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Es war einer dieser lauen Frühlingsabende in Barcelona, an denen der Himmel rosa glüht und der Fußball beinahe romantisch werden könnte - wenn nicht 30.294 Zuschauer im RCDE-Stadion beschlossen hätten, ihn in einen Hexenkessel zu verwandeln. Espanyol Madrid besiegte im Stadtduell Atletic Barcelona mit 2:0 (0:0), und das Ergebnis war so verdient wie der anschließende Applaus laut. Die erste Halbzeit war ein Geduldsspiel - zumindest für alle, die Espanyol die Daumen drückten. 22 Torschüsse am Ende des Spiels sprechen eine klare Sprache, doch zur Pause stand es 0:0. Trainer Andreas Schuntner kommentierte später mit einem schiefen Lächeln: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen sich Zeit lassen. Sie haben mich beim Wort genommen - vielleicht zu wörtlich." Tatsächlich suchte Espanyol in den ersten 45 Minuten mit viel Ballbesitz (am Ende 51,6 Prozent) und munterem Flügelspiel nach Lücken, während Atletic eher den Eindruck machte, als hätten sie das Navi auf "Sicherheitsmodus" gestellt. Atletic-Trainer Al Bundy - ja, der Name sorgt auch in Spanien immer noch für Grinsen - versuchte nach dem Spiel, das Positive zu sehen: "Wir hatten auch unsere Momente. Vielleicht nicht in diesem Spiel, aber bestimmt in der Saison." Seine Mannschaft brachte es auf fünf Torschüsse, von denen keiner ernsthafte Gefahr für Espanyol-Keeper Güngör Parlak bedeutete. Die entscheidende Szene kam in der 60. Minute, und sie hatte etwas von einem Befreiungsschlag. Samuel Burton, der flinke linke Mittelfeldspieler mit der Geduld eines Schachspielers, setzte sich auf der Außenbahn durch, legte quer - und Tikhon Petrow, 20 Jahre jung, schlenzte den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers ins lange Eck. 1:0, und das Stadion explodierte. Petrow rannte Richtung Eckfahne, breitete die Arme aus und brüllte, als wollte er den gesamten Stadtteil hören lassen: "Das ist unser Barcelona!" Nur elf Minuten später folgte der zweite Streich. Patrick Patton, frisch eingewechselt, machte seinem Trainer ein Geschenk, das man auch als Bewerbung für die Startelf verstehen durfte. Nach einer unübersichtlichen Szene im Strafraum reagierte der Rechtsaußen am schnellsten und schob den Ball zum 2:0 über die Linie. "Ich hatte eigentlich nur die Augen zu", grinste Patton nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner im Weg steht." Atletic versuchte danach, noch einmal Anschluss zu finden, doch ihre Ideen waren so blass wie ihre Trikots nach 70 Minuten Dauerdruck. Drei Gelbe Karten in der Schlussphase - del Rio (43.), Flores (72.) und Henderson (75.) - zeugten eher von Frust als von Aufbäumen. Trainer Bundy stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und der Miene eines Mannes, der in Gedanken schon bei der nächsten Trainingseinheit war. Espanyol dagegen spielte die Partie souverän zu Ende. Mateo Yanez, der 19-jährige Linksverteidiger, handelte sich in der Nachspielzeit zwar noch Gelb ein - "Ich habe den Ball getroffen, Ehrenwort!", beteuerte er lachend -, doch das störte niemanden mehr. Die Fans sangen, die Spieler klatschten, und Trainer Schuntner wurde von seinen Assistenten beinahe in die Luft gehoben. Statistisch war das Spiel eine klare Angelegenheit: 22 Torschüsse zu fünf, 55,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe und die bessere Spielanlage. Espanyol kombinierte flüssig, suchte mutig die Flügel und zeigte, dass die taktische Marschrichtung - offensiv ausbalanciert, mit gelegentlichem Pressing - nicht nur auf dem Papier funktioniert. Im Kabinengang traf man später noch Tikhon Petrow, der mit dem Spielball in der Hand grinsend Selfies verteilte. "Ich bin erst 20, ja", sagte er, "aber heute habe ich mich wie 30 gefühlt - im guten Sinne." Neben ihm stand Samuel Burton, der zu seinem Assist befragt wurde: "Ich wollte eigentlich flanken", gab er zu, "aber wenn’s ein Assist war, nehme ich den natürlich mit." Andreas Schuntner fasste es am besten zusammen: "Wir haben gezeigt, dass man auch ohne großen Namen in der Stadt groß spielen kann. Heute war Espanyol das echte Barcelona." Atletic Barcelona hingegen wird sich an diesem Abend vor allem eines fragen: Wie konnte ein ausgewogenes Spielsystem so unausgewogen wirken? Vielleicht liegt es an der fehlenden Konsequenz, vielleicht an der fehlenden Leidenschaft. Oder, wie Al Bundy trocken meinte: "Wir waren einfach höflich - wir haben den Ball zu oft zurückgegeben." Ein Fazit mit Augenzwinkern: Espanyol Madrid hat sich den Stadtrivalen geschnappt wie eine Katze ihr Spielzeug - erst neugierig, dann entschlossen, und am Ende mit einem zufriedenen Schnurren. 2:0, klare Sache, klare Botschaft. Die Stadt gehört an diesem Abend den Blauen. 04.01.644000 19:03 |
Sprücheklopfer
Wir sind an ein Limit gekommen, wo es im Moment nicht drüber geht.
Andreas Möller