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FC Aves siegt nach wildem Schlagabtausch: Rincon schreibt Fußballpoesie

Wer an diesem lauen Maiabend im Estádio do CD Aves auf ein gemächliches 1:0 gehofft hatte, wurde schon nach zehn Minuten eines Besseren belehrt. 50.968 Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, als sich das Spiel zwischen dem FC Aves und dem FC Braga in ein Offensivfeuerwerk verwandelte, das man sonst nur aus Videospielen kennt. Am Ende stand ein 4:3 für die Gastgeber - ein Ergebnis, das so chaotisch wie verdient war.

Braga legte los wie ein Formel-1-Wagen mit Heimweh nach der Boxengasse. Schon in der 6. Minute traf Adam Huxley nach feiner Vorarbeit von Lionel Meira und ließ Aves-Keeper Milan Ivanovic keine Chance. Zwei Minuten später antwortete Aves - und wie! Jorge da Costa flankte butterweich von links, Iker Rincon nahm Maß und drosch den Ball ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man nicht denkt, klappt’s manchmal besser", grinste Rincon später.

Doch Braga war an diesem Abend zunächst das cleverere Team. Wolfgang Maus (13.) erhöhte nach Pass von Dylan Bosworth, und nur drei Minuten später legte Enrique Costa das 3:1 nach - wieder auf Vorlage des überragenden Bosworth. Die Fans der Gäste sangen schon vom sicheren Sieg, während Trainer Heiko Neese an der Seitenlinie demonstrativ ruhig blieb. "Wir hatten alles im Griff - bis wir aufgehört haben, Fußball zu spielen", knurrte er später.

Aves dagegen wirkte wie jemand, der spät zur Party kommt, aber noch tanzen will. In der 18. Minute verkürzte erneut Rincon, diesmal nach Pass von Benjamin Endres. 2:3 - und plötzlich war das Stadion wieder wach. Die erste Halbzeit endete mit leichtem Pfeifkonzert gegen die eigene Abwehr, aber mit Hoffnung auf mehr.

Nach der Pause legte Aves-Trainer Leo Ribeiro die Zurückhaltung ab. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens laut", verriet er mit einem Zwinkern. Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. Das Spiel wurde ruppiger, der Ballbesitz (47 zu 53 Prozent für Braga) täuschte nicht darüber hinweg, dass Aves nun die gefährlichere Mannschaft war. Julian Sommer prüfte Bragas Torwart Pedro Frechaut gleich dreimal (60., 62., 71.), ehe das Publikum in der 74. Minute explodierte: Wieder war es Rincon, der nach Vorlage von da Costa den Hattrick perfekt machte. 3:3 - und Braga stolperte plötzlich über die eigenen Flügel.

Neese reagierte hektisch: Maus raus, Donahue rein; Huxley raus, Brito rein. Doch es half nichts. Braga spielte weiter offensiv, aber ohne Pressing - fast schon höflich, wie ein Gast, der nicht zu laut auftreten will. Und Aves roch Blut. In der 83. Minute brachte Ribeiro den jungen Vicente Mocana für Rincon - ein Wechsel, der sich als goldrichtig erweisen sollte.

Die Nachspielzeit lief schon, als der eingewechselte Mocana in der 95. Minute Geschichte schrieb. Ein weiter Pass von Rechtsverteidiger Ashton Clarke, Mocana nimmt ihn volley - und das Netz zappelt. 4:3! Das Stadion bebte, Leo Ribeiro sprintete die Linie entlang, als hätte er selbst getroffen. "Ich wollte eigentlich nur den vierten Offiziellen umarmen", behauptete er später lachend.

Braga suchte in den letzten Sekunden verzweifelt den Ausgleich, aber Aves verteidigte mit allem, was Beine hatte. Louis Ashton drosch in der 86. Minute noch einen Ball aus dem Strafraum, der vermutlich heute noch fliegt.

Statistisch gesehen war es ein knappes Duell: 13 Torschüsse für Aves, 7 für Braga. Doch die Effizienz der Hausherren machte den Unterschied. Rincon, dreifacher Torschütze, wurde folgerichtig zum Mann des Abends gewählt. "Ich weiß gar nicht, ob ich heute schlafen kann", sagte er mit funkelnden Augen. "Vielleicht schieße ich im Traum noch eins."

Trainer Neese hingegen stapfte missmutig in die Kabine. Auf die Frage, was er seiner Mannschaft mitgebe, antwortete er trocken: "Vielleicht ein Wörterbuch für das Wort ’Defensive’."

So endete ein Spiel, das alles hatte: Drama, Tore, und eine Prise Wahnsinn. FC Aves schrieb an diesem Abend seine eigene kleine Fußballlegende - mit einem Drehbuch, das kein Hollywood-Regisseur besser hätte schreiben können.

Man darf gespannt sein, ob sie beim nächsten Spiel wieder so offensiv auftreten. Oder ob Trainer Ribeiro diesmal doch ein Rezept gegen Herzklopfen findet.

18.04.644000 02:47
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