Sport-Blick
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FC Ascona siegt knapp - Grand-Lancy wacht zu spät auf

Ein lauer Frühlingsabend, 4000 Zuschauer, ein Platz, der schon beim Aufwärmen quietschte - und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten. Am 27. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Div) lieferte sich der FC Grand-Lancy mit dem FC Ascona ein Duell, das vor allem eines zeigte: Timing ist alles. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben - oder eben Jerome Cloutier.

Bereits in der 21. Minute klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Grand-Lancy. Cloutier, der schon in den Anfangsminuten zweimal gefährlich abgeschlossen hatte, setzte diesmal konsequent nach. "Der Ball lag so schön da, ich hätte mich beleidigt gefühlt, ihn nicht reinzuschießen", grinste der 31-jährige Stürmer nach dem Spiel. Während Grand-Lancy noch sortierte, legte Ascona nach: In Minute 41 traf Claude Beckmann nach schöner Vorarbeit von Roger Erdmann zum 0:2. Ein Treffer aus dem Lehrbuch - und aus Sicht der Gastgeber ein schlechter Witz.

Trainer Rainer Zufall, der Mann an Asconas Seitenlinie, kommentierte das Pausenresultat trocken: "Manchmal hilft es, wenn der Zufall auf meiner Seite steht." Seine Mannschaft hatte mit 51 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen klar die aktivere erste Halbzeit gezeigt, während Grand-Lancy vor allem mit Gelben Karten glänzte - Lukas Florit (5.) und Niklas Bureau (43.) sammelten frühe Verwarnungen wie andere Panini-Bilder.

Doch nach der Pause drehte sich das Spiel - zumindest ein bisschen. Kaum war der Schiri wieder auf dem Platz, zappelte der Ball im Netz von Ascona. François Schuster, eigentlich linker Verteidiger, verwandelte in der 46. Minute eine feine Hereingabe von Jason Jakob zum 1:2. "Ich wusste gar nicht, dass ich so weit vorne stehen darf", lachte Schuster später. Trainer (dessen Name in den Unterlagen vermutlich verschollen ist) brüllte jedenfalls: "Endlich wach!" - und das Publikum jubelte, als hätte Grand-Lancy die Meisterschaft gewonnen.

Doch Ascona ließ sich nicht beirren. Der erfahrene Mike Guillory, 35 Jahre jung und offenbar mit ewiger Lunge gesegnet, stellte in der 65. Minute den alten Abstand wieder her. Sein Treffer nach Vorlage von Walther Schöne war so präzise, dass Torwart Thomas Böhme nur anerkennend nicken konnte. "Da kommst du nicht ran, selbst wenn du Flügel hättest", murmelte Böhme nach dem Spiel, während er seine Handschuhe auf die Bank schleuderte.

Grand-Lancy bäumte sich noch einmal auf - und tatsächlich: In der 71. Minute traf der emsige Jason Jakob selbst, nachdem Benjamin Gross uneigennützig quergelegt hatte. 2:3, Hoffnung keimte auf. Die letzten 20 Minuten wurden zu einem wilden Ritt zwischen Verzweiflung und Adrenalin. Gelbe Karte für Christophe Silvestre (50.), Pfiffe, Flüche, und irgendwo auf der Tribüne rief einer: "Schießt doch einfach drauf!" - woraufhin tatsächlich ein Schuss kam, allerdings weit über das Fangnetz.

Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel - Ascona mit 51 Prozent Ballbesitz und einer leicht besseren Zweikampfquote (53,5 Prozent), Grand-Lancy mit acht Torschüssen, die aber erst spät gefährlich wurden. Beide Teams agierten taktisch ausgewogen, keiner wagte das große Risiko. Vielleicht war das der Unterschied: Ascona spielte effektiv, Grand-Lancy schön. Und schön verliert sich eben manchmal im Ergebnis.

Nach dem Schlusspfiff wirkte Rainer Zufall fast überrascht über den Sieg. "Wir hätten locker noch zwei kassieren können, aber Glück gehört dazu - und ein Torwart, der nicht einschläft." Sein Gegenüber hingegen sprach von "einem Weckruf in der 46. Minute, der leider zu spät kam".

Die Zuschauer verabschiedeten die Spieler mit höflichem Applaus, einige murmelten, dass Grand-Lancy "eigentlich besser war". Vielleicht stimmt das sogar - aber was zählen schon Ballbesitz und gute Vorsätze, wenn Jerome Cloutier vorne lauert?

So bleibt am Ende ein 2:3, das sich knapper anfühlt, als es war. Ascona nimmt drei Punkte mit auf die Heimreise ins Tessin, Grand-Lancy bleibt die Erkenntnis, dass man ein Spiel auch mal in der ersten Halbzeit beginnen sollte. Oder wie es François Schuster beim Rausgehen augenzwinkernd sagte: "Wir haben das 0:2 gewonnen - nur leider nicht das Spiel."

Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "Nächstes Mal, Jungs, nächstes Mal…" - ein Satz, der in Grand-Lancy wohl noch öfter fallen wird.

11.05.644000 01:33
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