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Ein lauer Frühsommerabend, 48.879 Fans im Stadion, die Sonne über Aves senkt sich gemächlich hinter den Tribünen - und dann dieses Spiel: ein 2:1, das weniger knapp war, als es klingt, aber gerade genug Drama hatte, um die Zuschauer zwischen Jubel und Nervenzusammenbruch pendeln zu lassen. Der FC Aves, unter Trainer Leo Ribeiro, begann so offensiv, als hätte man die Defensive kurzerhand in der Kabine gelassen. 14 Torschüsse und 55 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Boavista Porto hingegen, angeführt von Coach Cuba Libre (ja, der Name ist Programm), wirkte zunächst so, als hätte man die Spielanweisung "auf Konter lauern" zu wörtlich genommen - sie lauerten nämlich so tief, dass man sie fast im eigenen Strafraum suchen musste. Nach einer Viertelstunde gab es die erste Verwarnung: Aves-Innenverteidiger Federico Sorbo San Basile sah Gelb, nachdem er Karl Blanchet unsanft an die Außenlinie begleitet hatte. "Ich wollte ihm nur zeigen, wo der Ausgang ist", scherzte Sorbo später, "aber der Schiedsrichter hat offenbar keinen Humor." Das Tor zum 1:0 fiel in der 31. Minute - und wie! Carlos Aganzo, der Ballverteiler im Mittelfeld, spielte einen Zuckerpass auf Vicente Mocana, der mit einem Haken nach innen zog und trocken ins linke Eck vollendete. Die Menge tobte, Trainer Ribeiro sprang wie ein junger Hase an der Seitenlinie. "Vicente hat heute gespielt, als sei er auf Koffein und Samba gleichzeitig", grinste der Coach nach dem Spiel. Boavista wankte, aber fiel nicht. Stattdessen rannte Aves weiter an, und elf Minuten später belohnte sich das Heimteam erneut. In der 42. Minute legte Julian Sommer mustergültig auf Vincent Alves ab, der das Leder flach ins Netz schob - 2:0. Die Südtribüne sang, die Boavista-Spieler sahen sich ratlos an. Doch wer Aves kennt, weiß: Wenn sie zu schön spielen, vergessen sie manchmal, dass Fußball auch Verteidigung kennt. Und so kam Boavista in der 45. Minute zurück ins Spiel. Bernard Peltier flankte, Karl Blanchet schoss - und plötzlich stand es 2:1. "Wir wollten kurz vor der Pause nochmal Spannung reinbringen", witzelte Blanchet später, "damit die Zuschauer nicht zu früh nach Hause gehen." Die zweite Halbzeit begann mit einer kuriosen Szene: Aves wechselte gleich zwei Spieler - Torwart Milan Ivanovic musste verletzungsbedingt raus, der junge Marco Quaresma kam zu seinem Debüt. "Ich habe gezittert, aber es hat keiner gemerkt", gab der 20-Jährige nach dem Spiel zu. Boavista versuchte, das Spiel zu drehen, presste nun höher und brachte frische Kräfte. Ein Tor gelang ihnen aber nicht mehr. Zwar hatte Blanchet in der 66. Minute noch eine Riesenchance, sein Schuss strich aber knapp über die Latte. Und als dann auch noch Mittelfeldmann Rui Figo in der 68. Minute verletzt vom Platz humpelte, schien das Glück der Gäste endgültig aufgebraucht. Aves dagegen blieb gefährlich. Mocana prüfte den Boavista-Keeper Janos Buzanszky in der 82. und 85. Minute gleich doppelt, doch das Aluminium und der Schlussmann verhinderten Schlimmeres. Tragisch: In derselben Minute musste Aves-Abwehrchef Ashton Giles nach einem Zweikampf verletzt vom Platz - später wurde bekannt, dass es wohl "nur" eine Muskelverletzung sei. "Ich habe mehr Angst vor der Reha als vor Blanchet", murmelte Giles mit ironischem Lächeln. Boavista beendete die Partie mit 9 Torschüssen, aber wenig Klarheit. Ihre beste Szene hatte vielleicht Pierre Hennessy, der Innenverteidiger, der in der 84. Minute plötzlich im Strafraum auftauchte und aufs Tor schoss - man munkelt, Trainer Cuba Libre habe in diesem Moment spontan die Stirn massiert. "Wir waren nah dran, aber Aves war heute wacher, giftiger, einfach besser", analysierte Libre nach Abpfiff mit erstaunlicher Nüchternheit. Sein Gegenüber Ribeiro nickte zufrieden: "Wir haben mit Herz gespielt - und manchmal reicht das, wenn man nicht vergisst, wo das Tor steht." Am Ende blieb es beim 2:1, einem Ergebnis, das Aves in der Tabelle weiter nach oben bringt und Boavista mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt zurücklässt. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit Applaus, Vicente Mocana wurde zum Spieler des Abends gewählt. "Ich wollte nur Spaß haben", sagte er lächelnd, "aber wenn dabei Tore rauskommen, beschwert sich keiner." Und so ging ein Spiel zu Ende, das alles hatte: Tempo, Tore, Gelbe Karten, Verletzungen - und ein bisschen Chaos. Kurz gesagt: ein Fußballabend, wie man ihn in Aves liebt. Schlusswort: Wenn Fußball eine Oper wäre, hätte Aves heute den Taktstock geführt - und Boavista wäre der Chor gewesen, der am Ende etwas zu spät einsetzte. 25.03.644000 19:05 |
Sprücheklopfer
Die Türken haben gezeigt, dass man, egal bei welchem Spielstand, immer mit ihnen rechnen kann. Das macht sie natürlich unberechenbar.
Jogi Löw