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49392 Zuschauer im Eschborner Stadion bekamen am Samstagabend ein Fußballspiel serviert, das man am besten mit einer Achterbahnfahrt beschreibt - nur mit mehr Schweiß, Gelächter und Gelben Karten. Am Ende trennten sich der 1. FC Eschborn und Hansa Rostock 3:3, und niemand wusste so recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Dabei fing alles so vielversprechend an für die Hausherren. Trainer Yas Sin hatte sein Team offensiv eingestellt - was man schon daran merkte, dass die ersten zehn Minuten aussahen wie ein Dauerfeuer auf der Rostocker Hälfte. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir keine Angst haben - und dass unser Torwart auch mal was zu tun braucht", grinste Sin später. Nach einigen wütenden Versuchen war es in der 24. Minute soweit: Cesar Meireles, der junge Portugiese mit der Ruhe eines Scharfschützen, verwandelte eine Hereingabe von Corey Longfellow zum 1:0. Der Jubel hallte über die Tribünen, die Fans sangen, und es sah nach einem gemütlichen Abend für Eschborn aus. Doch wer Hansa kennt, weiß: Die Ostseewelle rollt manchmal langsam, aber wenn sie kommt, dann richtig. Die Rostocker kamen bissiger aus der Kabine, und kaum hatte man sich das zweite Bier geholt, stand es 1:1. Michel Haswell traf in der 47. Minute nach Vorarbeit von Carlos Ibano. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball war drin, und ehrlich gesagt - ich war selbst überrascht", lachte Haswell nach dem Spiel, während sein Trainer Marko Maniurka demonstrativ die Stirn rieb. Eschborn reagierte wütend - und wie! Fernando Antonio, der bullige Mittelstürmer, machte innerhalb von fünf Minuten zwei Tore (55. und 60. Minute). Erst köpfte er nach Sestaks Flanke wuchtig ein, dann drehte er sich nach Zuspiel von Leandro Sousa um die eigene Achse und jagte den Ball unter die Latte. 3:1, und das Stadion tobte. Doch dann kam, was man in Eschborn wohl "das berüchtigte Zittern" nennt. Statt die Führung clever zu verwalten, lief die Mannschaft weiter wild nach vorne - und ließ hinten Lücken, so groß, dass man fast ein Busunternehmen hätte durchschicken können. Rostock nutzte das eiskalt: Wieder Haswell (68.) und kurz darauf Felix Schüler (71.) brachten Hansa zurück ins Spiel. 3:3, und plötzlich hörte man auf der Eschborner Bank nur noch Flüche und das klägliche Rascheln einer zerknüllten Taktiktafel. "Wir haben einfach vergessen, dass Fußball 90 Minuten dauert", murrte Trainer Sin nach Abpfiff. "Aber immerhin haben wir den Zuschauern was geboten. Und ich bin sicher, der Puls meiner Spieler war kurzzeitig über 200." Die Statistik sprach am Ende für Eschborn - zumindest auf dem Papier: 16 Torschüsse gegenüber 7 der Rostocker, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Nur beim Ballbesitz lag Hansa leicht vorn (51 zu 49 Prozent). "Das ist halt typisch für uns", meinte Verteidiger Ivo Bednar. "Viel Aufwand, wenig Belohnung. Vielleicht sollten wir mal versuchen, weniger schön zu spielen - und einfach gewinnen." Auch die Emotionen kamen nicht zu kurz: Drei Gelbe Karten, eine für Rostocks Carlos Ibano (18.), eine für Giuseppe Degano (44.), und eine für Eschborns Meik John (67.). Letzterer kommentierte trocken: "Ich wollte nur freundlich fragen, ob der Schiri die Uhr richtig eingestellt hat." In der Schlussphase war Eschborn noch einmal nah dran am Sieg. Fernando Antonio, inzwischen zur lebenden Legende des Abends gereift, traf in der 94. Minute beinahe erneut, doch Rostocks Keeper Marko Pivaljevic fischte den Ball mit einer Glanzparade aus dem Winkel. Der Torwart, sonst eher unauffällig, wurde danach von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er den Pokal gewonnen. Am Ende blieb es beim 3:3 - ein Ergebnis, das keiner so recht einordnen konnte. "Das war kein Spiel für schwache Nerven", sagte Rostocks Trainer Maniurka. "Aber wenigstens weiß ich jetzt, warum ich graue Haare habe." Und so verließen die Fans das Stadion mit einem Lächeln und einer leisen Frage: War das nun eher ein Sieg oder eine Niederlage? Vielleicht beides - aber definitiv Unterhaltung pur. "Wenn jedes Spiel so wäre", sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen, "würde ich mir eine Dauerkarte fürs Leben holen." Man kann ihm kaum widersprechen. 25.03.644000 21:57 |
Sprücheklopfer
Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies