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Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem Essinger Stadion und 12.500 Zuschauer, die sich schon früh warm klatschten - und das nicht nur wegen der Temperaturen. Der TSV Essingen empfing am 4. Spieltag der 2. Liga den Hamburger SC und bot 90 Minuten lang ein Lehrstück in Chancenverwertung - oder besser gesagt: in deren Fehlen. Das 2:2 (1:0) fühlte sich für die Gastgeber jedenfalls an wie eine Niederlage, während die Hanseaten nach Abpfiff aussahen, als hätten sie gerade den Klassenerhalt gefeiert. "Wenn du 15 Mal aufs Tor schießt und der Gegner nur sieben - und es steht am Ende trotzdem unentschieden, dann weißt du, was los war", knurrte Essingens Trainer Philipp Wiedmann nach Spielende. Sein Gegenüber, Bernd Happel, grinste nur und meinte trocken: "Manchmal muss man halt effizient sein. Oder einfach Glück haben - das war heute beides ein bisschen von uns." Dabei begann alles so, wie es sich die Essinger vorgestellt hatten. In der 28. Minute zauberten die Offensivkräfte Pelletier und Sorribas eine Kombination aus dem Lehrbuch: Doppelpass am rechten Flügel, ein Haken, ein Schuss - und Pierre Pelletier drosch die Kugel humorlos unter die Latte. 1:0, und das Publikum sang schon vom sicheren Heimsieg. Bis zur Pause erarbeitete sich der TSV weitere Chancen en masse, aber der Ball wollte einfach nicht noch einmal über die Linie. "Ich hab irgendwann gedacht, das Tor ist kleiner geworden", flachste Salvador Nuno später mit einem gequälten Grinsen. Kurz nach Wiederanpfiff dann doch die Erlösung: In der 56. Minute flankte Lew Bestschastnych butterweich auf Nuno, der diesmal alles richtig machte und zum 2:0 einköpfte. Essingen wähnte sich auf der Siegerstraße - doch dann kam die berüchtigte Hamburger Kaltschnäuzigkeit. In der 62. Minute schloss Sandor Feldmann nach einem Freistoß aus dem Halbfeld eiskalt ab. Der Ball sprang noch leicht über den Rasen, Essingens Keeper Marcio Botin verschätzte sich - nur noch 2:1. Und kaum hatte sich das Heimteam wieder gesammelt, stand es auch schon 2:2: Wladimir Gorgon zog in der 74. Minute aus 20 Metern ab, der Ball flatterte wie eine schlecht gelaunte Möwe in den Winkel. "Ich hab einfach mal draufgehalten", lachte Gorgon später. "Wenn man schon nicht oft schießt, dann wenigstens richtig." Essingen versuchte danach, das Spiel wieder an sich zu reißen. Trainer Wiedmann brachte frische Kräfte, Ross kam für Longo, Bjerg ersetzte Marittimo - doch der Spielfluss war dahin. Und als Samuel Ross in der 78. Minute für ein rustikales Tackling Gelb sah, schüttelte Wiedmann nur den Kopf. "Das war symbolisch für den Abend: viel Einsatz, wenig Ertrag." Die Statistik sprach Bände: 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 15 Torschüsse, 48,6 Prozent Ballbesitz - und trotzdem zwei verschenkte Punkte. Hamburg hingegen spielte schnörkellos, fast stoisch. "Wir wollten gar nicht zu viel Ball haben, das stresst uns nur", witzelte Happel auf der Pressekonferenz. In der Nachspielzeit hatte Essingen noch eine Riesenchance: Der eingewechselte Thierry Marchal zog aus 16 Metern ab, doch Hamburgs junger Keeper Lionel Carvalho fischte den Ball aus dem Winkel - kurz bevor er in der 89. Minute selbst ausgewechselt wurde. Der 18-jährige Maximilian Miller durfte noch ein paar Sekunden Profiluft schnuppern - "damit er weiß, wie sich Herzklopfen anfühlt", wie Happel später lachend erklärte. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen die Essinger Spieler auf dem Rasen, als hätten sie gerade ein Pokalfinale verloren. Wiedmann sammelte sie ein, klopfte jedem auf die Schulter und murmelte: "So isch halt Fußball." Ein neutraler Beobachter hätte wohl gesagt: Ein gerechtes Unentschieden, zwei Gesichter, zwei Halbzeiten. Doch in Essingen fühlte es sich anders an. "Wir hätten das Ding nach Hause bringen müssen", meinte Torschütze Nuno, "aber vielleicht lernen wir’s noch - hoffentlich vor dem Rückspiel." Der Hamburger SC hingegen reist mit breiter Brust zurück in den Norden. Zwei Tore aus sieben Schüssen - die hanseatische Effizienz lebt. Und während die Essinger Fans im Ausgang noch über "verhexte Tore" und "unglückliche Abwehrmomente" schimpften, zeigte die Anzeigetafel schon gnadenlos die Wahrheit: 2:2. Ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst - zumindest nicht in Essingen. Wer allerdings auf kalorienarme Fußballkost stand, kam hier voll auf seine Kosten: viel Tempo, etwas Drama, und am Ende das klassische "Hätte, hätte, Torverwertungskette". Vielleicht fasste es Trainer Wiedmann am besten zusammen: "Wir haben nicht verloren, aber irgendwie auch nicht gewonnen. Und das ist im Fußball manchmal das Bitterste." 03.07.643990 17:07 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
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