger sah dabei so unglücklich aus, dass man ihm am liebsten eine Decke gereicht hätte.

In der Schlussphase durfte Eschborn dann noch rotieren: Altmeister Werner Ledig wurde mit Applaus verabschiedet, Jacob Holz bekam seine verdiente Pause, und der 19‑jährige Matthias Vetter sammelte seine ersten Minuten - inklusive eines beherzten Schusses in der 91. Minute, den Metzger immerhin festhielt.

Bad Kleinen kämpfte tapfer, aber hilflos. Trainer WC versuchte es in der zweiten Halbzeit mit lautstarken Kommandos ("Jetzt mal nach vorne, Jungs!"), doch seine Spieler reagierten, als hätten sie gerade eine Fremdsprache gehört. "Wir müssen lernen, dass Offensiv sein nicht nur bedeutet, dass man weiter vorn steht", sagte der Coach hinterher - ein Satz, der wohl in die Kabinenwand gemeißelt wird.

Eschborn dagegen spielte sich in einen Rausch. Ethan Marley, der still arbeitende Mittelfeldmotor, wurde von den Fans gefeiert, obwohl er selbst kein Tor erzielte. "Ich mag das, wenn andere glänzen", sagte er mit einem Lächeln, das so ehrlich klang, dass man ihm fast glauben wollte.

Am Ende war es ein Abend, an dem alles passte: die Flutlichtstimmung, die Spielfreude, sogar die Statistik. 4:0, 25 Torschüsse zu einem, vier verschiedene Vorlagengeber, ein Platzverweis - es war alles dabei, was ein gutes Fußballdrama braucht.

Und als die Fans nach Abpfiff noch minutenlang "Eschborn, Eschborn" sangen (völlig zu Recht, diesmal ohne Ironie), sagte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne: "So, und jetzt bitte jede Woche so." Man darf gespannt sein, ob der 1. FC Eschborn dieses Versprechen hält - oder ob das nur einer dieser seltenen Abende war, an denen Fußball wirklich einfach aussieht.

19.03.644003 00:44
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