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Es war alles angerichtet für ein großes Fußballfest: 79.500 Zuschauer drängten sich ins Eschborner Stadion, die Sonne glühte über der "Europaliga"-Arena, und der 1. FC Eschborn wollte seinem italienischen Gast Partinico Calcio zeigen, dass man auch nördlich der Alpen zu zaubern versteht. Am Ende aber stand es 2:3 - eine bittere Heimniederlage, deren letzte Szene noch lange in den Köpfen nachhallen dürfte. Von Beginn an entwickelte sich ein intensives Halbfinal-Hinspiel. Eschborns Trainer Yas Sin hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, "wir wollten draufgehen, nicht warten", erklärte er später mit leicht belegter Stimme. Der Plan schien zunächst aufzugehen: Schon in der ersten Minute prüfte Tibor Nyilasi den gegnerischen Keeper Ellis Ireland mit einem satten Linksschuss. Die Italiener wirkten überrascht - und griffen dann zum klassischen Mittel: Gelbe Karte nach nur zwei Minuten für Isaac Kinmont, der den ballführenden Ardizoglou ummähte, als wolle er ihm den Rasen erklären. Doch so ruppig der Auftakt, so fein der erste Stich der Gäste: In der 29. Minute setzte Partinicos Linksaußen Adriano Eusebio zu einem Sprint an, bekam den Ball von Jacob Stanton mustergültig in den Lauf - und traf eiskalt ins lange Eck. 0:1. Eschborns Torwart Logan Cochran streckte sich vergeblich, und auf der Tribüne war kurzzeitig nur das Rascheln der Plastikbecher zu hören. Der Rückstand weckte die Hausherren. Thalis Ardizoglou, der 33-jährige Regisseur im Mittelfeld, übernahm das Kommando. "Ich dachte mir: Wenn’s keiner macht, mach ich’s halt", grinste er später. Seine punktgenaue Flanke in der 41. Minute fand Innenverteidiger Nael Goncalves, der sich in bester Stürmermanier hochschraubte und zum 1:1 einköpfte. Der Jubel war riesig, und plötzlich roch alles nach Wende. Nach der Pause legte Eschborn los wie die Feuerwehr. 17 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel - doppelt so viele wie bei den Gästen. In der 58. Minute wurde das belohnt: Wieder Ardizoglou mit dem entscheidenden Pass, diesmal auf den flinken Xavier Ximenis, der den Ball technisch fein annahm und trocken zum 2:1 verwandelte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Ximenis hinterher, "und gehofft, dass der Ball nicht in den Main fliegt." Doch Partinico Calcio wäre kein italienisches Team, wenn es nicht auch das Dramatische beherrschte. Nur sechs Minuten später schlug erneut Adriano Eusebio zu, diesmal nach Zuspiel von Joshua Ludwig. 2:2 - und das Spiel stand plötzlich auf der Kippe. Die Eschborner wirkten überrascht, fast beleidigt, dass ihre Gäste den Plan nicht respektierten. Trainer Yas Sin fuchtelte wild an der Seitenlinie, forderte "mehr Pressing", während Partinico-Coach Meggi Ryana ruhig blieb. "Ich wusste, wir kriegen noch eine Chance", sagte sie nach der Partie mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Genugtuung und Espresso lag. Diese Chance kam in der Nachspielzeit: 93. Minute, als alle schon mit dem 2:2 leben wollten. Duarte Galisteo, bis dahin eher unauffällig, spielte einen tödlichen Pass in die Schnittstelle. Amaury Xavier stürmte heran und schob den Ball vorbei an Cochran - 2:3. Stille. Dann Pfiffe. Dann resigniertes Klatschen. "Das war ein Stich ins Herz", bekannte Ardizoglou später. Und Kapitän Goncalves ergänzte: "Wir waren die bessere Mannschaft, aber Fußball ist leider kein Schönheitswettbewerb." Die Statistiken gaben ihm recht: 48,9 Prozent Ballbesitz für Eschborn, aber mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Schüsse - nur eben ein Tor weniger. Partinico Calcio jubelte ausgelassen, Eusebio packte sogar den Tanz aus, den er offenbar für Hochzeiten aufhebt. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte Trainerin Ryana, "und ein bisschen Glück, aber das darf man in einem Halbfinale ruhig haben." Eschborn indes muss sich im Rückspiel auf sizilianischem Boden auf ein heißes Pflaster gefasst machen - im wahrsten Sinne. Trainer Yas Sin versprach trotzig: "Wir fahren nicht zum Urlaub hin. Wir fahren hin, um das Ding zu drehen." Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Aber eins steht fest: Dieses 2:3 war ein Spektakel, das alles hatte - Tempo, Emotion, und eine Schlussphase, die selbst den hartgesottenen Reporter kurz am Notizblock zweifeln ließ. Und als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans die Ränge verließen, blieb das Gefühl, Zeuge eines dieser Spiele gewesen zu sein, über das man noch Jahre spricht - zumindest in Eschborn. 31.12.643996 06:50 |
Sprücheklopfer
Ja sicherlich waren die Irländer der erwartet starke Gegner.
Rudi Völler