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Es war ein Freitagabend in La Plata, an dem 62.562 Zuschauer Zeugen eines dieser Spiele wurden, über die man noch in Jahren mit einem "Weißt du noch damals…?" sprechen wird. Estudiantes La Plata gewann das Stadtderby gegen CD La Plata mit 5:3 - nach einem 0:2-Rückstand zur Pause. Acht Tore, sieben Gelbe Karten, eine Gelb-Rote, und ein Torwartwechsel - man durfte sich fragen, ob das hier Fußball oder ein Filmfestival für überdrehte Drehbücher war. Dabei hatte alles so gemächlich begonnen. CD La Plata war in der ersten Halbzeit das abgeklärtere Team. In der 16. Minute erzielte Taras Beresuzki nach feinem Zuspiel von Jacob O’Brien das 0:1. Der bullige Mittelstürmer grinste danach breit in Richtung Heimkurve, als wolle er sagen: "Ganz ruhig, das war nur der Anfang." Und er sollte recht behalten - allerdings ganz anders, als er dachte. In der 35. Minute erhöhte Iban Gome auf 2:0, nach schönem Pass von Javi Carballo. Trainerin Leni Malou klatschte zufrieden in die Hände, während ihr Kollege Roman Pilgram auf der anderen Seite aussah, als überlege er, ob er sein Sakko oder den vierten Offiziellen zuerst anschreit. "Ich habe in der Pause gesagt: Wir sind nicht tot, wir schlafen nur", verriet Pilgram später mit einem spitzbübischen Grinsen. Was dann nach Wiederanpfiff geschah, war die pure Ekstase - oder, je nach Perspektive, ein Albtraum in Rot-Weiß. Innerhalb von sechs Minuten drehte Estudiantes das Spiel: Tove Fischer (49.), Guy Trottier (50.) und Freddie Ramsay (53.) trafen in Serie. Das Stadion vibrierte, Trommeln dröhnten, und selbst der Stadionsprecher schien kurz den Überblick zu verlieren. "Ich glaub, ich hab die falsche Torschützenliste vorgelesen", gestand er später lachend im Lokalradio. Doch CD La Plata schlug zurück - Mario Ramallo traf in der 55. Minute nach erneuter Vorlage von O’Brien zum 3:3. Da war plötzlich wieder alles offen. Die Partie stand auf Messers Schneide, gelbe Karten flogen wie Konfetti: McGrath, Ramsay, Auch und schließlich Nene sahen Gelb - letzterer später auch Gelb-Rot, weil er offenbar dachte, ein kleiner Bodycheck auf Höhe der Mittellinie sei ein akzeptabler Pausenersatz. "Christiano ist manchmal zu leidenschaftlich", meinte Trainer Pilgram - was man auch als diplomatische Umschreibung für "Er hat uns fast das Spiel gekostet" verstehen konnte. Doch Estudiantes hatte Blut geleckt. In der 64. Minute flankte Ramsay butterweich auf James Leech, der per Direktabnahme zum 4:3 traf. Der Jubel war ohrenbetäubend - und als wäre das nicht genug, setzte Harry McGrath in der 78. Minute nach einer Kombination mit Samuel Stack mit einem Linksschuss in den Winkel den Schlusspunkt. 5:3! "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so ein Spiel drehst, denkst du nicht nach - du triffst einfach", sagte McGrath nach der Partie und grinste unter der Dusche noch immer wie ein Lotto-Gewinner. Statistisch war das Match beinahe ausgeglichen: 11 zu 7 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz - doch die Effizienz der Gastgeber blieb beeindruckend. Selbst der späte Torwartwechsel - Isidoro Quaresma kam für Asbjorn Aas - brachte keine Unruhe. "Aas hatte Krämpfe, keine Panik", winkte Pilgram ab, "Quaresma wollte einfach auch mal den Applaus hören." Bei CD La Plata hingegen herrschte Frust. Trainerin Malou sprach von "einer Lektion in Sachen Demut". Ihr Kapitän Javi Carballo, der selbst Gelb sah, war direkter: "Wir haben nach dem 2:0 gedacht, das Ding sei durch. Danach hat uns Estudiantes gezeigt, wie man kämpft." Als der Schlusspfiff ertönte, war die Nacht über La Plata längst hereingebrochen, aber auf den Rängen sangen Tausende noch immer. Estudiantes-Fans tanzten, CD-Anhänger schüttelten ungläubig den Kopf. Und irgendwo in der Mixed Zone murmelte ein Journalist: "Wenn das die 1. Liga Argentinien ist, braucht man kein Kino mehr." Das Derby von La Plata hatte alles: Drama, Emotion, Leidenschaft - und ein Drehbuch, das selbst Hollywood neidisch machen würde. Und während Roman Pilgram mit einem breiten Grinsen die Pressekonferenz verließ, hörte man ihn sagen: "Manchmal ist Fußball eben wie das Leben - du liegst am Boden, und dann schießt du fünf Tore." Ein Satz, der an diesem Abend wohl keiner besser hätte formulieren können. 02.03.644000 13:43 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)