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Ein Dienstagabend in Essingen, Flutlicht, 12.500 Zuschauer - und ein Fußballspiel, das man so schnell nicht vergisst: Der TSV Essingen besiegt den TuS Hordel mit 4:3 (1:2) und liefert dabei ein Wechselbad der Gefühle, das selbst hartgesottene Fans mit Herzrasen zurückließ. Es begann mit einem Paukenschlag: Keine fünf Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz. Alejandro Gutierrez, der flinke Linksaußen des TSV, schlenzte den Ball nach einem kurzen Haken ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich!", grinste Gutierrez nach dem Spiel, während Trainer Philipp Wiedmann lachend den Kopf schüttelte: "Wenn alle Flanken so aussehen, soll er ruhig weiter daneben zielen." Die frühe Führung wirkte allerdings eher wie ein Weckruf für die Gäste aus Hordel. Nur sieben Minuten später glich Ernst Kunkel nach mustergültiger Vorarbeit von Günther Pfeiffer aus (11.). Und Hordel blieb dran: Pfeiffer selbst drehte das Spiel in der 40. Minute, als er einen abgefälschten Ball aus 18 Metern über den chancenlosen Bradley Yeates im Essinger Tor hob. 2:1 zur Pause - und die TuS-Fans sangen schon von einem Auswärtssieg, der eigentlich keiner werden sollte. Denn Wiedmann reagierte zur Halbzeit. Kai Darabont blieb draußen, Nico Geiger kam - und mit ihm neuer Schwung. Keine 30 Sekunden nach Wiederanpfiff tanzte Pedro Gama durch die Hordeler Abwehr und traf zum 2:2-Ausgleich (46.). Ein Tor, das so überraschend kam, dass selbst der Stadionsprecher kurz zögerte, bevor er den Namen durchs Mikro rief. "Ich dachte, das war Abseits", gestand Gama später augenzwinkernd, "aber der Linienrichter hat ja auch mal gute Tage." Essingen hatte jetzt Oberwasser. Zwar lag der Ballbesitz mit 48,8 zu 51,1 Prozent leicht bei den Gästen, doch die Effizienz sprach Bände: Sechs Torschüsse, vier Treffer. Hordel dagegen wirkte wie ein Team, das es zu gut meinte - 15 Schüsse, aber zu oft in die Wolken. In der 60. Minute folgte die nächste Essinger Galaeinlage: Rechtsverteidiger Lewis Michaud rauschte über den Flügel, bekam den Ball von Geiger in den Lauf gespielt und drosch ihn trocken ins lange Eck - 3:2. Hordel-Keeper Davide Lorenzo war nur noch Statist. Trainerin Ute Finkeldy sprang an der Seitenlinie auf und rief: "So frei darf der nie schießen!", aber da war es schon zu spät. Als Harvey Corraface in der 68. Minute das 4:2 erzielte, schien die Sache entschieden. Der bullige Mittelstürmer setzte sich im Strafraum durch und schob ein - ein Tor wie ein Faustschlag. "Das war pure Wut", gestand Corraface, "ich hatte mich vorher über einen Fehlpass geärgert." Doch Hordel gab nicht auf. Gabriel Cunningham brachte die Gäste in der 77. Minute wieder heran, nachdem Marwin Rodriguez ihn mit einem feinen Pass bedient hatte. 4:3, und plötzlich wackelte Essingen. Cunningham hatte zuvor schon mehrfach aufs Tor gezielt, diesmal passte der Abschluss - und Finkeldy brüllte ein erleichtertes "Ja!" in den Abendhimmel. Die Schlussphase war dann ein wilder Tanz zwischen Nervosität und Chaos. Essingen wechselte den angeschlagenen Gutierrez aus, der sich bei einem Sprint eine Zerrung zuzog, und brachte Amaury Figueras. Der Franzose sorgte immerhin für ein wenig Ruhe - und beinahe für das 5:3, doch sein Schuss in der 85. Minute klatschte an den Pfosten. Hordel drückte - Kunkel (84.), Huber (86.) und Blum (92.) feuerten alles ab, was ihre Beine hergaben, aber Yeates hielt, was zu halten war. Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und die Essinger fielen sich in die Arme, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", meinte Wiedmann hinterher mit einem müden Lächeln. Finkeldy dagegen schüttelte nur den Kopf: "Wenn du 15 Mal schießt und verlierst, weißt du, dass der Fußball dich heute nicht mochte." Und so verabschiedete sich das Publikum mit einem zufriedenen Grinsen in die Nacht. Ein 4:3, das alles bot: Tempo, Tore, Drama - und den leisen Hinweis, dass man in Essingen offenbar nie frühzeitig gehen sollte. Denn wer nach 40 Minuten zur Bratwurstbude ging, kam zurück und wunderte sich nur: "Wie steht’s jetzt eigentlich?" 09.06.643997 14:53 |
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Manchmal spreche ich zuviel.
Lothar Matthäus