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Ein lauer Sommerabend am Lago Maggiore, 5.189 Zuschauer, die Sonne verabschiedet sich hinter den Bergen - und auf dem Rasen des kleinen Stadions in Ascona spielt sich ein Fußballstück ab, das irgendwo zwischen Lehrstunde und Komödie pendelt. Der FC Ascona besiegt den SC Solothurn klar mit 4:0 und lässt dabei keinen Zweifel, wer an diesem 10. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Division) die Hosen anhatte. Schon nach vier Minuten zappelte der Ball im Netz: Der 18-jährige Mike Kluge, noch halb in der Pubertät, halb schon Publikumsliebling, vollendete eiskalt nach Vorlage von Dirk Desjardins. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kluge nach dem Spiel. "Dirk meinte noch: ’Mach was draus, Kleiner’ - na ja, hab ich gemacht." Trainer Rainer Zufall stand da an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und murmelte etwas von "endlich mal jemand, der nicht nachdenkt". Solothurns Abwehr wirkte da noch wie in der Anreisephase, die Zuordnung irgendwo zwischen "spät dran" und "gar nicht da". Und bevor sie sich sortieren konnten, legte der erfahrene Pascal Schäfer in der 28. Minute nach. Ein klassischer Schäfer: Ball angenommen, Gegner abgeschüttelt, eingeschweißt. "Ich hab schon gemerkt, dass die hinten schwimmen", sagte der 34-Jährige mit einem Schmunzeln. "Da dachte ich mir: bevor sie wieder auftauchen, mach ich lieber das 2:0." Nur drei Minuten später war es dann endgültig einseitig. Der quirlige Desjardins, gerade 19 Jahre alt, krönte seine starke Leistung mit dem 3:0 (31.), vorbereitet vom laufstarken Linksverteidiger Daniel Devereux. "Ich wusste gar nicht, dass Daniel so weit vorne war", meinte Desjardins lachend. "Aber wenn der plötzlich auftaucht, muss man das ausnutzen." Zur Halbzeit hatte Ascona 56 Prozent Ballbesitz und doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe - statistisch also ebenso überlegen wie optisch. Solothurn, das laut Taktikblatt offensiv eingestellt war, wirkte in der Realität eher wie ein Team im Schongang. Ihr Trainer, der sich nach der Partie wortkarg gab, soll in der Kabine gefragt haben: "Hat jemand das Spiel gesehen?" Ein Spieler habe wohl geantwortet: "Ja, leider." Nach der Pause schaltete Ascona kurz einen Gang zurück - und dann wieder hoch. In der 64. Minute traf erneut Mike Kluge, diesmal nach sehenswerter Vorarbeit von Pascal Henning über rechts. 4:0, Stadion in Ekstase, Solothurn in Schockstarre. "Da war das Ding endgültig durch", kommentierte ein Zuschauer auf der Tribüne trocken. "Jetzt können sie eigentlich gleich an den See schwimmen gehen." Solothurn versuchte es tapfer, immerhin fünf Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto - allerdings alle harmloser als ein lauwarmer Espresso. Einmal kam Sven Kolb in der 51. Minute gefährlich zum Abschluss, doch Asconas Keeper Marco Ackermann faustete die Kugel spektakulär weg. "Ich wollte mal was fürs Fotoalbum tun", witzelte der 22-Jährige danach. In der Schlussphase wurde es noch leicht ruppig. Gerhard Götz von Solothurn sah Gelb (78.), wenig später auch Devereux auf Ascona-Seite (81.). Zufall nahm’s gelassen: "Wenn beide eine kriegen, ist’s wenigstens fair." Taktisch blieb Ascona über 90 Minuten offensiv, mit kurzen Pässen, viel Bewegung und erstaunlicher Spielfreude. 17 Torschüsse, davon vier drin - das nennt man Effizienz mit Stil. Solothurn dagegen blieb trotz nominell offensiver Ausrichtung zahm: kein Pressing, keine Durchschlagskraft, kein Plan B. Nach Abpfiff wurde der junge Mike Kluge von den Fans gefeiert. "Ich hab jetzt zwei Tore und ein Eis verdient", scherzte er, während ihn Teamkollege Schäfer väterlich auf die Schulter klopfte: "Wenn du so weitermachst, musst du bald meinen Platz übernehmen." Trainer Zufall fasste das Ganze mit trockenem Humor zusammen: "Ich wollte eigentlich defensiv anfangen, aber dann haben die Jungs einfach Fußball gespielt. Da hab ich’s laufen lassen." So endete dieser Abend mit einem klaren 4:0, vielen lachenden Gesichtern und der Erkenntnis, dass Ascona nicht nur Sonne und See kann, sondern auch Fußball. Solothurn dagegen wird sich fragen müssen, ob "offensiv" vielleicht nur auf dem Papier stand. Und irgendwo im Hintergrund soll ein Fan gerufen haben: "Schickt uns Basel, wir sind bereit!" - na ja, ganz so weit ist es wohl noch nicht. Aber wer weiß: mit diesem Kluge vorne und einem Trainer Zufall am Spielfeldrand scheint selbst das Schicksal auf Seiten des FC Ascona zu sein. 31.01.644003 15:03 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat