De Standaard
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Eupen zerlegt Gent - ein Abend zum Vergessen für die Buffalos

Wenn ein Team mit der Ambition auf die europäischen Plätze mit 0:6 im eigenen Stadion baden geht, dann ist das kein Betriebsunfall mehr, sondern ein ausgewachsener Fußballkrimi - allerdings ohne Happy End für die "Gent Buffalos". Eupen dagegen feierte beim vierten Spieltag der 1. Liga Belgien ein Offensivspektakel, das selbst den neutralen Zuschauer erhobenen Hauptes nach Hause schickte.

Schon nach acht Minuten war klar, dass dieser Abend für Gents Trainer Pep Mourinho ein sehr langer werden würde. Alexander Piersens, Eupens quirliger Linksaußen, traf nach blitzsauberer Vorarbeit von Arthur Roegiers zum 0:1. Während die Heimfans noch versuchten, das Bier nicht zu verschütten, rollte der nächste Eupener Angriff heran. "Wir wollten früh zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing gekommen sind", grinste Piersens später.

Gent wirkte bemüht, aber so gefährlich wie ein Kaktus im Schneesturm. Zwar kamen Lucas Millington und Tschawdar Bonew in der Anfangsphase zu einigen Torabschlüssen, doch Eupens Keeper Tristan Decaluwe hielt, als hätte er die Handschuhe mit Sekundenkleber präpariert.

In der 32. Minute dann der nächste Schock: Emil Musiala - nein, nicht der deutsche Namensvetter, sondern Eupens junge Mittelfeldperle - zog aus 18 Metern ab, der Ball schlug mit einem saftigen "Wumm" im rechten Winkel ein. Eine Minute später legte Cedric Vermeirsch nach, nachdem Gents Abwehr kollektiv in die falsche Richtung schaute. 0:3 zur Pause - und viele im Stadion fragten sich, ob es nicht doch zu spät sei, den Grill anzuwerfen und die zweite Halbzeit zu vergessen.

"Wir wollten in der Kabine ein Zeichen setzen", erklärte Pep Mourinho, der mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck zwischen Fassungslosigkeit und Resignation in den Katakomben stand. Das Zeichen blieb allerdings aus. Eupen spielte weiter, als ginge es um die Meisterschaft. In der 63. Minute durfte Musiala erneut jubeln - diesmal nach feiner Vorarbeit von Piersens.

Gent reagierte mit einem Dreifachwechsel: Der 17-jährige Torwart Alexis Van Kerckhove kam zu seinem Debüt, ebenso die Talente Mateusz Zytko und Jasper Deconinck. "Wir wollten den Jungen eine Chance geben", sagte Mourinho später sarkastisch, "schließlich haben die Älteren ja alles gegeben - an Fehlern."

Doch Eupen hatte noch immer Lust auf Tore. In der 78. Minute traf Arthur Roegiers selbst, nachdem Mariusz Kazmierczak den Ball wie mit einem Laserpass serviert hatte. Und als die Buffalos endgültig aufgaben, setzte Musiala in der 85. Minute den Schlusspunkt - sein dritter Treffer des Abends. Eupens Trainer André Keller konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr Spaß habt, hört einfach nicht auf. Sie haben mich wohl wörtlich genommen."

Die Statistik unterstreicht das Debakel: 11 Torschüsse für Gent, 16 für Eupen. 44 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 56 für die Gäste - ein klares Zeichen, wer hier das Spiel diktierte. Selbst die Zweikampfquote (48 zu 52 Prozent) sprach gegen Gent, das weder Zugriff noch Ideen fand. Als dann auch noch Richard Urban in der 73. Minute Gelb sah, war der Frust komplett.

Eupens Defensive blieb dagegen nahezu fehlerlos. Selbst der späte Gelbe Karton für Samuel Van Herck in der Nachspielzeit konnte die Euphorie nicht trüben. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Gäste ausgelassen vor ihren mitgereisten Fans, während die Buffalos bedröppelt in die Katakomben schlichen.

"So etwas darf uns nicht passieren - schon gar nicht zu Hause", knurrte Kapitän Lucas Millington, als er mit gesenktem Kopf Richtung Bus trottete. Sein Trainer nickte stumm.

Eupen hingegen blickt nach diesem Kantersieg selbstbewusst nach vorn. Drei Tore von Musiala, dazu Treffer von Piersens, Vermeirsch und Roegiers - das ist die Sorte Statistik, die man sich einrahmt. "Wir wollten einfach Fußball spielen", sagte Keller mit einem Augenzwinkern. "Der Rest kam von allein."

Und Gent? Die Buffalos werden sich in den nächsten Tagen wohl an den Trainingsplatz ketten müssen. Denn nach so einem 0:6 wird selbst der härteste Fan nervös. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Das war kein Spiel. Das war eine Lektion."

Ein Abend zum Vergessen für Gent - und ein Triumphzug für Eupen, der noch lange nachhallen wird.

03.12.644002 14:05
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