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Es war ein lauer Maiabend im Estádio de Espinho, 36.000 Zuschauer, Sonne, Meerluft - und ein Spiel, das anfangs so aussah, als würde es den Heimfans den Urlaub verderben. Am Ende stand es 1:2 aus Sicht Espinhos, und man konnte nicht sagen, dass es unverdient war. Der FC Braga, mit einer erstaunlich unerschrockenen Jugendtruppe und Coach Heiko Neese an der Seitenlinie, hatte einfach die klareren Momente. Schon nach einer knappen Viertelstunde kündigte sich an, dass Espinho an diesem Abend wohl mehr laufen als jubeln würde. In der 17. Minute war es João Brito, der in der Mitte freigespielt wurde - Ingo Gama hatte den Ball fein durchgesteckt -, und mit einem satten Schuss ins rechte Eck den Torreigen eröffnete. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Brito nach dem Spiel. "Trainer Neese sagt immer, wenn du zögerst, denkt der Ball auch nach - und das ist nie gut." Trainer Neese selbst stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und wirkte zufrieden, aber nicht überrascht. "Wir wollten mutig sein, auch auswärts. Die Jungs wissen, dass sie nicht hier sind, um Selfies mit dem Meer zu machen", sagte er mit einem Anflug von norddeutschem Humor. Espinho kam zwar auf 15 Torschüsse, während Braga nur neun verbuchte, doch Effizienz ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Der Ballbesitz sprach mit 52 Prozent leicht für die Gastgeber, aber das Spiel gehörte jenen, die wussten, wann man stechen muss. Kurz nach der Pause, in der 57. Minute, zeigte sich wieder die jugendliche Frechheit der Gäste: Ingo Gama, erst 19 Jahre alt, schnappte sich einen abgefälschten Ball, drehte sich elegant um seinen Gegenspieler und schlenzte ihn aus gut 20 Metern ins Netz. 0:2. Die Espinho-Fans schwiegen - kurz, bevor sie sich mit einem kollektiven Stöhnen wiederfanden. Doch Espinho wäre nicht Espinho, wenn sie nicht wenigstens einmal zurückbeißen würden. Nur zwei Minuten später, in der 59. Minute, verwandelte Miguel Costinha nach feiner Vorarbeit von Robbe Apers aus spitzem Winkel. Der Jubel war laut, fast trotzig. "Ich wollte zeigen, dass wir leben", sagte Costinha später. "Leider hat das Tor nicht mehr gebracht, als dass Braga kurz gezuckt hat." Danach entwickelte sich ein Spiel, das weniger von Torgefahr als von Gelben Karten lebte - vier für Braga, zwei für Espinho. Besonders auffällig: der 19-jährige Antonio Fernandes, der sich in der Nachspielzeit noch eine Verwarnung abholte, als er versuchte, den Ball so weit wegzuschlagen, dass er vermutlich in Porto gelandet wäre. Espinho versuchte es bis zum Schluss. Neno Jarni prüfte den gegnerischen Keeper Diogo Costa gleich mehrfach - in der 91. und 94. Minute -, doch der junge Torwart hielt, als ginge es um ein Bewerbungsgespräch für die Nationalmannschaft. Trainer Heiko Neese schwärmte nach dem Spiel: "Wenn du siehst, wie ein 19-Jähriger wie Gama so ein Spiel prägt, dann weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist." Espinhos Coach dagegen - er wollte lieber anonym bleiben, aber man hörte ihn schon in der Mixed Zone murmeln: "Wir hatten alles im Griff, außer das Ergebnis." Taktisch blieb Espinho die ganze Zeit ausgewogen, fast brav - "balanced", wie es im modernen Fachjargon heißt. Braga dagegen spielte von Beginn an offensiv, über die Flügel, ohne großes Pressing, aber mit einem klaren Plan: schnell, direkt, ohne Firlefanz. Die Statistik liest sich wie ein Rätsel: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, höhere Zweikampfquote - und trotzdem verloren. Aber Fußball ist eben kein Excel-Dokument. In den Katakomben soll Miguel Costinha beim Rausgehen leise gesagt haben: "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können, und der Ball wär trotzdem am Pfosten gelandet." Neben ihm nickte Javier Quaresma, der gleich viermal knapp scheiterte, und fügte trocken hinzu: "Aber wenigstens war’s ein schöner Pfosten." Ein Spiel, das Espinho wohl noch ein paar Tage in den Knochen haben wird - und eines, das die jungen Wilden aus Braga mit Selbstvertrauen in den nächsten Spieltag schicken dürfte. Vielleicht sollte Espinho beim nächsten Heimspiel einfach mal den Ball ein bisschen weniger schön streicheln und stattdessen öfter ins Tor prügeln. Denn wie sagte Trainer Neese so schön beim Abgang in die Kabine: "Schön spielen kann jeder - aber treffen muss man auch." Und das hat am Ende nur eine Mannschaft wirklich getan. FC Braga, 2:1-Sieger - jung, frech, effizient. Espinho dagegen? Charmant wie immer, aber auf der Anzeigetafel bleibt Charme bekanntlich torlos. 11.05.644000 03:58 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage