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Wenn man 30.493 Zuschauer an einem lauen Aprilabend in ein Stadion lockt, dann muss man liefern. Und wie der FC Bystrc-Kninicky lieferte! Mit einem 3:1-Heimsieg gegen FK Tachov startete die Mannschaft fulminant in die neue Saison der 1. Liga Tschechien. Schon zur Pause stand es 3:0 - die Gäste hätten da vermutlich lieber noch ein paar Minuten länger im Bus gesessen. Von Beginn an war klar, dass Bystrc-Kninicky sich an diesem Abend nichts schenken würde. Keine Spur von Auftaktnervosität, eher der Tatendrang einer Mannschaft, die nach oben will. Bereits in der 19. Minute traf der erst 21-jährige Tomas Bejbl nach einem sehenswerten Zuspiel von Innenverteidiger Karel Jarolim zum 1:0. Bejbl, der nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen durch die Mixed Zone spazierte, meinte trocken: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du den Ball so triffst, brauchst du keinen Glücksbringer." Nur zwölf Minuten später folgte der nächste Streich: Ole Arst, der wuchtige Norweger auf der rechten Seite, verwertete eine Flanke von Gianmarco Morabito humorlos zum 2:0. FK-Torwart Zdenek Ctyroky flog zwar schön, aber eben an der Realität vorbei. "Da hat er mich kurz an meine Playstation erinnert", witzelte Arst später, "nur dass ich dort öfter vorbeischieße." Und als Tachov noch überlegte, ob sie sich lieber hinten reinstellen oder doch vorne anlaufen sollten, schlug Bystrc erneut zu. In der 33. Minute vollendete Adam Davonport eine traumhafte Kombination über Bejbl zum 3:0. Das Stadion tobte, die Fans sangen sich in Ekstase, und Trainer Lars Larsen von FK Tachov stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie - der Blick irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und innerer Emigration. "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen", gab Larsen später zu Protokoll. "Vielleicht lag’s am Abendessen. Vielleicht auch daran, dass meine Abwehr dachte, sie spielt noch in der Vorbereitung." Die Statistik zur Pause sprach eine klare Sprache: 56 Prozent Ballbesitz für Bystrc, fünf Torschüsse - drei drin. Tachov dagegen mit mehr Wille als Zielgenauigkeit: sieben Schüsse, kein Treffer. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild leicht. Tachov kam mit Wut im Bauch aus der Kabine, spielte nun aggressiver, bissiger - manchmal auch etwas zu sehr. In der 48. Minute sah Linksverteidiger Johannes Brenner Gelb, nachdem er Arst an der Außenlinie eher abräumte als tackelte. Zwei Minuten später dann der erste Lichtblick für Tachov: Jaroslav Wagner traf nach Vorarbeit von Mittelfeldmann Holek Gedeon zum 3:1. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball können", grinste Wagner anschließend. Doch so richtig gefährlich wurde es für Bystrc danach selten. Zwar feuerten die Gäste insgesamt 12 Mal auf den Kasten von Keeper Lewis Giles, doch der 34-Jährige hatte einen dieser Abende, an denen einfach alles klebt. Einmal faustete er einen Schuss von Radovan Lukes so weit weg, dass man kurz dachte, er wolle den Ball auf den Parkplatz befördern. In der 67. Minute kassierte Arst noch Gelb, kurz darauf humpelte er nach einem Zweikampf verletzt vom Feld - es sah nach einer leichten Zerrung aus. Unter Applaus wurde er in der 74. Minute durch Hermanni Pasanen ersetzt. "Er hat sich das Souvenir verdient", meinte Trainer Assistent lachend und hielt das aufgerissene Stutzenband hoch. Tachov versuchte in der Schlussphase alles, brachte gleich drei frische Offensivkräfte: Finlay Catrall, Jörg Albert und den jungen Karel Slepicka. Doch Bystrc ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Roman Coupek holte sich in der Nachspielzeit noch eine Gelbe Karte ab - vermutlich, um auch in der Statistik aufzutauchen. Am Ende blieb es beim verdienten 3:1. Die Gastgeber überzeugten mit klarer Struktur, ruhigem Passspiel (Ballbesitz 56,8 Prozent) und einer gnadenlosen Effizienz. Tachov dagegen mit mehr Torschüssen, aber weniger Wirkung - ein Muster, das Trainer Larsen dringend abstellen muss, wenn man nicht schon früh in der Saison ins Hintertreffen geraten will. "Es ist nur der erste Spieltag", sagte Bejbl mit einem Augenzwinkern, "aber wenn wir so weitermachen, müssen wir uns um die Tabelle keine Sorgen machen." Und irgendwo auf der Tribüne nickte ein alter Fan zufrieden, nahm einen letzten Schluck seines lauwarmen Biers und murmelte: "So kann’s weitergehen - aber bitte mit weniger Herzklopfen." 13.04.643997 13:03 |
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